Wintergeschäft ist ausgeblieben
Beru will Stagnation im nächsten Jahr durchbrechen

Die Hoffnungen des Automobilzulieferers Beru auf ein anziehendes Geschäft im Winter haben sich nicht erfüllt. Der Ludwigsburger Hersteller von Glühkerzen und Diesel-Kaltstarttechnik rechnet für 2002/2003 mit stagnierenden Umsätzen und Gewinnen, hofft aber im nächsten Geschäftsjahr auf prozentual zweistellige Umsatzzuwächse.

Reuters LUDWIGSBURG. Der Umsatz habe in den neun Monaten von April bis Dezember 2002 mit 214,3 (Vorjahr: 213,8) Millionen Euro praktisch auf der Stelle getreten, teilte Beru am Donnerstag mit. Das Ergebnis vor Steuern sank auf 40,2 (43,2) Millionen Euro. "Eine Erholung des Branchenumfeldes zeichnet sich weltweit noch nicht ab. Der Trend zum Diesel setzt sich aber auch 2003 ungebrochen fort", erklärte der scheidende Vorstandschef Ulrich Ruetz am Donnerstag.

Die Hoffnung auf lange kaltes Winterwetter habe sich nicht erfüllt, sagte Ruetz der Nachrichtenagentur Reuters. Nach zwei bis drei Wochen unter null Grad springt das Ersatzteilgeschäft von Beru an. Der Umsatz werde daher 2002/03 (zum 31. März) nur das Vorjahresniveau von 303,1 Mill. Euro erreichen. Der um Einmalerträge bereinigte Gewinn vor Steuern werde sich analog zum Umsatz entwickeln. Mit einer Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 15,9 (17,5) Prozent bleibt Beru einer der profitabelsten Autozulieferer.

Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent angestrebt

Im November hatte sich Ruetz noch zuversichtlich geäußert, bei Umsatz und Ergebnis die Vorjahreswerte wenigstens leicht zu übertreffen. 2003/04 soll der Umsatz des Nischenanbieters durch zwei neue Produkte angekurbelt werden, deren Produktion derzeit anlaufe: eine Innenraumheizung für dieselbetriebene Pkw und ein neues Diesel-Schnellstartsystem. Der Umsatz werde dann um 35 bis 40 Millionen Euro wachsen, sagte Ruetz. "Und wir gehen nicht von sinkenden Gewinnen aus", fügte er hinzu.

Mittelfristig hofft Beru wie die deutschen Autohersteller auf verstärktes Interesse an Diesel-Pkw in Nordamerika. "In den USA mehren sich Signale für einen bevorstehenden Dieselboom" vor allem bei Pick-ups und Geländewagen, zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres war das Diesel-Geschäft stabil geblieben, während der Umsatz mit Zündungstechnik für Benzinmotoren um zwölf Prozent zurückging. Im jüngsten Geschäftsfeld, automatischen Systemen zur Kontrolle des Reifendrucks, stieg der Umsatz um 81 Prozent auf 13,4 (7,4) Mill. Euro.

Produkt-Mix verbessert Profitabilität

Der neue Produkt-Mix habe die Profitabilität von Beru noch verbessert, obwohl das Diesel- und Zündungsgeschäft unter Druck geblieben sei, lobte Auto-Analyst Arndt Ellinghorst von WestLB Panmure. Die auch im verkleinerten MDax notierte Aktie büßte am Donnerstag dennoch 6,3 Prozent auf 40,75 Euro ein.

Ruetz wird nach 20 Jahren als Vorstandschef am 1. April von dem BMW-Manager Marco von Maltzan abgelöst. Die davor anvisierten Zukäufe hatte Ruetz bereits im Herbst verschoben. "Die Preise haben sich auf ein vernünftiges Niveau nivelliert", sagte er. "Aber es gibt relativ wenig am Markt." Die Eigentümer seien nicht bereit, zu den gegenwärtigen Preisen zu verkaufen.

Ein unfreundliches Übernahmeangebot durch die britische Beteiligungsfirma Carlyle für Beru wollte Ruetz weiterhin nicht ausschließen. Der Großaktionär habe seine Beteiligung nach den vorliegenden Informationen auf 37 von 35 Prozent aufgestockt. "Aber das wird teuer für Carlyle. Wir sind gut aufgestellt für solche Situationen", warnte Ruetz. Die Gründerfamilie hält 23 Prozent.

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