"Wir befinden uns in einer Rezession"
Großhandel bleibt pessimistisch

Der deutsche Großhandel schätzt die aktuelle Geschäftslage und die kurzfristigen Perspektiven weiterhin pessimistisch ein. "Der Großhandel befindet sich in einer Rezession", erklärte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, laut Redetext am Dienstag in Berlin.

Reuters BERLIN. Eine BGA-Umfrage habe ergeben, dass die Großhändler im laufenden Jahr eine Stagnation auf dem niedrigen Vorjahresniveau erwarteten. Zwei Drittel der Befragten rechneten 2002 zudem nicht mit einer wirtschaftlichen Erholung. Wenn die Politik sich vor allem Arbeitsmarkt zu Strukturreformen durchringen könnte, wäre ein Wachstum "von vier Prozent über viele Jahre machbar". Unter den Kanzlerkandidaten trauten die Großhändler in der Wirtschaftspolitik Edmund Stoiber (CSU) mehr zu als Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD).

"Die Hälfte der Groß- und Außenhändler beurteilt die wirtschaftliche Stimmungslage als schlecht bis sehr schlecht", beschrieb Börner die Ergebnisse der BGA-Umfrage. Als völlig überflüssig bezeichnete er die laufende Diskussion, ob die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,75 oder nur um 0,5 Prozent wachse. Wichtig sei, dass diese Werte deutlich unter der Schwelle von 2,3 Prozent lägen, ab denen sich das Wachstum auch auf die Beschäftigung positiv auswirken würde. Daher glaubten 67 Prozent der Befragten, dass die Arbeitslosigkeit 2002 weiter zunehmen werde. 61 Prozent rechneten mit einer Verschlechterung der Konjunktur.

Rund ein Viertel der Großhändler erwarteten, dass sich ihre Umsätze in diesem Jahr weiter verschlechtern werden, sagte Börner. 44 Prozent rechneten mit einer Stagnation, während ein Drittel höhere Umsätze erwarte. Beim Ertrag gehe die Hälfte der Unternehmer von einer Stagnation auf niedrigem Niveau aus. Die Renditen würden mit 1,1 Prozent als unzureichend gesehen, was die Händler extrem zurückhaltend bei Investitionen mache.

Höhere Wertschätzung für Stoiber

Von der Politik forderte Börner mehr Freiräume, weniger Abgaben und mehr Flexibilität an Märkten und im Arbeitsrecht. Nur dann werde die Investitions- und Risikobereitschaft bei den Unternehmern zunehmen. Beim Thema Zuwanderung verträten 51 Prozent die Meinung, der akute Fachkräftemangel könne bei hoch qualifizierten Arbeitnehmern durch die "Green Card" gelöst werden. 76 Prozent lehnten aber "Green Cards" für einfachere Tätigkeiten ab.

Unter den Kanzlerkandidaten genießt Stoiber der Umfrage zufolge bei den Unternehmern die weitaus höhere Wertschätzung vor Schröder. Mit 72 Prozent in der Steuer- und Finanzpolitik für Stoiber gegenüber zehn Prozent für Schröder und mit 68 Prozent bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für Stoiber gegen sieben Prozent für Schröder liege der Unionskandidat in der Gunst der Unternehmer deutlich vorne.

Der BGA vertritt nach eigenen Angaben 135 000 Großhändler. Er betrachtet die Branche nach Angaben eines Sprechers als wichtigen konjunkturellen Frühindikator.

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