„Wir sind das Sparsamste aller Länder“
Portrait Hartmut Perschau

Im bettelarmen Bundesland Bremen nimmt Hartmut Perschau (CDU) eine Schlüsselrolle ein. Als Finanzsenator ist er der Obersanierer des mit fast 10 Milliarden Euro verschuldeten Zwei- Städte-Staates - der Herr über die roten Zahlen.

HB/dpa. BREMEN. Trotz momentan stagnierender Haushaltssanierung lässt der CDU-Politiker auf seinen Sparkurs nichts kommen: "Wir sind das Sparsamste aller Länder", sagt er selbstbewusst.

Wie sein politischer Kompagnon, Bürgermeister Henning Scherf (SPD), radelt der Christdemokrat in seiner Freizeit gerne. Politisch fahren beide seit nunmehr fast sechs Jahren Tandem - Scherf sitzt vorne, Perschau hinten. Dass er in diesem Team nur die Nummer 2 ist, scheint den 61 Jahre alten CDU-Mann nicht zu stören.

In seiner beruflichen Laufbahn ist ihm diese Situation nicht fremd. So versuchte er zwischen 1986 und 1991 in Hamburg drei Mal vergeblich, Regierungschef zu werden. Bei der Wahl im November 1986 wurde die CDU mit ihm als Spitzenkandidaten sogar hauchdünn mit einem Vorsprung von 0,2 Punkten stärkste Kraft. Trotzdem landete sie auf der Oppositionsbank.

Der in Danzig geborene und in Hamburg aufgewachsene Perschau schlug nach dem Abitur zunächst die Offizierslaufbahn ein und brachte es bis zum Major. 1974 zog er in die Hamburger Bürgerschaft ein. Nach einem zweijährigen Intermezzo als Europa-Abgeordneter wurde er 1991 zum Innenminister in Sachsen-Anhalt berufen. Vier Jahre später übernahm er in der ersten großen Koalition in Bremen den Posten des Wirtschaftssenators. 1997 wurde er Finanzsenator und Vize- Regierungschef.

Der Umgang mit Zahlen liegt Perschau gewissermaßen im Blut. Sein Vater war Kaufmann und Schiffsmakler. Schon als Wirtschaftssenator erwarb er sich den Ruf eines fleißigen und kompetenten Politikers. "Arbeit macht das Leben süß", nennt er selbst als sein Lebensmotto. Mittlerweile verkörpert er in Bremen für viele Bürger den seriösen Sparkommissar.

Wie kein anderer kämpfte der CDU-Politiker im Wahlkampf für die Fortsetzung der großen Koalition. Mit Rot-Grün sei die weitere Sanierung des Landes nicht zu schaffen, lautete sein Hauptargument. "Sanierung ist ein Langzeitprogramm. Und deshalb brauchen wir die große Koalition. Wir können uns Rot-Grün einfach nicht leisten." So sieht er dies auch nach dem CDU-Wahldebakel vom Sonntag, betont aber: "Zunächst einmal liegt der Ball bei Henning Scherf." Perschau wirkt stets korrekt und eine Spur hanseatisch distanziert. Im Wahlkampf präsentierte die CDU ihn etwas lockerer und zeigte ihn salopp ohne Krawatte und mit seinem Yorkshire-Hündchen Lilly.

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