"Wir kämpfen bis zum letzten Mann"
USA greifen weiter Stellungen der Taliban an

Die radikal-islamischen Taliban haben nach eigenen Angaben mit der Bildung von Milizen zur Abwehr von US-Bodenangriffen begonnen. Der Bildungsminister der Taliban, Amir Chan Muttaki, sagte am Mittwoch Reuters-TV, die Taliban würden bis zum letzten Mann kämpfen.

Reuters KABUL. Die USA setzten ihre Luftangriffe auf Stellungen der Taliban an der Front nördlich von Kabul fort. Die Offensive der oppositionellen Nordallianz auf die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif stockte offenbar. Ein afghanischer Stammesführer und Vertrauter des früheren Königs sprach sich für ein schnelles Ende der Militäreinsätze aus.

"Wir haben uns jetzt entschieden, in den Dörfern und allen Provinzen Afghanistans bewaffnete Gruppen zu bilden, um uns möglichen Kommando-Einsätzen der USA und ihrer Freunde entgegenzustellen", sagte Muttaki. Trotz der Schäden an Radaranlagen, technischen Geräten und Flughäfen sei die Kampfkraft der Afghanen ungebrochen. Wenn die US-Soldaten afghanischen Boden beträten, würden sie hohe Verlust erleiden. "Ihre Verluste werden höher sein als die der Russen, weil die Amerikaner mehr als die Russen ein Volk des Vergnügens und der Bequemlichkeit sind", sagte Muttaki. Die Sowjetunion hatte während des Afghanistankriegs 1979 bis 1989 rund 17 000 Soldaten verloren.

An der Frontlinie nördlich der Hauptstadt Kabul trafen US- Kampfflugzeuge nach Angaben der Nordallianz stark befestigte Stellungen der Taliban. Die ganze Nacht zum Mittwoch über waren in Kabul Kampfflugzeuge und Explosionen zu hören gewesen. Ein Sprecher der Nordallianz, Mohammad Hebeel, sagte der Nachrichtenagentur Reuters von nahe der Frontlinie bei Masar-i-Scharif, es gebe keine Kämpfe. "Zurzeit wird nicht gekämpft", sagte er, ohne zu sagen, ob die Taliban die am Dienstag begonnene Offensive der Nordallianz zum Stillstand gebracht hätten. Davon hatte ein Sprecher der Taliban am Vortag berichtet. Masar-i-Scharif liegt an der Grenze zu Usbekistan. Die Einnahme der Stadt würden der Nordallianz Nachschubrouten öffnen.

In Kreisen des US-Verteidigungsministeriums hieß es, ein Sturz der Taliban-Regierung werde nicht vor dem Winter erwartet. Berichte über schlechte Bedingungen für US-Truppen während der strengen Kälte wurden zurückgewiesen. "Der Winter wird für die Taliban härter als für uns sein", verlautete aus den Kreisen. "Wenn (ihre) Truppen keine Patronen, kein Treibstoff oder Nahrung haben, was sollen sie machen?" Zudem würden Wärme suchende Waffen der Allianz im Winter besser ihre Ziele erkennen.

Der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge starben bei den Angriffen in dem Dorf Chakor Karis nahe Kandahar 52 Menschen. Zuvor hatte eine Sprecherin des US- Verteidigungsministeriums eingeräumt, dass mindestens zwei US-Bomben am Wochenende ihre Ziele verfehlt und zivile Objekte getroffen hätten. Die größere der beiden Bomben sei in der Nähe eines Altenheims in der westafghanischen Stadt Herat eingeschlagen. Sie habe keine Hinweise darauf, dass - wie von den Taliban berichtet - ein Krankenhaus getroffen worden sei. Der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, rief die USA zu mehr Sorgfalt bei den Angriffen auf. Die Zivilisten litten bereits "unter der Herrschaft von Terror-Gruppen", sagte er.

In der pakistanischen Stadt Peshawar begann ein Treffen von 800 afghanischen Stammesführern und Familienältesten, um über die Zeit nach der Taliban-Herrschaft zu beraten. Der Stammesführer Sajed Ahmad Gailani sagte, die Luftangriffe sollten so schnell wie möglich beendet und der Wiederaufbau Afghanistans begonnen werden. Er rief die weniger radikalen Taliban-Mitglieder auf, sich der Versammlung für Frieden und Nationale Einheit bei deren Suche nach einer friedlichen Zukunft des Landes anzuschließen. Die Gespräche über eine Regierung auf breiter Basis sollten umgehend beginnen. Gailani gilt als Vertrauter des früheren Königs Mohammed Sahir Schah, der in Rom lebt und als Integrationsfigur der Afghanen angesehen wird.

Die USA greifen mit britischer Unterstützung seit dem 7. Oktober nach eigenen Angaben Stellungen der Taliban und der radikal-islamischen Organisation El Kaida von Osama bin Laden an. Die US-Regierung macht ihn für die Anschläge in New York und bei Washington verantwortlich, bei denen vermutlich etwa 4500 Menschen getötet worden. Bei den Angriffen der USA und Großbritanniens sind den Taliban zufolge mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Die USA haben die Zahl als deutlich übertrieben bezeichnet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%