„Wir müssen Anschluss halten“: Wolfgang Maier als Kämpfer und Clown

„Wir müssen Anschluss halten“
Wolfgang Maier als Kämpfer und Clown

In der großen Krise der deutschen alpinen Skifahrer ist Wolfgang Maier zugleich Kämpfer und Clown. Trotz des enttäuschenden Abschneidens bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz stellt sich der Damen-Cheftrainer schützend vor Hilde Gerg, Martina Mit für ihn ungewöhnlich lockeren Auftritten versucht er vor dem abschließenden Slalom am Samstag (10.00/13.00 Uhr) zudem, den Eindruck aufkommender Depression im Team zu verwischen.

HB/dpa ST. MORITZ. Während Herren-Chefcoach Martin Oßwald, Alpin-Chef Walter Vogel und selbst Verbandspräsident Fritz Wagnerberger sich zu den Angriffen der Ex- Stars um Markus Wasmeier nach außen realtiv bedeckt halten, scheut Maier aber auch nicht den offenen Streit mit den Kritikern.

"Ich habe von denen noch keine Vorschläge gehört. Die Nutzen nur ihre Medienplattform gnadenlos für ihre eigenen Zwecke", sagte Maier. Im Bayerischen Fernsehen kam es am Donnerstagabend erstmals zur öffentlichen Konfrontation von Maier und Ex-Star Christian Neureuther. Das Rededuell wurde zum Exempel der Misere des deutschen alpinen Skisports. Die Fronten zwischen DSV-Verantwortlichen und früheren Ski-Größen haben sich verhärtet. "Es ist verpasst worden, ehemalige Sportler in den Verband zu integrieren. Die wurden zum Teil behandelt wie Aussetzige", sagte der heutige ARD-Experte Neureuther. "Es ist leicht, sich hier hinzustellen und zu kritisieren", antwortete Maier. Er sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

Neureuther ist Vorsitzender des vor zwei Jahren gegründeten Sportbeirats, dem auch Wasmeier angehört. Das zur Förderung des Skisports gebildete Gremium hat aber offenbar überhaupt keinen Einfluss. "Der Beirat findet doch überhaupt nicht statt", sagte Maier. Auch die mangelnde Integration von ehemaligen Skifahrern in die DSV-Trainerriege verwundert ihn nicht: "Das ist ein richtiger Schweinejob. Es reicht halt nicht, dass ich mich im Fernseher hinstelle und kritisiere", so Maier.

Der 1998 als "Goldschmied von Nagano" gefeierte Coach ist zum Sprachrohr im Deutschen Skiverband (DSV) geworden: "Wir haben nicht das gebracht, was man erwartet, das ist nicht wegzudiskutieren." Vor den Slalom-Rennen am Wochenende wird eine WM ohne Medaillen wie 1999 in Vail/USA immer wahrscheinlicher, und auch Maier muss sich mit bescheidenen Zielen zufrieden geben. "Wir müssen den Anschluss halten. Es ist entscheidend, dass wir dafür Leute haben", sagte er.

Für den Damen-Slalom am (morgigen) Samstag hat Maier schon gar keine Zielvorgabe mehr gegeben. Dabei haben in Monika Bergmann (Lam), Martina Ertl und Annemarie Gerg (beide Lenggries) diesmal sogar drei Fahrerinnen eine kleine, aber realistische Chance auf die erste Medaille. "Das Beste kommt immer zum Schluss", verbreitete zumindest Slalom-Spezialistin Monika Bergmann Hoffnung auf ein Happy End.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%