Winterspiele in Südkorea
Olympia-Pläne im unentdeckten Paradies

Als Außenseiter im Rennen um die Olympischen Winterspiele 2010 gibt sich Pyeongchang geheimnisvoll. Mit dem Slogan "Verborgener Schatz" wirbt die südkoreanische Stadt und kokettiert mit dem selbst gewählten Image des noch unentdeckten Ski-Paradieses. Bei der Vergabe der 21. Winterspiele durch die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 2. Juli in Prag setzen die Asiaten im Duell mit Salzburg und Vancouver aber vor allem auf die große Politik. Entgegen der von der IOC - Evaluierungskommission vorsichtig geäußerten Sicherheitsbedenken wird die angespannte Lage im Verhältnis zu Nordkorea eher als Chance denn als Risiko gesehen.

HB/dpa MÜNCHEN/PYEONGCHANG. Werbewirksam sprach sich Staatspräsident Roh Moo Hyun zehn Tage vor der Entscheidung für eine gemeinsame Olympia-Mannschaft mit dem kommunistischen Nordkorea schon bei den Spielen 2004 in Athen aus, sollte Pyeongchang den Zuschlag für 2010 erhalten. "Dieses Ereignis wird eine Chance für Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel sein", sagte Roh Moo Hyun. Yoon Kang Roo vom lokalen Organisationskomitee sieht den "ursprünglichen Gedanken Olympias" in der ersten südkoreanischen Bewerbung für Winterspiele verwirklicht.

Die Olympia-Planer in Fernost können sich auf die Unterstützung ihrer Regierung verlassen. Mit einem rund 2,8 Mrd. Euro teuren Investitionsprogramm sollen das Straßen- und Schienennetz aus der 160 km entfernten Hauptstadt Seoul in die ländlich geprägte und mit etwa einer Million Einwohnern dünn besiedelte Region im Nordosten Südkoreas verbessert werden. Auch der Bau der Sportstätten im durch die Grenze zum Norden getrennten Distrikt Gangwon ist ehrgeizig. 8 von 13 Anlagen in einem Umkreis von 100 km um Pyeongchang sind noch nicht errichtet, darunter vier Eishallen, die Bob- und Rodelbahn, das Skisprungstadion und die alpine Abfahrtspiste.

Bei der eigenen Bevölkerung sind die mit einem Budget von etwa 700 Mill. Euro veranschlagten Olympia-Pläne unumstritten. 85 % der Einwohner Pyeongchangs sprachen sich bei einer IOC-Umfrage für das Großereignis aus. Eine Opposition war "nicht feststellbar", so die Evaluierungskommission. Fehlendes know how bei Wintersport- Großereignissen wollen die Südkoreaner mit der sowohl bei den Sommerspielen 1988 in Seoul als auch bei der gemeinsam mit Japan ausgerichteten Fußball-Weltmeisterschaft 2002 bewiesenen Begeisterung wettmachen.

In ihrem Bericht nach dem Besuch im Februar stellten die IOC - Prüfer Pyeongchang zwar ein gutes, aber im Vergleich zur Konkurrenz aus Kanada und Österreich schlechteres Zeugnis aus. Somit klammern sich die Hoffnungen an andere Faktoren. Erst zum dritten Mal nach den Spielen von 1972 (Sapporo) und 1998 (Nagano) in Japan würden Winterspiele in Asien stattfinden. Gerade die Ski-Industrie sieht in Fernost einen großen, bislang unerschlossenen Markt. Deshalb gilt nicht nur Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS) und IOC-Mitglied, als Befürworter Pyeongchangs.

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