Willkommener Verkaufshöhepunkt zwischen Weihnachten und Ostern
Valentinstag wird für Handel zur festen Größe

Die Konsumgüterhersteller bieten spezielle Sortimente für den Tag der Liebenden.

sfu DÜSSELDORF. Es begann mit einer Hinrichtung. Der christliche Priester Valentin traute im alten Rom entgegen dem Befehl des Kaisers Claudius Liebespaare und wurde dafür am 14. Februar 269 enthauptet. An die blutige Szene der Legende erinnert heute nichts mehr, am Tag der Liebenden ist Romantik gefragt. Spitzenunterwäsche, Parfum, Pralinen und Blumen - "um den Valentinstag herum verzeichnen vor allem die klassischen Geschenkartikel ein Umsatzplus", weiß Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Dabei habe der Valentinsbrauch mittlerweile eine gewisse Eigendynamik entwickelt, glaubt der Handelsexperte. Ende der 80er Jahre wurde das angelsächsische Fest von einigen Trendgeschäften eingeführt, mittlerweile seien die Damen auch hier zu Lande fast beleidigt, wenn die Liebesgabe ausbleibe.

Für den deutschen Einzelhandel bietet der Tag einen willkommenen Verkaufshöhepunkt in den trüben Wochen zwischen Weihnachten und Ostern. Mit Werbebeilagen und Sondersortimenten forcieren die Läden den Konsum.

Einen Blumenstrauß mit Casablanca-Video etwa hat der Online-Florist Valentins im Angebot, für das nötige Prickeln sorgt eine Edelflasche Champagner. Derartige Kombigeschenke würden die Kunden in diesem Jahr verstärkt nachfragen, sagt Erik Siekmann, Marketing- Vorstand bei dem Internet-Unternehmen. Im Februar steigt der Umsatz von Valentins auf das Zwei- bis Dreifache eines normalen Monats.

Zudem erschließen sich neue Zielgruppen: "Normalerweise ist über die Hälfte unserer Kunden weiblich, am Valentinstag werden 84 % der Bestellungen von Männern aufgegeben", sagt der Valentins- Marketingchef.

"Jüngere Kunden" will Adalbert Lechner, Geschäftsführer des Schokoladenfabrikanten Lindt & Sprüngli Deutschland zum 14. Februar ansprechen. Gewöhnlich liege das Hauptaugenmerk von Lindt auf Frauen jenseits der Mitte dreißig. "Am Valentinstag kaufen eher Konsumenten zwischen 15 und 35 kleine Präsente", berichtet Lechner.

Etwa 25 % mehr Lindt-Produkte als sonst gehen in der Valentinswoche über die Ladentheke. Aber sie zielen auf die schmaleren Budgets: "Kleine Pralinenpackungen im niedrigen Preisbereich kann man auch mal der Mitarbeiterin schenken", sagt Lindt-Geschäftsführer Lechner.

"Mittlerweile bedenken viele selbst Freunde und Eltern mit einer kleinen Aufmerksamkeit", glaubt auch Tanja Stephani, Sprecherin der Parfümeriekette Douglas. Die Bedeutung des Tages als Konsummotor wachse, entsprechend erweitert hat die Kosmetikkette ihr Valentinssortiment. Aktuell im Angebot: Herzförmige Seifen, Duftkerzen und Badeflaschen, Brillenetuis und Spiegel mit Liebesbotschaften. Douglas will vom Teenie bis zur gestanden Frau alle erreichen. Rund 20 % mehr Umsatz als in einer Durchschnittswoche hat die Parfümerie um den letzten Valentinstag herum erwirtschaftet, Tendenz steigend.

In hochpreisigen Segmenten schlägt sich der Tag der Liebenden dagegen bis heute weniger nieder. "Der Februar ist ein ganz ruhiger Monat", urteilt Hermann Franzen, Präsident des Einzelhandelsverbands HDE und Inhaber eines Porzellangeschäfts an der Düsseldorfer Königsallee. Eine Schaufensterecke hat er dennoch dem Fest eingeräumt und mit herzförmigen Accessoires dekoriert, "inzwischen ist das ja fast ein Muss", glaubt Franzen.

Daniela zum Sande, Inhaberin eines Juweliergeschäftes in Münchens Osten, setzt für ihre Brillantherzen auf solvente Liebhaber und besondere Anlässe: "Wenn jemand tausend Euro für einen Valentinsring ausgibt, dann hat er ein schlechtes Gewissen - oder noch etwas vor."

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