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Wimbledon-Lehrling Mayer im AchtelfinaleDPA-Datum: 2004-06-27 14:37:05

London (dpa) - Die Überstunden haben sich für Wimbledon-Lehrling Florian Mayer gelohnt. Während der forsche 20-Jährige bei seinem Debüt auf dem «Heiligen Rasen» ins Achtelfinale stürmte, kassierte Routinier Rainer Schüttler bei seiner Sonderschicht eine herbe Drittrunden-Pleite.

London (dpa) - Die Überstunden haben sich für Wimbledon-Lehrling Florian Mayer gelohnt. Während der forsche 20-Jährige bei seinem Debüt auf dem «Heiligen Rasen» ins Achtelfinale stürmte, kassierte Routinier Rainer Schüttler bei seiner Sonderschicht eine herbe Drittrunden-Pleite.

Nach Dauerregen und dem zweiten ins Wasser gefallenen Turniertag unterlag der Korbacher dem wilden Vince Spadea aus den USA mit 4:6, 2:6, 3:6 und musste sich mit einem Preisgeld von 36 500 Euro begnügen. Im Vorjahr hatte Schüttler noch die vierte Runde erreicht.

Senkrechtstarter Mayer ließ sich in seinem erst vierten Match auf Rasen auch von Grand-Slam-Weltrekordler Wayne Ferreira nicht stoppen. Der Bayreuther störte sich beim 4:6, 6:4, 6:1, 6:4 nicht sonderlich an seinem verschlafenen Start und spielte den Südafrikaner unbekümmert und kaltschnäuzig an die Wand. Der 32-jährige Ferreira, der sein 55. Grand-Slam-Turnier nacheinander spielte und nach den US Open seine Laufbahn beenden will, kam mit der aggressiven und unorthodoxen Spielweise des Wimbledon-Debütanten nicht klar und musste enttäuscht die Segel streichen.

Der schon auf Position 66 der Weltrangliste gekletterte Mayer trifft in seinem ersten Grand-Slam-Achtelfinale, das auch der Mannheimer Alexander Popp gegen den Dänen Kenneth Carlsen erreichen konnte, an diesem Montag auf einen Schweden: Jonas Björkman oder Joachim Johansson. Seinen größten Erfolg und sein mit 63 000 Euro größtes Preisgeld hat er aber schon vor dem Beginn der zweiten Turnierwoche sicher.

Wechselhaft wie das Wetter im ausnahmsweise nicht verregneten London geriet der Auftritt von Rainer Schüttler. Doch schon die ersten Ballwechsel verrieten, dass dem 28-Jährigen das stundenlange Geduldspiel tags zuvor nicht gut bekommen war. Statt ausgeruht seine Chance zu suchen, wirkte der WM-Halbfinalist unsicher und reihte Fehler an Fehler. Gleich die beiden ersten Sätze begann er mit einem Aufschlagverlust, und auch danach fand er nie seinen Rhythmus. Nach insgesamt elf Erstrunden-Pleiten waren die ersten zwei gewonnenen Grand-Slam-Matches der Saison nur ein kleiner Trost für den als Weltranglisten-Achter bestplatzierten deutschen Tennis-Profi.

Für Thomas Haas war der Kurztrip nach London schon vor dem großen Regen frustrierend zu Ende gegangen. Nach lustlos gewonnenem Auftakt zog der Hamburger gegen den Belgier Xavier Malisse den Kürzeren und machte Trainer David «Red» Ayme mit mehr oder minder bösen Worten dafür verantwortlich. «Nichts klappt, ich treffe nichts, alles muss ich mir wieder erarbeiten und niemand hilft mir dabei», schimpfte der 26-Jährige, und die TV-Zuschauer daheim wurden Zeugen des Wutanfalls.

«Tommy ist am Scheideweg», meinte Boris Becker. «Er braucht das richtige Team. Da liegt es, glaube ich, im Argen.» Der nach zwei Schulteroperationen und 15-monatiger Pause nur noch auf Position 100 geführte einstige Weltranglisten-Zweite denkt schon darüber nach: «Vielleicht könnte ein zweiter Coach noch was bewirken», sagte Haas und verabschiedete sich vom nie wirklich geliebten «Heiligen Rasen».

Erst zum dritten Mal nach 1991 und 1997 wurde auch am mittleren Sonntag aufgeschlagen, nachdem der Samstag schon der zweite total verregnete Spieltag war. Auch 1909 und 1997 konnte an zwei Tagen nicht gespielt werden. Das am meisten verregnete Jahr war 1888, als sogar drei Tage komplett ausfielen. Das könnte den 118. All England Championships auch noch drohen. Nach einigermaßen sonnigem Wochenbeginn soll es nämlich schon am Mittwoch wieder Regen geben.

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