Windenergie steckt in den USA noch in den Kinderschuhen
Gegner geplanter Windturbinen blasen zum Sturm

Der Kennedy-Clan hat es und die Verlegerfamilie der "Washington Post", die Clintons schätzen es und mit ihnen zahlreiche Prominente und Wohlbetuchte: einen Wochenendsitz an dem mondänen Ostküstenstreifen Cape Cod im US-Bundesstaat Massachusetts und auf den vorgelagerten Edel-Inseln Martha's Vinyard und Nantucket.

dpa/HB WASHINGTON. Ein geplanter Windenergiepark mit 170 Turbinen vor der Küste droht die Idylle zu zerstören, fürchten Anwohner, und machen jetzt massiv gegen das Projekt mobil. Gegen ihren Protest gaben die Behörden Mitte August grünes Licht für einen 60 Meter hohen Testturm, der in den nächsten Wochen installiert werden soll.

Das Unternehmen Cape Wind Associates will ab 2005 mit den 130 Meter hohen Windturbinen rund acht Kilometer vor der Küste einen der weltweit größten Windenergieanlagen im Meer bauen. Er soll genügend Energie für eine halbe Million Häuser produzieren.

"Es ist der ideale Standort für einen Windpark mit optimaler Windgeschwindigkeit und-richtung", erklärt das Unternehmen in seinen Bauplänen. Cape Wind preist seine Pläne für saubere Windenergie als Beitrag zum Umweltschutz. "Außerdem reduzieren wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Kraftwerken, die attraktive Terroristenziele sind", sagt Sprecher Mark Rodgers.

Anwohner, Geschäftsleute, Umweltverbände und die Tourismusverbände haben sich zur Bürgerinitiative "Allianz zum Schutz der Meerenge Nantucket" zusammengetan. Sie sind darauf bedacht, den Eindruck zu vermeiden, dass sich hier nur ein paar reiche Grundbesitzer den freien Blick aufs Meer erhalten wollen.

"Es geht hier in erster Linie um Landklau", sagt Sprecher Isaac Rosen. Das Seegebiet sei in Bundesbesitz und gehöre damit allen Amerikanern. Weil Windenergie in den Bestimmungen über die Nutzung der Küstengewässer nirgendwo erwähnt sei, versuchten die Planer, eine Gesetzeslücke auszunutzen. "Privatunternehmen wollen hier den Spaten einstechen und öffentlichen Besitz ausbeuten", sagt Rosen.

Die Allianz verlangt Gesetze, die genau festlegen, welche Gebiete wie und vor allem für welchen Obolus genutzt werden können. Die Regierung habe kein Recht, einfach Nutzungsgenehmigungen zu erteilen. "Die Regierung gibt einen unserer nationalen Kleinode für den Profit einiger weniger auf", sagt Rosen und stellt Klagen in Aussicht.

Windpark ist eine schlechte Idee

Umweltschutzgruppen äußern Sorge um die Zugvögel, die an der Küste vorbeiziehen, Fischer fürchten um ihre Fischgründe. Auch die Tourismusindustrie sieht Gefahr am Horizont. "Unser Tourismus hängt praktisch ausschließlich von der ästhetischen und historischen Einmaligkeit des Küstengebietes ab", sagt die Allianz. Touristen bringen im Jahr rund 1,5 Mrd. US-$ in die Region.

James Rappaport, der für die Republikaner als stellvertretender Gouverneur von Massachusetts kandidiert, hat dem Projekt auch den Kampf angesagt. "Der Windpark ist eine schlechte Idee", beschied er nach einer Bootstour in dem betroffenen Gebiet. Die Immobilien entlang der Küste könnten um insgesamt 2,5 Mrd. US-$ im Wert sinken, rechnete er vor.

Das bedeute für die Gemeindekassen via Grundsteuer mehr als 25 Mill. Dollar weniger Einnahmen. Die Windenergie steckt in den USA noch in den Kinderschuhen, ist aber im Kommen. Die durch Windturbinen erzeugte Energiemenge wurde im vergangenen Jahr auf 4200 Megawatt fast verdoppelt. "Wir gehen davon aus, dass im nächsten Jahr mehr als 2000 Megawatt Kapazität gebaut werden", sagte der Direktor von AWEA, Randall Swisher. Die meisten Projekte befinden sich in Wüstengebieten im Westen der USA und auf Hawaii.

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