"Wir sind ein konservativer Wert"
Wind7 voraussichtlich erstes IPO am Prime Segment

Der Betreiber von Windkraftanlagen Wind7 wird Anfang 2003 voraussichtlich der erste Börsengang am neu geschaffenen Prime Segment der Deutschen Börse AG sein. Experten gehen davon aus, dass im neuen Jahr insgesamt nur wenige Unternehmen den Gang an die Börse wagen werden.

Reuters FRANKFURT. "Wir wollen im ersten Quartal an die Börse gehen, sofern die Situation am Kapitalmarkt das zulässt", sagte Vorstandschef Dirk Jesaitis am Donnerstag. Ziel sei es, gleich in den Prime Standard der Deutschen Börse zu kommen.

Die Börse plant im kommenden Jahr, den Aktienmarkt in den so genannten Prime Standard mit hohen Zulassungsanforderungen und den General Standard mit geringeren Anforderungen zu teilen. Den Neuen Markt, der über Jahre das Neuemissionssegment der Börse war, wird abgeschafft. Insgesamt erwarten Experten für das kommende Jahr angesichts des Niedergangs der Börsen und des Rückzugs vieler Privatanleger von der Aktie nur eine geringe Zahl von Börsengängen.

"Wir sind eher ein konservativer Wert"

Jesaitis gibt sich optimistisch zu den Chancen für seinen Börsengang: "Wir kaufen Anlagen zur Stromerzeugung und betreiben sie. Daher sind wir eher mit Immobilienunternehmen denn mit Hightech-Schmieden zu vergleichen. Als eher konservativer Wert dürften wir daher gute Chancen in schwierigen Kapitalmarktzeiten haben."

Wind7 hatte im Geschäftsjahr 2001 bei einem Umsatz von 1,405 (2000: 0,021) Millionen Euro einen Fehlbetrag von 0,804 (minus 0,593) Millionen Euro verbucht. Jesaitis erwartet für das Geschäftsjahr 2002 ein leicht negatives Ergebnis. Wind7 wurde 1999 von sieben Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie gegründet, darunter auch von den bereits an der Börse gelisteten Unternehmen P&T Technology und Umweltkontor AG.

Ausblick auf IPO-Jahr 2002 pessimistisch

Die Aussichten auf eine Erholung des Geschäftes mit Börsengängen (IPOs) insgesamt werden von Experten jedoch skeptisch beurteilt. "Die Zahl der IPOs im nächsten Jahr ist schwierig vorauszusagen. Da man das Risiko bei neuen Unternehmen an der Börse immer schwer einschätzen kann, werden sich viele Anleger zurückhalten", sagte Michael Schramm, Investmentbanker bei WestLB Panmure. "Wenn wir Neuemissionen sehen werden, dann ausgewählte Transaktionen mit überzeugender Vorgeschichte", fügte er hinzu. Ein Börsengang mit Milliardenvolumen könnte dabei nach Experteneinschätzung die bereits mehrfach verschobene Platzierung der Mobilfunksparte T-Mobile der Deutschen Telekom werden.

Erst sechs Unternehmen mit erfolgreichem IPO

In diesem Jahr haben bislang erst sechs Unternehmen die Emission an einem geregelten Börsensegment erfolgreich abgeschlossen. In den Boomjahren 1999 und 2000 hatte es dagegen mehr als jeweils 150 neue Listings gegeben.

Für viele Fondsmanager wird es nach Einschätzung der Experten auch attraktiver sein, mögliche Platzierungen von Aktien der Deutschen Telekom oder anderer Unternehmen aus den Portfolio der großen Finanzhäuser zu erwerben. "Da wissen die Anleger wenigstens, was sie erwartet", sagte Schramm. Eine Platzierung von Telekom-Papieren durch die staatliche Förderbank KfW wird von Bankern als durchaus wahrscheinlich eingeschätzt. Emissionsberater sind sich darin einig, dass die politische Situation in Deutschland den Markt stark verunsichere.

Steuererhöhungen und Reformstau hielten vor allem viele ausländische Investoren vom deutschen Markt fern, heißt es. Der Berater Klaus-Rainer Kirchhoff sagte: "Das ist ein Kasperletheater in Berlin, das uns sicher schadet."

Die ersatzlose Abschaffung des Neuen Marktes ist nach Ansicht der Berater problematisch, weil es nun kein dezidiertes IPO-Segment mehr gebe. Allerdings sei der Ruf des ehemaligen Aushängeschildes der Börse durch Skandale zuletzt so angegriffen gewesen, dass ohnehin kaum jemand mehr dort ein Neulisting riskieret habe.

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