Winterlicher Schlussspurt
Mailand überrascht mit drei Börsengängen

Völlig darnieder liegt der Markt für Neuemissionen doch nicht. An der Mailänder Börse treten kurz vor Jahresende noch drei Unternehmen an. Die Messegesellschaft Fiera di Milano, der Reiseveranstalter Cit Holding und der Weltmarktführer bei Pipeline-Verkleidungen, Socotherm, lassen erstmals ihre Aktien notieren.

MAILAND. Was in diesen Tagen an der Borsa Italiana passiert, erinnert nach Ansicht eines erfahrenen Investmentbankers an den Stapellauf eines Motorbootes nach dem Untergang der Titanic. Soll heißen: Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz demonstriert der Finanzplatz Mailand mit gleich drei Börsengängen zum Jahresende zwar eine bemerkenswerte Vitalität. Doch das ändert nichts daran, dass das Emissionsjahr 2002 gegenüber einstigen Boomzeiten äußerst mager ausfällt.

Ab morgen werden erstmals die Aktien des kleinen, aber feinen, Spezialisten für Pipeline-Verkleidungen, Socotherm, gehandelt. Einen Tag später wird die Fiera di Milano - die bislang von einer Stiftung kontrollierte Messegesellschaft der Stadt - erstmals auf dem Kurszettel erscheinen. Bereits vor ein paar Tagen hat der Reiseveranstalter Cit Holding 20% seines Kapitals platziert.

Von einer endlich wieder anspringenden Konjunktur für IPOs (Initial Public Offerings) will in Mailand dennoch niemand sprechen. Zwar sei Cit gut in den Handel gestartet. Und auch die Nachfrage nach den Titeln der Fiera di Milano entwickle sich bislang mit einer vierfachen Überzeichnung erfreulich. "Die Volumen sind aber einfach zu gering, um von einem substanziellen Stimmungsumschwung hin zu mehr Optimismus zu sprechen," sagt der Aktienmarktstratege eines Mailänder Brokerhauses. So hat Cit Holding mit seinem Börsengang rund 20 Mill. Euro eingenommen.

Hinzu kommt, dass nicht alle Emissionsprojekte reine Erfolgsgeschichten sind: Socotherm musste nach nur schwachem Interesse der Anleger den Zeichnungspreis mit 3,50 Euro unterhalb der Spanne von 3,75-4,75 Euro festlegen. Außerdem werden nur 25% des Kapitals und nicht - wie zunächst erhofft - 35% platziert. Der Umfang des Börsenganges liegt nun bei knapp 33 Mill. Euro.

Im Vergleich zu Cit und Socotherm nimmt sich das IPO der Messe Mailand als großer Brocken aus. Trotz des erheblichen Publikumsinteresses hat die Gesellschaft aber beschlossen, den Verkaufspreis an der Untergrenze der Spanne zwischen 7,50 Euro und 8,75 Euro festzulegen. Vorstandschef Flavio Cattanio: "Um das in uns gesetzte Vertrauen zu belohnen, werden wir eine größere Quote als bislang geplant dem Retail-Publikum zur Verfügung stellen und die Preisspanne trotz der großen Nachfrage nicht ausschöpfen."

Die zu zwei Dritteln aus einer Kapitalerhöhung stammenden 15,6 Millionen Papiere inklusive der Zeichnungsreserve werden 117 Mill. Euro in die Kassen des Unternehmens spülen. Das letzte Drittel der Emission kommt aus dem Besitz der öffentlichen Stiftung. Die Fiera di Milano ist nach Hannover der zweitgrößte Messeveranstalter der Welt und der erste überhaupt, der an die Börse geht. Mit den Einnahmen will das Unternehmen die Kosten des Umzugs vor die Tore der Stadt teilweise finanzieren und weitere Veranstaltungen zukaufen.

Trotz der drei winterlichen Börsengänge geht auch in Mailand ein "annus horribilis" zu Ende. Mit sechs IPO?s - außer den drei genannten Unternehmen Astaldi, Pirelli Real Estates, ASM Brescia - sowie dem Börsengang ohne Platzierung der Banca Antonveneta war 2002 noch schwächer als das bereits krisenhafte 2001, als 13 Unternehmen den Gang an die Borsa Italiana wagte. Hinzu kommt, dass praktisch alle zuletzt quotierten Gesellschaften teils erheblich unterhalb ihres Ausgabepreises gefallen sind. So hat der Fußballclub Juventus Turin im vergangenen Jahr rund die Hälfte seines Wertes verloren, bei der Antonveneta beträgt das Minus 30%, wie auch bei Astaldi und Pirelli Real Estates. Lediglich das größte IPO des Jahres 2001, der Gasnetzbetreibers Snam Rete Gas, verbuchte seit dem ersten Handelstag ein Plus von rund 12%.

Die etlichen Absagen und Verschiebungen haben indes die Pipeline der italienischen Kandidaten beachtlich angefüllt. So warten unter anderen der Luxusgüterhersteller Prada nach einer Reihe nicht erfüllter IPO-Ankündigungen ebenso auf bessere Zeiten, wie der Telefonkonzern Wind.

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