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Wir haben keine Angst!

Gut, etwas mulmig fühlen sich viele Londoner schon, morgens in die U-Bahn zu steigen. Rush-Hour, der Zug ist voll wie immer, aber irgendwie ist es leiser und viele blicken hinter ihren Zeitungen hervor und mustern jeden Neueinsteiger kritisch.

Gut, etwas mulmig fühlen sich viele Londoner schon, morgens in die U-Bahn zu steigen. Rush-Hour, der Zug ist voll wie immer, aber irgendwie ist es leiser und viele blicken hinter ihren Zeitungen hervor und mustern jeden Neueinsteiger kritisch. Doch sich etwas anmerken zu lassen, das wäre unbritisch. Pathos auch - im Verkehrsfunk und in den Durchsagen in der U-Bahn ist von Zwischenfällen, Ereignissen oder allenfalls von einem Notfall die Rede, wenn es um Verkehrsbehinderungen in Folge der Bomben vom Donnerstag geht.
Die verharmlosende Wortwahl dient jedoch nicht der Verdrängung. Fotos und Berichte über Opfer und Vermisste sind allgegenwärtig und die Zeitungen sind voll von schrecklichen Schilderungen von Überlebenden oder Rettungskräften. Doch die Londoner sind wild entschlossen, sich in keiner Weise einschüchtern zu lassen. Diese Haltung ist es, die Tony Blair in seiner Rede vor dem Unterhaus gestern als vorbildlich lobte.
Internationalen Widerhall findet diese Trotzreaktion derzeit auch im Internet. Der 29-jährige Londoner Weblog-Schreiber Alfie Dennen hat nur wenige Stunden nach den Bombenanschlägen die Seite www.werenotafraid.com eingerichtet. Hier finden sich schon mehr als tausend Solidaritätsadressen aus aller Welt in Form von Fotos und Montagen. Die gemeinsame Botschaft: "We are not afraid" (Wir haben keine Angst)! London-Besucher posieren vor Bussen und U-Bahn-Haltestellen, Brasilianer am Strand, Italiener im Cabrio. Ein Jens hat das Motto der Seite auf Transparente auf ein Foto montiert - offenbar von einer Montagsdemonstration in Ostdeutschland. Eine italienische Familie kündigt ihren Umzug nach London an. Ein Witzbold hat Bin Laden im Schneidersitz auf eine Londoner Straße montiert, von hinten rast ein roter Doppeldeckerbus heran. Andere drohen plump mit Stinkefinger und Schlagringen. Die Seite ist so populär, dass sie am Montag stundenlang ausfiel, weil der Server überla stet war. Auch das ein Zeichen an die Terroristen, dass die Menschen sich nicht durch blutige Anschläge eine andere Lebensweise aufzwingen lassen wollen.

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