Windenergie in Deutschland bläst immer effizienter
Wohin weht der Wind nach der Wahl?

Wirtschaft und Politik betonen gerne und häufig: Deutschland ist Windweltmeister. Und das schon seit geraumer Zeit. Ende des Jahres 2001 waren 11 438 Windkraftanlagen mit einer elektrischen Nennleistung von 8 754 MW in Deutschland installiert - etwa 35 % der weltweit installierten Kapazität.

HB. Das Rekordjahr 2001 mit einer Steigerung von rund 60 % zum Vorjahr wird nach den Prognosen der Experten in diesem Jahr nochmals übertroffen werden. Diesmal könnten knapp 3 000 MW hinzukommen.

Als wesentliche Triebfeder für die Entwicklung der Windenergie in Deutschland hat sich das 1989 aufgelegte 250-MW-Windprogramm der Bundesregierung erwiesen. Mit diesem Programm hat die Bundesregierung die Realisierung von 250 MW Windstrom gefördert. Zum Vergleich: Dies entspricht etwa 10 % der 2001 in Deutschland installierten Leistung.

Unterstützt durch Förderprogramme der Bundesländer nutzten die mittelständischen Hersteller von Windenergieanlagen die Chance zu technologischen Sprüngen. Die Windenergieanlagen wurden immer größer und leistungsfähiger. 1990 lag die durchschnittliche Anlagengröße neu installierter Anlagen noch bei 160 kW, heute sind es 1 297 kW.

Fraktionsübergreifender Konsens

Gleichzeitig konnten die Hersteller die spezifischen Investitionskosten in den 90er-Jahren um mehr als 50 % senken. Damit sanken auch die Stromgestehungskosten deutlich. Diese Innovationskraft veranlasste 1998 die Politiker in einem fraktionsübergreifenden Konsens (!), den weiteren Ausbau der Windenergie durch die Änderung des Stromeinspeisungsgesetzes (StrEG) zu forcieren. Damit war ein weiterer Meilenstein für den Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland gesetzt.

Das Stromeinspeisungsgesetz wurde im April 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fortgeschrieben. Das EEG schaffte die Deckelung des Windstroms ab, sorgte für einen Belastungsausgleich aller deutschen EVU, erlaubte den EVU, an der Vergütung von Windstrom zu partizipieren und führte eine differenzierte Vergütung je nach Energieertrag der Windenergieanlage ein. Gleichzeitig wurde die Vergütungshöhe degressiv ausgestaltet.

Das EEG, ein weiterer Meilenstein zum Ausbau der Windenergie, hat jedoch einen Geburtsfehler. Ihm fehlt der Konsens. Es wurde gegen die Stimmen der CDU/CSU - und FDP-Fraktionen auf den Weg gebracht. Wenn auch Vertreter aller Fraktionen stets den politisch gewollten Ausbau der Windenergienutzung unterstrichen, so war mit dem EEG dennoch ein gegen die CDU/CSU - und FDP-Opposition verabschiedetes Gesetz erlassen worden. Wie geht es nun weiter? Das EEG sieht vor, durch einen Erfahrungsbericht der Bundesregierung im Juni 2002, also noch in diesem Monat, die Auswirkungen zu bewerten, um gegebenenfalls Anpassungen vornehmen zu können.

Welche Rolle wird dabei die politische Großwetterlage, die maßgeblich durch die bevorstehenden Bundestagswahlen im September 2002 bestimmt ist, spielen?

Gespräche mit Vertretern aller Fraktionen ergeben folgendes Bild: SPD und Bündnis 90/Die Grünen halten an dem Konzept des Ausbaus der Windenergienutzung in Deutschland fest. Selbstverständlich muss dabei die Anpassung des EEG den Innovationsaspekten der Windenergieanlagen Rechnung tragen. Ähnliches ist auch aus den Reihen der CDU/CSU-Fraktion zu hören.

Ausbau an Land stößt an seine Grenzen

Jedoch gibt es auch Stimmen, die den Ausbau an Land schon an der kritischen Grenze sehen. Die FDP-Fraktion unterstützt den Ausbau der Windenergienutzung auf See (Offshore), steht jedoch einem weiteren Ausbau an Land zunehmend skeptischer gegenüber und setzt auch hier auf Proteststimmen.

Diese Signale lassen eine klare Aussage über die politische Weichenstellung noch nicht zu. Eines steht jedoch fest: Die Windenergienutzung in Deutschland muss sich an Innovations- und an Effizienzkriterien messen lassen. Dies wird durch die stetige Senkung der Stromgestehungskosten direkt ausgedrückt.

Dass die Hersteller hierfür die Basisarbeit geleistet haben, verdeutlicht eine kürzlich vom BWE und VDMA in Auftrag gegebene Studie beim Deutschen Windenergie-Institut. Die Studie zeigt, dass die Anlagenpreise bezogen auf die erzeugte Energiemenge zwischen 1999 und 2001 um etwa 9 % reduziert werden konnten. Dies sind sicherlich eindrucksvolle Zahlen, die die Innovationskraft der Branche verdeutlichen und das richtige Signal für Politik und Gesellschaft sehen. Es bleibt abzuwarten, wie die Politiker mit diesem Signal umgehen.

Festzustellen ist zudem: Der Vorreiterrolle Deutschlands sind mittlerweile viele Länder gefolgt. Als herausragendstes Beispiel sei Frankreich genannt, das im letzten Jahr ein ähnlich dem deutschen EEG aufgebautes Gesetz erlassen hat, um den Ausbau der Windenergie voranzutreiben. Diese Entwicklung ist in vielen Ländern rund um den Erdball zu beobachten. Die deutschen Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und neben dem deutschen Heimatmarkt ihre Exportaktivitäten verstärkt. Damit sind die Weiterentwicklung der Anlagentechnik, die Sicherung der technologischen Führerschaft deutscher Anlagenbauer und letztlich der weltweite Ausbau der Windenergienutzung auf dem richtigen Weg.

Die Diskussionen während der internationalen Messe Wind-Energy 2002, die vom 18. bis 21. Juni 2002 in Hamburg stattfindet, werden weiteren Aufschluss geben.

Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems, Frankfurt am Main.

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