Wien wehrt Kritik ab
Mögliches Lager mit Saharatouristen entdeckt

Die algerischen Behörden haben nach Medienberichten Kontakt mit den mutmaßlichen Entführern der vermissten Sahara-Touristen und verhandeln über deren Freilassung. Beduinen hätten die Entführer mit elf der verschollenen Touristen beim Verlassen eines Lagers beobachtet, berichtet das österreichische Nachrichtenmagazin "Profil". Die 15 deutschen Vermissten seien von den übrigen Geiseln getrennt worden.

HB/dpa WIEN/BERLIN/ALGIER. Schon nach der regulären Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt am Donnerstag waren keinerlei Einzelheiten über den mysteriösen Fall an die Öffentlichkeit gedrungen. Forderungen mutmaßlicher Geiselnehmer wurden ebenfalls bislang nicht bekannt. "Wir schließen nichts aus", hatte ein AA- Sprecher am Donnerstag bekräftigt. Von offizieller Seite wird in allen beteiligten Staaten eine Entführung weiterhin nur als ein mögliches Szenario über den Verbleib der Touristen bezeichnet.

Das österreichische Außenministerium verwahrte sich unterdessen gegen Vorwürfe, es habe Absprachen über die Verschwiegenheit in diesem Fall gebrochen. Die Aussagen von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) über ein Lebenszeichen der Verschollenen sei "mit den algerischen Behörden abgestimmt" gewesen, hieß es in einer Erklärung des Außenamtes in Wien vom Freitag.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte am Donnerstag berichtet, die Bundesregierung sei zutiefst verärgert über die Informationspolitik der österreichischen Behörden. Entgegen der Absprache, keine Details aus der Fahndung nach den Vermissten zu veröffentlichen, hatte Ferrero-Waldner vergangene Woche bei ihrer Rückkehr aus Algerien berichtet, es gebe eine Nachricht, "dass die Vermissten am 8. April noch am Leben waren". Die deutschen Sicherheitsbehörden fürchteten nun, die Entführer könnten sich nach dieser Indiskretion an ihren Geiseln rächen, schrieb der "Spiegel".

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der ebenfalls nach Algier gereist war, hatte sich danach jeder Stellungnahme enthalten. Allerdings bekräftigte sein Ministerium am Donnerstag, es gebe weiter Hoffnung darauf, dass die Vermissten am Leben seien.

Unter den 31 Wüstenurlaubern sind neben den Deutschen zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Schwede und ein Niederländer. Laut "Profil" sei es lange geübte Praxis der algerischen Behörden, Geiselnehmern keine Zugeständnisse zu machen. Dass in diesem Fall dennoch Gespräche über mögliche Bedingungen für eine Freilassung der Geiseln geführt werden, sei auf die große internationale Aufmerksamkeit in dem Fall zurückzuführen. Seit Wochen sind Spezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor Ort, um Algerien bei der Suche nach den Verschollenen zu helfen.

Trotz des ungewissen Schicksals der verschollenen Sahara- Touristen lassen sich ausländische Urlauber anscheinend nicht von Reisen in den Süden Algeriens abschrecken. Bis zum 15. April seien mehr als 110 Ausländer mit dem Flugzeug in Tamanrasset gelandet, um Ausflüge in das Hoggar-Gebirge zu unternehmen, schrieb die algerische Tageszeitung "L'Expression" (Donnerstagsausgabe).

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