Windstrom ab 12 Pfennig pro Kilowattstunde
Windstrom an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit

"Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen", weiß ein chinesisches Sprichwort. Angesichts der in wenigen Jahrzehnten erschöpften Kohlevorräte, suchen die Menschen nach alternativen Wegen, um Strom zu erzeugen. Die uns umgebenden Energieformen Wasser, Sonne und Wind erleben eine Renaissance.

sim DÜSSELDORF. Dabei ist die Stromerzeugung aus regenerativen Energieformen ein durchaus lukratives Geschäft geworden. Pro eingespeiste Kilowattstunde Windenergie bekommt der Betreiber in den ersten fünf Jahren rund 18 Pfennig gezahlt, Danach richtet sich der Preis nach der Wirtschaftlichkeit des Standorts. Für Solarstrom bekommt der Betreiber rund 99 Pfennig vergütet. Möglich macht das das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) das Anfang April 2000 in Kraft getreten ist. Das umstrittene Gesetz wurde erst kürzlich vom Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof Francis Jacobs unterstützt. In seinem Schlussantrag empfahl Jacobs das EEG-Vorläufergesetz als EU-konform zu bestätigen. Damit hat auch das EEG gute Karten vor dem Europäischen Gericht zu bestehen.

Auch ohne EEG haben einige Ökostrom-Bereiche die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit schon überschritten. Vorreiter der Branche ist die Wasserkraft und die Solarstromerzeugung im nicht-netzgekoppelten Bereich (z.B. Parkscheinautomaten).

Für den Strommix aus der Steckdose bezahlt der Verbraucher derzeit je Energieversorger zwischen 19 und 23 Pfennig pro Kilowattstunde (Pf/kWh). Der Erzeugerpreis liegt, je nach Betriebszeit und Art des Kraftwerks, durchschnittlich bei 12 Pf/kWh. Die Kosten pro erzeugte Kilowattstunde Solarstrom liegen rund 12-fach darüber. Die Preisspanne für erzeugten Windstrom liegt je nach Windstärke am Standort und Größe der Anlage zwischen 12 Pf/kWh an der Küste und 20 Pf/kWh im Binnenland.

Preise für Wind- und Solarstrom sinken

Solarstrom wird derzeit für 1,50 DM/kWh erzeugt, so Ralf Schwarz vom ISET. Hauptsächlich liegt das an der vorherschenden Handarbeit, mit der die Zellen zu Modulen zusammengeschlossen werden. Durch maschinelle Massenproduktion würden die Kosten sinken. Schwarz rechnet damit, dass dadurch die Preise um 6 % pro Jahr sinken würden. Windstrom kann laut Carlo Reeker vom Bundesverband für Windenergie (BWE) an guten Standorten für 14 Pf/kWh erzeugt werden. Durch steigende Stückzahlen der Produktion und höhere Leistung der Anlagen sollen die Kosten um 1,5 % pro Jahr sinken. Die im Auftrag des Bundesumweltamtes erstellte Studie "Klimaschutz durch Erneuerbare Energien" gibt Auskunft über die langfristig möglichen Erzeugungspreise für Ökostrom. Danach kann die Windenergie ihre Kosten bis 2020 um 25 % minimieren, für Fotovoltaik gilt ein Kostensenkungspotenzial von 50-60 % auf Basis der Preise von 1997 (siehe dazu auch die untenstehende Grafik).

Externe Kosten werden nicht über den Strompreis bezahlt

Anders als konventionelle Kraftwerke verbrauchen Windkraftanlagen und Solaranlagen keine fossilen Brennstoffe im Betrieb. Also werden auch keine Luftschadstoffe ausgestoßen, die Kosten verursachen könnten. Externe Kosten durch Umweltschäden fallen beispielsweise auch durch Abwärme, Wasserverbrauch und-verschmutzung oder radioaktivem Abfall an. Erst wenn diese Kosten auf den Energiepreis aufgerechnet werden, könnte ein Vergleich der Strompreise zwischen konventionell und regenerativ erzeugter Energie angestellt werden.

Verschieden Studien berechnen externe Kosten beispielsweise für Atomenergie zwischen 4 - 26 Pf/kWh und für Kohle/Gas und Öl zwischen 40 und 60 Pf/kWh. Als Quelle diese Zahlen dienen "The Costs of Climate Change: Fraunhofer-Institute für Systems and Innovation Research" von Gärtner und Hohmeyer, 1997 und "Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Stromerzeugung aus Windenergie, Vermiedene Luftschadstoffe und klimarelevante Emissionen" von Fichtner Development Engineering, 1997.

Einsparpotenzial erneuerbarer Energien
Quelle: Studie Klimaschutz durch Nutzung erneuerbarer Energien

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