"Wiedervereinigung interessiert schon lange nicht mehr"
Leipzig muss Olympia-Konzept überarbeiten

Nach Ansicht einiger führender deutscher Sport- Funktionäre muss Olympia-Kandidat Leipzig sein Konzept für die internationale Bewerbung umfassend überarbeiten. Damit die 500 000 Einwohner zählende Stadt sich gegen Metropolen wie New York, Paris, Madrid oder Rio de Janeiro behaupten kann, bedürfe es dringend einer Nachbesserung des Beherbergungskonzepts, eines neuen Slogans sowie eines modernen Leitmotivs.

HB/dpa LEIPZIG. Die bei der nationalen Bewerbung hervorgehobene friedliche Revolution von 1989 hält das deutsche IOC - Mitglied Roland Baar demnach international für nicht vertretbar. "Die Wiedervereinigung interessiert doch international schon lange keinen mehr", sagte Baar dem Nachrichtenmagazin "Focus".

In die gleiche Kerbe schlug Sylvia Schenk, Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der 1884 in der Messestadt gegründet wurde. Mit Blick auf eine Botschaft habe Leipzig "bis dato nichts zu bieten", sagte sie dem Magazin. Als Mitglied der neuen "Leipzig 2012 GmbH" will der Chef der Deutschen Sporthilfe, Hans-Ludwig Grüschow, die Bemühungen forcieren, "ganz schnell ein komplett neues Konzept" zu entwicklen, "mit dem wir den Leuten draußen in der Welt erklären können, "warum Leipzig eine tolle Stadt ist".

Probleme sieht das IOC-Mitglied und der ehemalige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK), Walther Tröger, in der geplanten Beherbergung. Das Konzept, Hunderte von Gründerzeitvillen als Quartiere auszubauen, sei nicht machbar, weil für jedes Nobelhaus entsprechend ein Shuttle-Service eingerichtet werden müsse, sagte Tröger dem "Focus". Auch Baar hält die angedachte Unterbringung für einen "gravierenden Minuspunkt", wenn es um die Vergabe der Spiele am 6. Juli 2005 in Singapur geht.

Bei einer entsprechenden Nachbesserung des Konzepts sieht Tröger jedoch Chancen für einen deutschen Erfolg. Leipzig sei mit einsetzender EU-Osterweiterung die kommende Stadt in Europa und außerdem hätten viele IOC-Mitglieder ehemaliger sozialistischer Länder in Leipzig an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) und Sport studiert. "Die sprechen deshalb sogar heute noch deutsch, allerdings mit sächsischem Akzent."

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