Wim van Vonno ist Chef des Baukonzerns BAM NBM
Vonno: Der zurückhaltende Baulöwe

Niemand rechnete mit ihm. Wim van Vonno gelang es, den Rivalen HBG zu übernehmen. Jetzt muss er aus BAM NBM einen krisenfesten Baukonzern formen.

BUNNIK. Der Mann im beigefarbenen Anzug und hellblauen Hemd kann es kaum erwarten. "HBG ist gelandet!" ruft Wim van Vonno bereits vor der Pressekonferenz den Journalisten triumphierend zu. Sein Jubel ist verständlich. Dem Chef von BAM NBM N.V. ist ein Überraschungscoup gelungen: Der zweitgrößte Baukonzern übernimmt die Nummer eins der Niederlande, den HBG-Konzern.

So katapultiert van Vonno das Unternehmen aus dem niederländischen Städtchen Bunnik auf Platz fünf der Baubranche in Europa. BAM NBM erreicht einen Umsatz von 8,5 Milliarden Euro. Damit hat der 61-Jährige den Umsatz in nur fünf Jahren mehr als verzwölffacht.

Der Vorstandschef mit dem grauen, fein gescheitelten Haar ist ein Exot in der niederländischen Wirtschaft. Er ist der einzige Doktor der Physik, der einen Baukonzern leitet. Branchenkollegen, die oft nicht mal die Realschule abgeschlossen haben, können sich deshalb spöttische Bemerkungen nicht verkneifen.

Fan russischer Prosa

Van Vonno, stolz auf die Sammlung experimenteller russischer Prosa in seinem Büro, ist aber kein abgehobener Akademiker. Er gilt als bodenständiger, pragmatischer Manager. Er werde oft unterschätzt, weil er das Rampenlicht scheue und lieber im Hintergrund arbeite, sagen Analysten. Seine zurückhaltende, bedachtsame Art habe sich aber beim Poker um HBG ausgezahlt, urteilen Analysten und Kollegen.

Das zweijährige Übernahmegefecht um HBG findet zunächst ohne ihn statt. Er will sich erst einmal Zeit lassen, um den vor zwei Jahren übernommenen Großteil des Konkurrenten NBM Amstelland in den Konzern zu integrieren. Doch Mitte Mai dieses Jahres ergreift er die "einzigartige Chance": Der spanische Großaktionär, der den Baukonzern erst im April gekauft hat, will sich wieder von HBG trennen.

Die Konkurrenten Heijmans und Boskalis, die bereits im April nicht zum Zuge kamen, gehen auch jetzt wieder leer aus. Der lachende Dritte, van Vonno, bleibt auch nach dem Coup ganz sachlich. "Jetzt müssen wir hart arbeiten, um aus dem Zukauf einen Erfolg zu machen." Er spricht aus Erfahrung: Vor gut vier Jahren misslang eine Fusion mit dem Wettbewerber Wilma.

Der Vorstandschef, den die Dame am Empfang der Konzernzentrale nur Direktor nennt, gilt als Team-Arbeiter. Das geht sogar so weit, dass er zu Analystentreffen alle Direktoren der Tochterfirmen mitbringt.

Ehrgeiz und niedrige Latte

Er hält nichts von vollmundigen Prognosen: "Wenn man die Latte zu hoch legt, springt man nicht darüber." Schließlich könnten Menschen auch mal Fehler machen oder es könnten unerwartete Hindernisse auftauchen. Trotzdem ist er ehrgeizig: Bereits mit 41 Jahren wird er 1982 Chef des damaligen Baukonzerns BAM, den er durch Übernahmen groß macht.

Das ist nicht ohne Risiko - wie der aktuelle HBG-Deal. Der Kaufpreis von 715 Millionen Euro ist zwar günstig, und BAM verfügt über ausreichend Cash-Flow. Doch den Überbrückungskredit will er noch in diesem Jahr durch die Ausgabe von Aktien und/oder Wandelanleihen ablösen. Werden die Aktionäre die Gewinnverwässerung hinnehmen?

Manche Analysten fragen sich, ob sich van Vonno nicht an HBG verheben wird. Die Frage, wie er die nur zweiprozentige Gewinnmarge steigern will, lässt er bislang unbeantwortet. Sicherlich gibt ihm der boomende niederländische Baumarkt und der Auftragsbestand von fast elf Milliarden Euro für ein Jahr die nötige Gelassenheit.

Doch Probleme bereitet die deutsche HBG-Tochter Wayss & Freitag, die jahrelang rote Zahlen schrieb. Zwar ist das Unternehmen seit vergangenem Jahr aus dem Schlimmsten heraus. Doch der deutsche Markt bricht schon wieder ein. Was das bedeuten kann, weiß van Vonno genau. Er selbst holte sich hier zu Lande bereits eine blutige Nase und zog sich zurück. "Die Finanzwelt vergibt solch einen Fehler ein Mal, aber beim zweiten Mal kann Schluss sein", weiß er.

Es ist geplant, dass van Vonno, der gerne auf dem Ijsselmeer segelt, seinen Chefsessel an seinem 62. Geburtstag freimachen wird. "Aber so festgezurrt ist das noch nicht", sagte er einmal. Anscheinend will er selbst dafür sorgen, dass sein HBG-Coup kein Desaster wird.

Vita

Wim van Vonno, geboren am 1. Januar 1941 in Hilversum, schließt mit 27 Jahren sein Naturkunde-Studium an der Technischen Universität im niederländischen Delft ab. Er arbeitet fünf Jahre in einem technischen Büro in Nijmwegen. 1973 wechselt er zu Bredero nach Utrecht, wo er zuletzt Sparten-Direktor ist. Bereits 1982 geht er zum niederländischen Baukonzern BAM und wird Vorsitzender des Vorstands. Seit dem Jahr 2000 ist er Chef des fusionierten Konzerns BAM NBM N.V., des zweitgrößten Baukonzerns der Niederlande.

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