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Willkommen im Club

Investmentclubs haben in Deutschland trotz Börsenflaute Hochkonjunktur. Experten berichten über aktuelle Trends und geben Tipps für Einsteiger.

Man soll kaufen, wenn die Kanonen donnern und verkaufen, wenn die Sonne scheint." Die Börsenregel, die antizyklisches Handeln empfiehlt, gelte auch für Investmentclubs, meint Renate Feller von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. "Gerade in der Baisse ist es sinnvoll, einen solchen Club zu gründen und zu investieren."

Offensichtlich handeln die Investoren nach diesem Motto: Trotz Börsenflaute steigt die Zahl der Clubs an. Nach Schätzungen der DSW gibt es gegenwärtig 6 500 Gruppen. Das durchschnittliche Depotvermögen liegt zwischen 100 000 und 300 000 DM. Erst in den 60er-Jahren hatten die Deutschen die Finanzinnovation aus den USA aufgegriffen; dort hatte der texanische Farmer Jack Brooks 1898 den ersten Investmentclub gegründet.

Kernidee einer solchen Anlegergemeinschaft ist es, viele kleine Beträge zu einer großen Summe zusammenzulegen, damit eine bessere Streuung der Risiken möglich ist. So können Mitglieder statt zwei dann 20 Aktien kaufen, die aus unterschiedlichen Branchen oder Ländern stammen; auf diese Weise wird das Risiko von Kursverlusten einzelner Werte gemindert. Außerdem sind Transaktionskosten wie Bankgebühren bei einer gemeinschaftlichen Order geringer als bei mehreren einzelnen Aufträgen. Zudem entlastet die Aufgabenteilung - etwa die Spezialisierung der Mitglieder auf Branchen - den Einzelnen bei seiner Recherche. Außerdem können die Mitglieder in Feierabendatmosphäre gemeinsam das Börsen-ABC lernen, betont Feller einen weiteren Vorteil der Clubs.

Mittlerweile gibt es in Deutschland auch einige große Clubs mit einem Depotvermögen über einer Million DM, die unbegrenzt Anleger aufnehmen. Bei ihnen muss ein Finanzdienstleister mit im Boot sein. Die Gebühren, die diese Clubs verlangen, sind unterschiedlich hoch.

Da die meisten kleineren Anlegergruppen als Gesellschaften bürgerlichen Rechts gegründet und daher nirgendwo registriert sind, fiel es Investoren bislang schwer, eine solche Gemeinschaft zu finden. Doch seit Jahresbeginn sind sie nicht mehr auf Zeitungsannoncen, Mundpropaganda oder Bankenberatung angewiesen: Unter der Internetadresse "www.investmentclub-online.de" können sie gezielt suchen. Dazu geben sie etwa ein Bundesland, eine Stadt und eine Strategie - "konservativ", "spekulativ" oder "hochspekulativ" - ein. Nach Auskunft von Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre e.V. (SdK) in München sind auf der Internetplattform aktuell 250 Clubs registriert. Die Plattform bietet Clubmitgliedern auch die Möglichkeit, untereinander zu kommunizieren; ein Password stellt sicher, dass kein Außenstehender Einsicht hat. Öfele zufolge werden nur Clubs mit mindestens fünf Mitgliedern aufgenommen, die sich in die Karten - sprich: die Satzung - sehen lassen. Dabei dürfe es sich nicht um Familiengemeinschaften handeln, und die Mitglieder müssten gemeinsam als Kontoinhaber fungieren sowie demokratisch abstimmen.

Anleger, die einen Investmentclub gründen wollen, erhalten bei mehreren Adressen Tipps und Mustergesellschaftsverträge: Bei der SdK können sie die Broschüren unter der Telefonnummer 089/59998733 anfordern; für SdK-Mitglieder wird eine Gebühr von fünf DM erhoben, Nichtmitglieder zahlen zehn DM. Gegen eine Gebühr von zehn DM kann man bei der DSW Bestellungen per Fax unter der Nummer 0211/669760 aufgegeben. Die Gründer-Broschüre der Münchner Wertpapier Club AG erhalten Interessenten gebührenfrei (info@wertpapierclub.de).

Zu den wichtigsten Fragen der Gründungsmitglieder zählt die nach einer Software, mit der die Anteile berechnet werden können, berichtet Öfele. Mittlerweile sind mehrere Produkte auf dem Markt (Erläuterungen dazu: Klare Rechnung).

Das Hauptproblem ist zunächst aber, welche Rechtsform die günstigste ist. In den verschiedenen Broschüren wird meist - in Anlehnung an den DSW-Leitfaden - geraten, die Form der Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu wählen, die im Gegensatz zum Verein nicht körperschaftsteuerpflichtig ist. Dabei empfiehlt die DSW eine Mitgliederzahl von maximal 30 Personen. Dann gehen die Finanzbehörden nämlich davon aus, dass es sich auch nicht um einen Gewerbebetrieb handelt, der gewerbe- und körperschaftsteuerpflichtig ist. Doch diese Grenze kann auch überschritten werden. Solange der Club keine Einnahmen außerhalb der privaten Vermögensverwaltung erziele, seien Ausnahmen erlaubt, sagt Andreas Grünewald, Mitbegründer des Münchner Wertpapierclubs. Sein Rat: Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten Anleger von sich aus Kontakt zum Finanzamt suchen, sobald ihre Gruppe mehr als 30 Personen umfasst.

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