Wiederholungstäter beschönigte seine rüde Attacke
Jens Lehmann droht mehrwöchige Sperre

Übeltäter Jens Lehmann droht nach seinem hässlichen Tritt in den Oberschenkel des am Boden liegenden Freiburgers Soumaila Coulibaly eine mehrwöchige Sperre. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Montag nach Studium der TV-Bilder und Anhörung von Schiedsrichter Herbert Fandel Ermittlungen gegen den Torhüter von Borussia Dortmund aufgenommen.

dpa FREIBURG/FRANKFURT/MAIN. "Coulibaly und Lehmann müssen bis Dienstag eine schriftliche Stellungnahme abgeben", teilte DFB-Pressesprecher Harald Stenger der dpa mit. "Der Kontrollausschuss kann Strafantrag beim Vorsitzenden des Sportgerichtes stellen." Dies gelte auch, falls sich die beiden Beteiligten nicht äußern sollten.

In einem vergleichbaren Fall hatte das DFB-Organ den Bielefelder Artur Wichniarek nachträglich für vier Spiele gesperrt. Anhand von Fernsehaufnahmen konnte dem Stürmer nachträglich ein Ellbogencheck gegen seinen Fürther Gegenspieler Rachid Azzouzi nachgewiesen werden. Wie am Sonntagabend beim Dortmunder 5:1 (1:1) gegen die stark abstiegsgefährdeten Freiburger hatte Fandel auch in der Zweitliga- Partie die Tätlichkeit nicht gesehen.

Lehmann, der am Montag beim Training in Dortmund jede Stellungnahme verweigerte, mimte direkt nach der Partie trotz eines halbherzigen Eingeständnisses das Unschuldslamm. "Das war im Affekt. Während ich zugetreten habe, habe ich schon wieder zurückgezogen", beschönigte der Wiederholungstäter seine rüde Attacke. "Ich glaube, ich habe ihn leicht getroffen, aber er konnte das ganze Spiel weiter machen. Also war das Ganze nicht so schlimm."

Seine Unbeherrschtheit dürfte nach Aufnahme der Ermittlungen Folgen für Lehmann haben. DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel prognostizierte als neutraler Beobachter: "Lehmann kann nachträglich gesperrt werden. Wenn es der Schiedsrichter gesehen hätte, wäre es eine klare Rote Karte und ein Elfmeter gewesen." Und Klaus Toppmöller vom Titelrivalen Bayer Leverkusen entrüstete sich: "Das ist unentschuldbar und gehört bestraft."

Die BVB-Verantwortlichen rügten derlei Aussagen am Montag scharf. "Eine Verurteilung schon während des Spiels kann ich nicht nachvollziehen. Damit tut sich die Schiedsrichtergilde keinen Gefallen", monierte BVB-Sportmanager Michael Zorc. Auch Trainer Matthias Sammer bezeichnete die Äußerungen als "sehr problematisch". Man solle mit "mehr Ruhe und Gelassenheit" reagieren: "Ich habe den Eindruck, dass gewisse Kreise innere Glücksgefühle dabei empfinden. Das finde ich nicht gut."

Ohne dessen Namen zu nennen, kritisierte Sammer auch den Kollegen Toppmöller. "Vor allen Dingen, wenn es sich um einen Mitbewerber handelt, müssen Spieler und Verein moderater behandelt werden. Es darf keiner an den Pranger gestellt werden." Unabhängig davon scheinen aber auch vereinsinterne Konsequenzen nicht ausgeschlossen. "Ich werde mit Jens sprechen. Er hat kurzfristig die Nerven verloren", kündigte Sammer die Aussprache mit seinem zum wiederholten Mal negativ aufgefallenen Schlussmann an. "Es liegt nicht in meinem Aufgabenbereich zu beurteilen, ob Jens gesperrt werden muss. Meine Aufgabe liegt darin, ihn zu erziehen."

Die deutsche Nummer zwei hinter Oliver Kahn hatte zuvor vergleichbare Ausraster gegen Ulf Kirsten, Giovane Elber und Victor Agali. "Ich dachte, meine Kniescheibe wäre gebrochen", suchte der Hitzkopf eine Ausrede. "Aber das darf mir nicht passieren. Andererseits muss man sehen, dass ich oft so angegangen wurde."

Fandel bekannte sich nach dem Spiel zu seiner Fehlentscheidung. "Ich konnte das nicht sehen, was aber keine Entschuldigung sein soll", sagte der Referee aus Kyllburg. "Es war ein großer Fehler. Man braucht darum nicht herum zu reden. Wir Schiedsrichter sind dazu da, so etwas zu sehen und zu ahnden."

Dortmunds exakt sieben Minuten dauerndes fußballerisches Feuerwerk mit vier "Knallern" in der zweiten Halbzeit durch Dede (64.), Torjäger Amoroso (66.) und zwei Mal Jan Koller (69./70.) rückte wegen Lehmann in den Hintergrund. Und Sammer wollte den Kantersieg auch gar nicht überbewerten. Freiburg sei 60 Minuten lang gleichwertig gewesen, verwies er auf eine lange Zeit ausgeglichene Partie. Lewan Kobiaschwili hatte die Breisgauer in Führung gebracht (9.), Evanilson für den lange biederen Favoriten ausgeglichen (15.).

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