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Will Google Reuters kaufen?

Es klingt absurd. Vollkommen neben der Spur. Und doch würde es einiges aus den vergangenen Wochen erklären: Es gibt Gerüchte, Google wolle die Nachrichtenagentur Reuters kaufen. Es wäre die endgültige Rückkehr des New-Economy-Wahnsinns.

Es klingt absurd. Vollkommen neben der Spur. Und doch würde es einiges aus den vergangenen Wochen erklären: Es gibt Gerüchte, Google wolle die Nachrichtenagentur Reuters kaufen. Es wäre die endgültige Rückkehr des New-Economy-Wahnsinns.

Irgendwas tut sich bei Google, da sind sich ja irgendwie alle sicher. Heute nun ein Gerücht bei Silicon Beat, dem Weblog der "San Jose Mercury News", der Hauszeitung des Silicon Valley:

"We don't usually traffic in unfounded rumors, but apparently the buzz among Wall Street traders is that Google wants to buy London-based Reuters. That's according to someone who spends a fair bit of his time talking to traders. Which maybe ties into this. Or maybe not. So there you go. Add it to the rumor pile."

Nur ein weiteres Gerücht? Diesmal zumindest eines, das Sinn macht.

Schon seit einiger Zeit wird spekuliert, ob Google nicht nur Inhalte durchsuchen will - sondern auch welche erstellen. Doch Reuters ist, was der normale Mensch außerhalb der Finanz-Gemeinde oft nicht realisiert, mehr als eine Nachrichtenagentur, die andere Medien beliefert.

Groß geworden ist der Konzern mit Terminals, die weltweit Nachrichten an Banken und Börsenhändler liefern - aufwändige Datenbanken mit Unternehmensinformationen inklusive, also ein wenig näher an Googles Kerngeschäft. 90 Prozent des Umsatzes kommen aus diesem Bereich, zu dem auch das Finanzmarkt-Handelssystem Instinet gehört.





Reuters allerdings würde - so ich gerade richtig gerechnet habe - 8,5 Milliarden Euro kosten. Googles Kriegskasse enthält derzeit 5,5 Milliarden. Reicht also nicht. Doch was, wenn Google gar nicht alles von Reuters möchte? Es wäre ein typisches Spiel: Wir behalten, was u ns interessiert, der Rest wird verkauft oder an die Börse gebracht. Über die Zwischenfinanzierung muss man sich angesichts der Google-Euphorie an der Wall Street keine Gedanken machen.

Doch so oder so: Reuters passt nicht zu Google. Nur stören wird das niemand. Die New Economy ist wieder da und mit ihr der Irrsinn. Anders ist auch das Interesse von Ebay an Skype nicht zu erklären. Und natürlich läuft wieder die gleiche dümmliche Argumentation wie 1999: Das Geld ist da, Wachstum ist nicht mehr, Profitabilität interessiert nicht.

"Für Ebay liege der Reiz des Geschäftes auf der Hand: Die Auktionsplattform habe großes Interesse daran, in neue Märkte wie die Internettelefonie zu expandieren, sagt Roberts. Nach Jahren exorbitanter Wachstumsraten hat sich zuletzt das Geschäft in den Ebay-Kernmärkten USA und Deutschland mit einem Umsatzplus von etwa 20 Prozent mäßiger entwickelt. „Die Investoren machen jetzt s ehr viel Druck“, sagt Roberts."

Willkommen zurück, liebe Totgeglaubte. Auf zum neuen Spiel, das enden wird wie das alte: mit einem tiefen Fall für viele und kräftigen Gewinnen für wenige. Übrigens: Reuters kauft seit Tagen eigene Aktien.... 

Nachtrag: Gleichzeitig kommt heute die Meldung, dass Google Vinton Cerf verpflichtet hat, einen der Väter des Internets. Ich habe ihn vor einigen Jahren auf der Cebit getroffen. Ein fasznierender, schnell denkender Visionär. Bemerkenswert ist in Sachen Weblogs allerdings die Meldung der DPA:

"Google holt „Vater des Internet“ als Lobbyisten an Bord =
 Mountain View (dpa) - Vint Cerf, einer der „Väter des Internet“, wird künftig als Lobbyist für Google arbeiten. Das teilten Cerf und der Betreiber der führenden Internet-Suchmaschine am Donnerstag (Ortszeit) in Mountain View (US-Bundesstaat Kalifornien). Er werde zum 3. Oktober bei Google als „Chief Internet Evangelist“ antreten, schrieb der derzeitige Vorsitzende des Vorstands der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) im seinem Weblog.


(Internet: Weblog von Vint Cerf:
http://googleblog.blogspot.com/2005/09/cerfs-up-at-google.html)"

Zum ersten Mal, dass ich eine DPA-Meldung mit einem Blog als Quellenangabe sehe...

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