Will nicht das schnelle Geld
Saban wird zum mächtigen TV-Macher Deutschlands

Haim Saban steht kurz vor dem Ziel. Wenn es im Drama um das zusammengebrochene Kirch-Imperium nicht noch in letzter Minute eine weitere überraschende Wende gibt, wird der US-Milliardär in den nächsten Tagen nach München fliegen und den Vertrag für den Kauf der insolventen Kirch Media perfekt machen.

HB/dpa MÜNCHEN. Der 58-Jährige wird damit Besitzer von Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat.1 und so mit einem Schlag zu einem der mächtigsten TV-Macher hier zu Lande.

Sabans Verhandlungsgeschick und sein Gefühl für Timing sind legendär. Als im vergangenen Jahr das Kirch-Imperium zusammenbrach, witterte er seine Chance. "Er hat die einmalige Gelegenheit erkannt, sich 25 Prozent des deutschen Fernsehmarkts für einen Apfel und ein Ei zu sichern", sagt einer, der an den Verhandlungen beteiligt war. Wenn der kriselnde TV-Werbemarkt anspringe, werde sich das Zwei-Milliarden-Euro-Geschäft möglicherweise als Schnäppchen erweisen. Schon einmal war es Saban gelungen, in der Fernsehbranche mit seinem visionären Geschick ein Milliardengeschäft zu machen.

Im Umfeld Sabans wurde betont, dass dieser bei Pro Sieben Sat.1 nicht das schnelle Geld machen, sondern sich längerfristig engagieren wolle. Saban selbst kündigte zudem an, er wolle bei dem TV-Konzern ein selbstständiges deutsches Management gewähren lassen. Ohnehin aber scheinen die Zeiten vorbei, in denen es im Sinne der "Deutschland AG" eine Rolle spielte, ob ein Investor aus dem In- oder Ausland kommt. "Das hat in den ganzen Kirch Media-Verhandlungen keine Rolle gespielt", hieß es in Verhandlungskreisen.

Durch Lobby-Arbeit bei Politik und Medien hat Saban in den vergangenen Wochen die Ängste vor dem großen Unbekannten genommen. Einige Gläubigerbanken lockte er zudem auf seine Seite, in dem er ihnen zusicherte, sie müssten sich - anders als beim Konkurrenten Bauer - bei einem Zuschlag nicht im Filmrechtehandel als Gesellschafter engagieren. Pro Sieben Sat.1-Chef Urs Rohner stellte er in Aussicht, seinen Posten behalten zu können.

Einen großen Teil des Kaufpreises könnte Saban theoretisch aus eigener Tasche bezahlen. Wie Leo Kirch, dessen Erbe er nun antreten soll, hat sich der gebürtige Ägypter aus dem Nichts nach oben gearbeitet. Im Jahr 2001 gelang ihm dabei der große Coup. Für insgesamt 5,3 Milliarden Dollar verkauften er und sein Partner Newscorp das Gemeinschaftsunternehmen Fox Family Worldwide an den Disney-Konzern. Das Unternehmen vertreibt unter anderem die "Power Rangers", deren populäre US-Version Saban geschaffen hatte. Der Zeitpunkt für den Verkauf war ideal gewählt. Die Preise für Kinder- und Jugendprogramme sind seither weltweit stark gefallen.

Der Sohn eines Kaufmanns und einer Näherin wuchs in Ägypten und Israel auf. Seine Karriere startete er als Konzertagent in Israel. Nach einer Zeit als Musikproduzent in Paris zog er 1983 nach Los Angeles, wo er zunächst Musik für Zeichentrickfilme und später auch Kinder-Fernsehsendungen machte. 1995 gründete er das Gemeinschaftsunternehmen mit Newscorp. Einen Namen in den USA machte sich Saban auch als großzügiger Spender an die Demokratische Partei und für wohltätige Zwecke. Wenn es ihm nun gelingt, Pro Sieben Sat.1 auf Kurs zu halten und auch Geld mit dem Filmrechtehandel zu verdienen, könnte er in Deutschland die Erfolgsgeschichte wiederholen, die er in den USA mit dem Fox-Deal schrieb.

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