"Windows Me"
Microsoft startet neue Windows-Version ME

Analysten sehen bei dem neuen Windows-Edition keine umfassenden Neuerungen gegenüber der zweiten Version von Windows 98, die im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen war.

Reuters SEATTLE. Der Softwarekonzern Microsoft hat am Donnerstag die neue Millennium-Version seines Betriebssystems Windows offiziell gestartet. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten sehen bei dem neuen Windows-Edition indes keine umfassenden Neuerungen gegenüber der zweiten Version von Windows 98, die im vergangenen Jahr auf den Markt gekommen war. Die neue Software Windows Millennium Edition, abgekürzt Windows Me, enthalte zwar neue Musik-, Bild- und Internetprogramme. Bis zum kommenden Jahr, wenn Microsoft wie angekündigt seine Software für Geschäfts- und Privatkunden vereinheitlichen werde, schließe Microsoft Me lediglich eine Lücke in der Produktlinie, hieß es.

Für problematisch halten Analysten, dass Microsoft wiederum mit der "media player"-Software an der Strategie festhalte, eigene Software im Betriebssystem zu bündeln.

"Ich sehe es (Windows Me) wirklich nur als einen Lückenfüller und daher nicht so wichtig an", sagte Dwight Davis, Analyst bei Summit Strategies. Microsoft Me wird das letzte Betriebssystem von Microsoft sein, das noch auf der mittlerweile 20 Jahre alten DOS-Programmiertechnologie basiert. Das im Februar auf den Markt gebrachte Betriebssstem Windows 2000 beipielsweise gründet bereits auf der NT-Technologie des Konzerns, die sicherer und stabiler ist als die auf DOS aufbauende Software.

Ursprünglich sollte sich Microsoft bereits von seiner alten DOS-Technologie verabschiedet haben. Der Konzern sah sich jedoch einer Vielzahl von Schwierigkeiten ausgesetzt, seine NT-Software verbraucherfreundlicher zu gestalten und etwa mit Videospiel-Eigenschaften auszustatten. "Das Programm kommt zu einem eher seltsamen Zeitpunkt in der Produktevolution des Konzerns. Es ist wohl der letzte Atemzug der DOS-Linie und auch von Windows 98", sagte Davies. Windows Me wird von Experten nicht als ein Windows-Update eingeschätzt, das unbedingt anzuschaffen sei. Es enthält einige neue Prgramme, wie etwa ein Musikprogramm, mit dem Musikstücke aufgenommen, gespeichert und abgespielt werden können. Darüberhinaus enthält es Zubehör für das Editieren von Heimvideos und eine "System Restore"-Funktion, mit der der Computer nach einem Crash in einen früheren Zustand zurückgefahren werden kann.

Der Einbau der Musiksoftware sei vor allem gegen die populäre Musiksoftware des Konkurrenten RealNetworks gerichtet, sagten Experten. RealNetworks war mit seiner Musik-Software zuletzt sehr erfolgreich und gilt in der Branche als Pionier am Markt mit Audio- und Videosoftware fürs Internet. Hier sehen Analysten starke Parallelen zum Einbau des Internetbrowsers "Explorer", was in der Auseinandersetzung mit Netscape letztendlich zum US-Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern aus Seattle geführt hatte. "Noch mehr Software zu bündeln sieht für mich sehr riskant aus", sagte Brian Livingston, Autor des Buches "Windows Me Secrets". Seiner Einschätzung nach versucht Microsoft so schnell wie möglich Audio- und Video-Software in sein Betriebssystem einzubauen, bevor noch ein Gericht entschieden hat, dass der Konzern dies zu unterlassen habe.

Im Juni hatte ein Bezirksgericht Microsoft für schuldig befunden, seine Monopolstellung gegenüber dem Internet-Browser-Konkurrenten Netscape missbraucht zu haben und hatte die Aufspaltung des Konzerns gefordert. Microsoft hatte zuvor damit begonnen, seinen eigenen Internet-Browser Explorer in sein Betriebssystem einzubauen.

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