Wiederkehrende Spekulation über Interventionen
Euro erholt sich auf über 83 US-Cents

Der Euro hat sich von seinem am Vortag erreichten Rekordtief erholt. Spekulationen über neue Interventionen der Notenbank stützten die Währung, so die Händler.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Freitag von seinem vortags erreichten Rekordtief erholt. Wiederkehrende Spekulationen über neue Notenbank-Interventionen ließen nach Angaben von Händlern den Euro in der Spitze um gut einen Cent auf über 83 Cents steigen. Zudem hätten technische Faktoren die Währung gestützt. Äußerungen des Chefvolkswirten der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, und Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zum Euro sowie die am Morgen veröffentlichten M3-Zahlen für die Euro-Zone hätten sich dagegen kaum auf den Euro-Kurs ausgewirkt. Neue Impulse könnte nach Händleraussagen im Tagesverlauf das zur Veröffentlichung anstehende US-Bruttoinlandsprodukt liefern.

Händler sagten, der Markt sei sehr nervös, da die vergangene Intervention der Notenbanken am 22. September ebenfalls auf einen Freitag gefallen sei. Sie führten die Erholung des Euro zudem auf technische Faktoren zurück. Der Euro stehe aber nach seinem am Donnerstag erreichten Allzeittief von 0,8229 Dollar weiterhin unter Druck. "Er (Euro) ist zwar über 0,83 Dollar, aber es gibt nichts, was auf ein großes Aufwärtspotenzial schließen lässt", sagte Matthew Clements, Volkswirt bei Prebon Marshall Yamane in London. Devisenexperten schlossen daher erneute Kursverluste zum Wochenende nicht aus.

Spekulationen um Intervention

Im asiatischen Handel hatten Äußerungen des japanischen Finanzministers Kiicho Miyazawa, wonach er noch keine Informationen aus Europa bezüglich einer Intervention erhalten habe, den Euro Händlern zufolge leicht belastet. Auf eine Frage ob er schon mit den Europäern über die Euro-Schwäche gesprochen habe, sagte Miyazawa: "Die Europäer sollten als erstes selbst entscheiden, ob (eine gemeinsame Intervention zu Gunsten des Euro) nötig ist. Ich habe noch nichts zu diesem Thema gehört".

Eichel hatte die Schwäche des Euro am Freitagmorgen laut Redetext als vorübergehend bezeichnet und gesagt, die gegenwärtigen Wechselkurse spiegelten die Stärke der europäischen Wirtschaft nicht wider. Der Euro werde gegenüber dem Dollar schon mittelfristig an Wert gewinnen.

Auch Issing hatte in einem Zeitungsinterview erneut gesagt, der Euro werde in Zukunft deutlich an Wert gewinnen und es sei daher immer riskanter für Anleger, auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends des Euro zu wetten. Am Donnerstag hatte Issing im Anschluss an eine Rede an der Universität Cambridge zudem gesagt, die Euro-Schwäche stelle jedoch ein großes psychologisches Problem für die EZB dar.

Weitere Kursentwicklung von US-Wachstum abhängig

Weitaus unbemerkt blieb unterdessen am Freitagmorgen Händlern zufolge die Veröffentlichung des Geldmengenwachstums in der Euro-Zone. Wie die EZB am Freitag in Frankfurt mitteilte, hat sich das Wachstum der Geldmenge M3 im September auf eine Jahresrate von 5,5 Prozent nach 5,6 Prozent im August verlangsamt. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt Juli/September sei die Geldmenge gegenüber der Vorjahresperiode mit einer Jahresrate von 5,4 (Vorperiode revidiert 5,4) Prozent gestiegen.

Die weitere Kursentwicklung hängt nach Aussagen von Händlern am Freitag insbesondere von der für 14.30 Uhr MESZ anstehenden Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsproduktes für das dritte Quartal 2000 ab. Die Zahlen könnten dem Markt neue Hinweise über eine mögliche Abschwächung des US-Wirtschaftswachstums liefern. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen im Durchschnitt mit einer Verlangsamung des BIP-Wachstums auf 3,4 Prozent im 3. Quartal nach 5,6 Prozent im Vorquartal.

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