"Wir sammeln da einiges auf"
Fonds sehen zum Start der US-Börsen Kaufchancen

Deutsche Fondsmanager waren vor der Wiedereröffnung der Aktienbörsen in New York zurückhaltend, haben aber die jetzige Situation eher als Kaufgelegenheit denn als Anlass für die Realisierung von Verlusten gesehen. Befragte Marktteilnehmer erwarteten am Montag von New York ausgehend kurzfristig weitere Verluste und hohe Volatilität in den wichtigsten deutschen und europäischen Märkten. Jedoch wären selbst Kursverluste bis zu zehn Prozent in der aktuellen Lage immer noch ein positives Zeichen, sagte der Activest-Geschäftsführer Micheal Bentlage.

Reuters FRANKFURT. Die amerikanischen Aktienbörsen waren vergangene Woche nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon vier Handelstage geschlossen.

Carmen Weber, Fondsmanagerin beim Bankhaus Metzler, erwartete, dass die Märkte infolge der Wiedereröffnung der New Yorker Börse noch einmal bis zu fünf Prozent nachgeben könnten. Am Montag morgen war der Dax zeitweise bereits auf das niedrigste Niveau seit Oktober 1998 gefallen. Weber bewertete jedoch auch die Aussicht auf weitere Verluste nicht als "Crash". Sie plante - wenn auch zurückhaltend - zu kaufen. "Wir haben noch ein paar offene Orders auf US-Aktien von letzter Woche, die nicht ausgeführt werden konnten. Das werden wir heute nachholen", sagte Weber. Dabei werde man Fluggesellschaften, die auf Grund des Flugverbotes erhebliche Verluste erleiden, meiden. Ausgewählte Banktitel und andere Finanzwerte jedoch könnten interessant sein.

Angesichts der Unsicherheit im Markt plante Jürgen Böhlen, Fondsmanager bei Merck-Finck Invest, keine großen Engagements. "Einige schreiben jetzt von Patriotenrallys in den USA, aber das sehe ich nicht kommen", sagte Böhlen. Der Experte für Konsumwerte glaubt, dass auch ohne den Anschlag die Welt vor einer wirtschaftlichen Rezession gestanden hätte. Durch den Terrorakt seien nun die Kurse lediglich schneller auf Rezessionsniveau gedrückt worden. Deshalb sah er auch keine Notwendigkeit für eine strategische Neuausrichtung der von ihm mitbetreuten Fonds.

Bentlage erwartete, dass der amerikanische Aktienmarkt im besten Fall schwach oder mit Verlusten eröffnen würde, sich aber im Tagesverlauf halten könne. Sein Haus werde ruhig bleiben und abwarten. Denn Activest habe schon vergangene Woche gehandelt und im Gesamtmarkt gekauft. Versicherungen seien reduziert worden, Öl-Titel habe man aufgestockt. Klare Signale für die weitere Entwicklung der deutschen und europäischen Aktienmärkte könne man erst den Schlusskursen der New Yorker Börse entnehmen. "Alle Kursverluste, die nicht zweistellig sind können als positiv gelten", sagt Bentlage. Auch bei Verlusten bleibe sein Grundgedanke: "Kaufen, nicht absichern".

Mit Chancen im deutschen Aktienmarkt rechnete Christoph Bruns von Union-Investment zur Wiedereröffnung der New Yorker Aktienbörse. Der Leiter des Aktienfondsmanagements sagte, dass viele deutsche Titel eindeutig überreagiert hätten. Kursverluste von 30 Prozent, wie beispielsweise bei Hugo Boss AG, entbehrten jeglicher Realität. "Wir sammeln da jetzt einiges auf. Wenn in den USA die Dinge nicht so schlimm kommen, wie hier schon eingepreist worden ist, dann kommt eine deutliche Korrektur nach oben", erwartete Bruns. "Wir gehen davon aus, dass Gelder aus dem amerikanischen Markt abgezogen werden und in deutsche und europäische Aktien fließen. Und darauf setzen wir."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%