Wind dreht
Angst vor neuer Ölpest an spanischer Küste

Eine Woche nach dem Untergang des Tankers "Prestige" droht der spanischen Atlantikküste eine neue Ölpest von riesigen Ausmaßen. Ein Ölteppich von einer Fläche der Hansestadt Hamburg könnte durch ein Drehen des Windes auf die galicische Küste zugetrieben werden.

HB/dpa LA CORUNA. Bisher waren die Ölmassen, die beim Sinken des Tankers ins Meer gelangt waren, von südlichen Winden parallel zur Küste nach Norden bewegt worden. Der Einsatz des deutschen Ölbekämpfungsschiffs "Neuwerk" wurde von schlechtem Wetter noch verhindert.

Der spanische Wetterdienst sagte am Dienstag voraus, dass der Wind in zwei Tagen auf westliche Richtungen drehen werde. Dann würde der - 100 Kilometer vor der Küste treibende - Teppich von über 10 000 Tonnen Öl auf die Küste Galiciens zugetrieben. Dort hatten Helfer die Strände erst mühsam von dem Öl gesäubert, das vor dem Untergang der "Prestige" aus einem Leck des Tankers in den Atlantik geströmt war.

Zugleich drohte die Ölpest von Galicien auf die Nachbarregion Asturien überzugreifen. Nach Angaben des Seenotrettungsdienstes wurden vor der asturischen Küste Ölflächen im Meer entdeckt. Die Ölflecken seien allerdings nicht sehr groß und relativ dünn, hieß es. Die spanische Regierung bezweifelte, dass dieses Öl von der "Prestige" stammte. Wahrscheinlich habe ein anderes Schiff die Lage dazu genutzt, seine Tanks zu säubern.

Derweil behinderte schlechtes Wetter vor der spanischen Küste den Kampf gegen die Ölpest. Das deutsche Spezialschiff "Neuwerk" habe die Arbeit am Dienstagmorgen nicht wie geplant aufnehmen können und warte in Küstennähe auf Wetterbesserung, sagte der Koordinator an Bord, Leszek Szymanski, der Hörfunkagentur dpa/Rufa. Die knapp 79 Meter lange "Neuwerk" soll gemeinsam mit französischen, niederländischen und spanischen Einheiten die Ölteppiche vom Wasser absaugen.

Im Süden Spaniens wurden bei den Städten Huelva und Cádiz etwa 50 verendete Seevögel entdeckt, die mit Öl verschmiert waren. Die Verwaltung des südspanischen Doñana-Naturparks schloss jedoch aus, dass die Vögel dem Öl der "Prestige" zum Opfer fielen. Zunächst war vermutet worden, dass die Tiere sich auf dem Weg nach Süden befunden hatten und auf einer Zwischenstation in Galicien in das Öl geraten waren. In Südspanien wurden bislang keine Ölflecken im Meer entdeckt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte die Vereinten Nationen auf, die Sicherheit der Schifffahrt zu verbessern und das System der Kontrollen von Grund auf zu verbessern. "Wenn das Problem nicht an der Wurzel angepackt wird, werden die schrottreifen Schiffe weiter untergehen und die Umwelt und menschliches Leben in Gefahr bringen", betonte die Organisation nach eigenen Angaben in einem Schreiben an UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Auch der niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) forderte schärfere Kontrollen von Schiffen und Meeresstraßen. "Die Amerikaner haben längst reagiert und lassen Einhüllentanker wie die "Prestige" schon seit Jahren nicht mehr in ihre Gewässer", sagte Jüttner in einem dpa-Gespräch. Der Druck, bessere Schiffe zu bauen, schaffe sogar neue Arbeitsplätze. In Europa sollen Einhüllentanker erst 2015 endgültig aus dem Verkehr gezogen werden.

Der mit 77 000 Tonnen Öl beladene Tanker "Prestige" war vor Nordwestspanien leckgeschlagen und vor einer Woche gesunken. Vor dem Untergang des Schiffes gelangten nach Schätzungen etwa 20 000 Tonnen Öl ins Meer.

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