"Wir sind erwachsener geworden"
Internetshop-Gründer Schambach: Eine Kämpfernatur

"Wer hoch steigt, kann tief fallen" - für Stephan Schambach ist das mehr als ein Sprichwort. Der Gründer der Jenaer Software-Schmiede Intershop galt als Senkrechtstarter, als Youngster von Anfang 20, der sein Physikstudium hinschmiss, um Vorstandschef und Miteigentümer einer in Frankfurt und New York notierten Aktiengesellschaft zu werden. Dann platzte die Blase - Schambach traf es als einen der ersten. Kurz nach Neujahr 2001 kam das böse Erwachen: Umsatzeinbruch und rote Zahlen, die noch immer nicht verschwunden sind.

HB/dpa JENA. Der heute 32-jährige, der als Vorstandschef eher schüchtern und leise wirkt, wurde ordentlich verprügelt. Aufgebrachte Aktionäre drohten mit Klagen, Schuldzuweisungen und unverhohlene Häme schlugen ihm entgegen. Dass er die Trendwende im Internet-Geschäft verschlafen habe, war noch einer der harmlosen Vorwürfe. Schambach stand das durch, auch wenn er dabei noch dünnhäutiger und blasser wurde. Im Gegensatz zu anderen einstigen Börsenstars zog sich der Familienvater nicht schmollend zurück und wendete sich mit dem Geld aus besseren Tagen den schönen Seiten des Lebens zu.

Für ihn hatte das Konsequenzen bis hin zur privaten Lebensplanung. Der Jungunternehmer kehrte aus San Francisco, dem früheren "Hauptquartier" des Konzerns, in die 100 000 Einwohner-Stadt Jena zurück. Aus den angemieteten Büros im "Intershop-Tower" musste er sein wankendes Imperium neu ordnen, mit schmerzhaften Schnitten wie der Entlassung von einigen hundert Angestellten. Aus dem jungen Erfolgsmanager wurde der Sanierer Schambach. Inzwischen bescheinigen ihm selbst Kritiker wie Aktionärsschützer Marcus Straub, Konsequenz. "Die haben Tabula rasa gemacht."

Cowboystiefel gegen Anzug und Schlipps getauscht


"Wir sind erwachsener geworden", beschreibt Firmensprecher Heiner Schaumann die Entwicklung der vergangenen eineinhalb Jahre. Die lockeren Spielregeln der so genannten "New Economy" gelten nur noch für den Umgang der Mitarbeiter untereinander. Im Management hat die alte Ökonomie gesiegt. Vorstandschef Schambach holte sich in diesem Jahr erfahrene Manager an seine Seite: Den 51-jährigen Werner Fuhrmann als Vertriebsvorstand und als "Herr der Zahlen" Jürgen Schöttler mit dem Credo "Wir bringen die Finanzen in Ordnung." Auch äußerlich ist Schambach die Veränderung anzusehen. Cowboystiefel und offenes graues Hemd hat er längst gegen Anzug und Schlips getauscht.

Keinen Zweifel lässt der Vorstandschef daran, dass er wieder möglichst weit nach oben kommen will. Nicht nur beim Teppen-Steig-Wettbewerb auf den 128 Meter hohen Intershop-Turm beim nächsten Jenaer Altstadtfest. Auch an seiner Vision hält er fest: "Eine Softwarefirma bauen, die in ihrem Bereich zu den führenden zählt."

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