Archiv
Wikinger feiern auch in Regen und SchlammDPA-Datum: 2004-07-04 14:25:17

Busdorf/Schleswig (dpa) - Im Regendunst dümpelten Handelsschiffe und Boote auf dem Haddebyer Noor, der inneren Schlei vor Haithabu in Schleswig-Holstein. Bärtige Wikinger trugen ihren Schild zum Schutz gegen den Regen, als sie in Woll- und Filzgewändern durch ihr Lager stapften.

Busdorf/Schleswig (dpa) - Im Regendunst dümpelten Handelsschiffe und Boote auf dem Haddebyer Noor, der inneren Schlei vor Haithabu in Schleswig-Holstein. Bärtige Wikinger trugen ihren Schild zum Schutz gegen den Regen, als sie in Woll- und Filzgewändern durch ihr Lager stapften.

Rund 400 Mitglieder von Wikingergruppen aus Deutschland, Russland und vielen Ostsee-Anrainerstaaten hatten am Samstag und Sonntag auf dem Gelände der einstigen Wikingersiedlung Haithabu ihr Lager aufgeschlagen. Die Stadt Schleswig feierte an diesem Wochenende die erste Erwähnung des historischen Sliesthorp (Schleswig) und Haithabu vor 1200 Jahren durch fränkische Geschichtsschreiber. Haithabu, eines der wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und sakralen Zentren des wikingerzeitlichen Skandinaviens, wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zerstört.

Dass Gott Thor grollte und Regen und Donner schickte, nahmen die Nordmänner mit ihren Frauen und Kindern fast stoisch hin. Moderner Regenschutz war bei fast allen verpönt. Man traf sich in den Zelten und schützte sich unter den Vordächern und hoffte, dass der Regen die qualmenden Feuer nicht löscht. Im Skaldenzelt wurden den Kindern Märchen und Mythen erzählt. Zum inneren Aufwärmen gab es Met und Bier. Buchweizenfladen mit Honig und Wildschweinbratwurst füllten die Mägen. Handwerker zeigten, wie Knochennadeln hergestellt, Leder verarbeitet oder Bier gebraut wurde.

Das szenische Darstellen des Siedlunglebens am Originalort wie vor 1200 Jahren wurde auch durch den Besuch fränkischer und slawischer Händler ergänzt. Im Gegensatz zu ihren historischen Vorbildern blieben kriegerische Auseinandersetzungen aber aus. Die Waffenkunst der Wikinger wurde in Bogenturnieren gezeigt - wenn die Götter des Nordens nicht gerade zürnten.

Rund 35 000 Menschen haben sich nach Schätzungen der Veranstalter am Wochenende ein Bild vom Wikinger-Leben gemacht. Die Resonanz der Besucher sei durchweg positiv gewesen. Auch die Schauer und der aufgeweichte matschige Lagerplatz habe sie nicht daran gehindert, die Zeitreise in die Vergangenheit anzutreten.

Das Fest unter dem Titel «Die Rückkehr der Wikinger» war jedoch weit mehr als ein Verklären von Wikinger-Romantik. Die Kostüme mit ihrem Schmuck, die Werkzeuge sowie die Schiffe und Boote entsprachen exakt ihren historischen Vorbildern, sagte die Sprecherin des Wikinger Museums Haithabu, Ute Drews. Deshalb war das Treffen nicht nur Lagerleben unter erschwerten Bedingungen, es diente auch der Wissenschaft.

An Bord eines Handelsschiff wollen zwölf Wissenschaftler an diesem Montag die Reise eines Wikinger-Fernhändlers experimentell nachsegeln. Nach einem Bericht aus dem 9. Jahrhundert, der in England aufgezeichnet wurde, war Händler Wulfstan in sieben Tagen von Haithabu aus in die Danziger Bucht nach Truso gesegelt. Wegen des schlechten Wetters war die Fahrt um einen Tag verschoben worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%