"Wir sind bereit, Auflagen zu erfüllen"
Konzerne bei Tankstellenfusion kompromißbereit

Die Mineralölkonzerne Shell und BP sind für eine Genehmigung der geplanten Fusionen mit Dea und Aral offenbar zu erheblichen Zugeständnissen an das Bundeskartellamt bereit.

Reuters FRANKFURT. Wie die "Berliner Zeitung" am Samstag berichtete, will Shell sich von einem Teil des Tankstellennetzes trennen, um Bedenken der Wettbewerbshüter gegen den Zusammenschluss mit der RWE-Tochter DEA auszuräumen. "Wir stehen mit dem Kartellamt in Verbindung und sind bereit, Auflagen zu erfüllen", zitierte die Zeitung Shell-Sprecher Klaus Picard. Das Unternehmen würde sich von einem Teil seiner Tankstellen trennen, wenn dies von der Bonner Behörde gefordert werde. Die "Welt am Sonntag" meldete, dass Shell und BP sich notfalls auch von einigen hundert Tankstationen trennen würden.

Ein DEA-Sprecher sagte am Sonntag auf Anfrage: "Wir haben immer betont, dass wir zu Zugeständnissen bereit sind." Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Bei den übrigen Konzernen war zunächst keine Stellungnahme zu erreichen.

Die geplanten Großfusionen im deutschen Tankstellengeschäft waren in ihrer bisherigen Ausgestaltung beim Kartellamt auf Ablehnung gestoßen. Unter den gegebenen Umständen wären die Fusionen von Shell mit Dea sowie der Eon-Tochter Aral mit BP zu untersagen, hatte das Amt Ende November mitgeteilt. "Würden die Unternehmen keine Veränderung zur Marktlage vorschlagen, wäre eine Genehmigung nicht möglich", hatte Kartellamtspräsident Ulf Böge erläutert. Auch die Europäische Kommission sieht nach Angaben aus EU-Kreisen kartellrechtliche Schwierigkeiten. Analysten hatten bereits damit gerechnet, dass die Firmen nun entweder Schließungen von Stationen oder den Verkauf von Tankstellen in bestimmten Regionen anbieten.

Trennung von einigen hundert Tankstellen

Nach dem vorläufigen Stopp der Verschmelzungspläne könnten Shell und RWE dem Kartellamt bis Montag Vorschläge für mögliche Zugeständnisse machen, hieß es in der "Berliner Zeitung" weiter. BP habe zusammen mit Eon, das die Aral-Muttergesellshaft Veba Oel abgeben möchte, wiederum bis Mittwoch Zeit zur Abgabe geeigneter Vorschläge an das Amt. Shell unterhalte derzeit in Deutschland rund 1 520 Tankstellen, DEA rund 1 680 Stationen. Shell-Sprecher Picard habe sich zu möglichen Zugeständnissen bei Flugbenzin und Bitumen (Naturasphalt) indes nicht äußern wollen, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter.

Die "Welt am Sonntag" berichtete ohne Angabe von Quellen, die Öl-Konzerne würden sich jeweils von einigen hundert Tankstellen trennen, um vom Kartellamt grünes Licht für die Zusammenschlüsse zu erhalten. Bei Shell könne es dabei sogar um bis zu 700 Tankstationen gehen. Erste Interessenten gebe es bereits, darunter die französische TotalFinaElf sowie der US-Konzern Conoco mit seinen Jet-Tankstellen hieß es. TotalFinaElf betreibe hier zu Lande bereits 1 000 Tankstellen und komme mit der Marke Elf in den östlichen Bundesländern bereits auf einen Marktanteil von 20 %.

Kartellamt gegen Fusionspläne in derzeitiger Form

Die Fusionspläne in ihrer derzeitigen Form drohen nach Einschätzung des Kartellamts, den Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher zu beeinträchtigen. Die Zusammenschlüsse würden zu marktbeherrschenden Stellungen auf den Inlandsmärkten führen, begründete Böge Ende November seine Bedenken. So erreichten die drei größten Unternehmen Shell/Dea, BP/Aral sowie Esso nach den Fusionen Marktanteile von zusammen deutlich mehr als 60 %.

Nach bisherigen Angaben des Amtes läuft die Prüffrist im Fall Shell/Dea bis 27. Dezember, bei BP/Aral bis zum 14. Januar 2002.

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