"Winke-Winke" in Deutschland noch mindestens bis 2007
Die letzten Folgen der Teletubbies werden unweit von Shakespeares Geburtsort gedreht

Um die Dreharbeiten zur bekannten Kinderserie mit der Stummelsprache haben die Produktionsfirma Ragdoll und die BBC bewusst wenig Aufhebens gemacht - um die Neugierde zu steigern. Die BBC hat mit dem Verkauf der Sendung und der Lizenzierung von fast 4 000 Produkten - vom Waschlappen bis zur Teletubby-Bettwäsche-Millionen verdient. Der Merchandising-Umsatz betrug 1999 weltweit zwei Mrd. DM. Neue Folgen werden nicht mehr benötigt. Geld verdienen lässt sich mit dem Konzept auch noch mit Wiederholungen.

dpa STRATFORD-UPON-AVON. Auf dem Feldweg mahnt ein Schild zu "absolutem Langsamfahren". Dann tauchen ein Bauernhof und weidende Schafe auf, bis sich plötzlich sanfte grüne Wellen zu einer Landschaft formen, die einem aus dem Fernsehen bekannt vorkommt: "Hinter den Hügeln und keinem bekannt - hier liegt das Teletubby- Land", heißt es zu Beginn jeder Sendung der Teletubbies. In der Tat: Das Reich von Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po könnte kaum versteckter gelegen sein.

Die Plüschpuppen, von Kleinkindern geliebt und von Eltern wegen ihrer Baby-Sprache ("Eh-Oh") oft skeptisch betrachtet, sind in der ländlichen Idylle Mittelenglands zu Hause. Wenige Kilometer vom Städtchen Stratford entfernt, als Geburtsort von Shakespeare weltbekannt, wurden für das Tubby-Land Hügel aufgeschüttet und ein sieben Meter hoher grasüberwachsener Kuppelbau angelegt. So können die TV-Stars mit ihren Antennen auf dem Kopf und Bildschirmen im Bauch bei Wind und Wetter brabbeln, schmusen und tanzen. Bei Sonne tollen sie draußen mit den acht Kaninchen herum, die dafür in einem Verschlag gehalten werden. Und bei Regen - diesen Sommer Jahr in der Region eher die Regel - treiben sie ihre Späße mit dem Staubsauger Noo-Noo im Haus oder knabbern an ihrem Toast. Die erste Kleinkinder-Soap der Welt, im April 1997 in England auf Sendung gegangen, wird in inzwischen über 120 Ländern gesehen. Doch auf dem Gipfel ihres Erfolgs bereiten die Tubbies in England ihren Rückzug vom Bildschirm vor: Auf dem Gelände werden in den kommenden Wochen die letzten Folgen für die britische BBC produziert. Nach insgesamt 365 Episoden - für jeden Tag des Jahres eine - wollen Tubby-Erfinderin Anne Wood (62) und ihr Co-Autor Andrew Davenport (36) Schluss mit der Soap machen. Für die Zielgruppe - Kleinkinder von zwei bis drei Jahren - gebe es dann genügend Folgen. "Und die Kinder schauen sich die Sendungen gerne mehrfach an", sagt Wood, die in der Nähe von Stratford wohnt und seit vielen Jahren eine der erfolgreichsten Produzentinnen von Kindersendungen in England ist. 45 Leute - in grün gestrichenen Bauhütten untergebracht - arbeiten in dem Fantasieland. Sie bauen das Zauberwindrad auf oder pflanzen die aus Pappmachee hergestellten Blumen auf den Hügel an. "Es gibt eine ganze Menge Mogelei", meint scherzhaft Chris Watts, der für die Drehs verantwortlich ist. Tinky und Co. -Winky geben sich trotz ihres TV-Ruhms äußerst scheu: Filmen und Fotografieren der Tubbies und der vier Schauspieler, die in den Kostümen stecken, ist auf dem Gelände untersagt. Woods TV-Firma Ragdoll begründet dies damit, dass man die Fantasie der Kinder nicht zerstören wolle. Denn Tinky-Winky ist in Wahrheit nicht so knuddelig wie auf dem Bildschirm, sondern mit Antenne fast drei Meter groß. Die Schauspieler halten es in den Tubby-Kleidern nicht länger als 30 Minuten aus, so sehr geraten sie ins Schwitzen. Die Geheimniskrämerei um die Tubbies gehört auch zum geschickten Vermarktungskonzept von Ragdoll und BBC. Dank der ungeahnten Resonanz ist die TV-Firma von Anne Wood zu einem mittelständischen Unternehmen mit fast 50 Angestellten angewachsen. Und die BBC hat mit dem Verkauf der Sendung und der Lizenzierung von fast 4 000 Produkten - vom Waschlappen bis zur Teletubby-Bettwäsche - Millionen verdient. Der Merchandising-Umsatz betrug 1999 weltweit zwei Mrd. DM.

Letztlich hat der Erfolg bei den Kindern auch die vor allem in Deutschland heftig geführte Debatte um den pädagogischen Nutzen der Tubbies entschieden. "Es gibt eine Menge Dinge auf der Welt, die zur Sorge Anlass geben. Wir wollen den Kindern Selbstsicherheit und Vertrauen geben", beschreibt Wood das Konzept der Sendung. Die Vorliebe der Plüschpuppen für High-Tech-Geräte bewertet sieht sie als natürlich, da Kinder überall damit aufwüchsen. Inzwischen haben Untersuchungen bestätigt, dass die Tubbies nicht nur unschädlich sind, sondern durch ihre ruhige und frohe Stimmung das Denken von Kleinkindern fördern können. Seit Beginn der Sendung habe man durch die Beobachtung von Kindern gelernt, noch weniger Sprache zu benutzen und stattdessen mehr auf Bewegungselemente wie etwa das Tanzen in der Sendung zu setzen, berichtet Wood, die von der Queen im vergangenen Dezember in den Adelstand erhoben wurde. Wenn in Stratford im September die Klappe fällt, heißt dies jedoch nicht, dass die Teletubbies für immer Winke-Winke machen. In Deutschland hat der Kinderkanal von ARD und ZDF bereits 260 Folgen erworben, die einschließlich Wiederholungen bis zum Jahr 2007 gezeigt werden. Und auch die Tubbies selbst werden noch nicht in Rente geschickt: Wood überlegt, ob diese künftig bei Live-Shows auftreten sollen. Auch im Fernsehen ist ein Auftritt der Tubbies bei "special events" nicht ausgeschlossen, verrät sie.

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