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Wienerberger will nahe an Rekordjahr herankommen

Deutlich besser verdienen will die Wienerberger AG im Geschäftsjahr 2002. Auf Basis eines Ergebnisses, das nahe an das Rekordjahr 2000 herankommen soll, dürfte es für die Aktionäre eine höhere Dividende geben. Das schwierige Jahr 2001 habe man hinter sich gelassen und trotz des Gegenwindes des Marktes wolle man beim Ergebnis Kraft eigener Stärke zulegen, zeigte sich die Führung des weltgrößten Ziegelherstellers optimistisch.

rtr WIEN. "Ich gehe davon aus, dass die Dividende leicht steigen wird", sagte Wienerberger-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reithofer am Dienstag vor Journalisten.

Für 2001 hatte Wienerberger die Dividende auf 0,60 (0,80) Euro je Aktie gekürzt. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll 2002 über 100 Mill. ? zu liegen kommen. Jedenfalls wolle man der Marke von 147 Mill. ? aus dem Rekordjahr 2000 "möglichst nahe kommen". "Wenn es gut geht, dann werden wir sehr nahe kommen. Wenn nicht, dann nur nahe", sagte der Wienerberger-Chef. Im ersten Halbjahr 2002 hat Wienerberger bei einem Umsatz von 799,3 (746,4) Mill. ? ein Ebit von 72,6 (32,1) Mill. ? erzielt und die Erwartungen übertroffen. Der Kapitalmarkt hat das bessere Halbjahresergebnis vorerst ignoriert. Wienerberger lagen in einem flauen, aber freundlichen Markt gegen 1330 Uhr auf 16,27 (16,50) tiefer. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 3,30 % an Wert gewonnen, während der ATX 0,74 % im Minus liegt. Rückenwind gebe es von den Märkten nicht, eher Gegenwind, konstatierte Reithofer. Wachstumsprognosen würden laufend nach unten revidiert und die Baukonjunktur würde zurückhaltend eingeschätzt. Für Wienerberger bedeute das die Konzentration auf die interne Stärkung.

"Wir sind stark und wollen stark bleiben", sagte Reithofer. Optimieren - das heißt an vielen kleinen Hebeln zu drehen, um zur früheren Ertragsstärke zurückzukehren - sei die Devise. Dabei seien Kapazitätsanpassungen - also Werksschließungen - nicht auszuschließen. Das schwierige Jahr 2001 sei vorüber. Die Ergebnisse auf Basis des Ebit haben sich im Kerngeschäft Ziegel in allen Regionen verbessert, sagte Reithofer. Bei der Einschätzung der Konjunkturentwicklung zeigt sich Wienerberger vorsichtig: Man erwarte keine Belebung in Mitteleuropa und Benelux. In Deutschland werde ein weiterer Rückgang des Wohnungserneuerungsbaus um 15 % prognostiziert, der erhoffte Aufschwung ab 2003 sei in Frage gestellt. Werkstillstände und daraus resultiertende Leerkosten werden im zweiten Halbjahr 2002 daraus die Folge sein, so Wienerberger.

Unterschiedlich hingegen die Situation in den USA. Während die wachsende Bevölkerung und das historisch niedrige Zinsniveau Unterstützung für einen starken Wohnungsneubau liefern und die Baubeginne auf einem hohem Niveau liegen, könnte sich das zuletzt rückläufige Verbrauchervertrauen negativ auswirken.

Zuwächse seien hingegen in Osteuropa zu erwarten, wo der befürchtete weitere Rückgang der polnischen Baukonjunktur nicht eingetreten sei.

Nach Werksschließungen und Restrukturierungen ist aber Deutschland, ein Kernmarkt der Wienerberger, operativ auf dem Weg zum Turnaround. Ähnliches gelte auch für Österreich und die Schweiz. Den Marktrückgang in den Niederlanden habe man durch die Integration der Hanson-Werke kompensieren können. Der Wachstumsmarkt Osteuropa trägt laut Wienerberger 19 % zum Umsatz, aber bereits 29 % zum Ergebnis bei. Besser sei auch das Geschäft in den USA verlaufen. Insgesamt 17 Werke in Europa und den USA hat Wienerberger aus dem Markt genommen, um die Überkapazitäten zu beseitigen und das Preisniveau zu stabilisieren. Der Fokus soll auch künftig beim Kerngeschäft Ziegel liegen, der einen Marktanteil von 60 % im Wohnbau in Europa habe. Im Geschäftsfeld Rohr- und Dachbeteiligungen würde vor allem der Bereich Steinzeug - verwendet für den öffentlichen Kanalbau - schwierige Märkte vorfinden. In diesem Bereich soll es auch zu einer Bereinigung kommen. Die Joint-Ventures - bei Rohren mit Pipelife und bei Dach mit Bramac - seien zu überdenken. Abgeben oder übernehmen, so die Devise, aber "ohne Hast und Eile", zeigte sich Reithofer verschlossen. Ebenso verschlossen ist Wienerberger in Bezug auf die neuen Geschäftsfelder, die man entwickeln will. Felder, die mit Bau verwandt sind und Möglichkeiten eröffnen. Heraklith, die Dämmsparte der RHI AG, sei "nicht unbedingt" Objekt der Begierde, sagte er. Wachstum ist auch in der Zukunft angesagt, wobei Wienerberger aber Großprojekte vermeiden will. Vielmehr soll über den Zukauf kleiner Werke die Position im Markt gestärkt werden. Der freie Cash Flow soll dafür investiert werden. Wienerberger sehe sich als einen der großen Spieler im Konsolidierungsprozess in der Branche, sagte Reithofer.

Den Rückzug von Bank Austria Creditanstalt AG und Koramic Building BV begrüße Wienerberger. Künftig würde man das Wachstum über den Kapitalmarkt finanzieren, so Reithofer.

In einer koordinierten Aktion wollen sich beide schrittweise zurückziehen. BA-CA und Koramic halten je 25 % plus eine Aktie und sind seit 1996 syndiziert. Festlegungen in Bezug auf Zeit und Ausmaß des Rückzuges seien offen und Sache der Eigentümer. Ein Rückzug unter die Sperrminorität sei aber denkbar, sagte Reithofer. Dass man selbst ein Übernahmekandidat werden könnte, bereite keine Sorgen.

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