„Wir sind jetzt voll reingegangen“
Dax-Werte: Ehrhardt greift zu

Die Handelsblatt-Artikelreihe über profilierte Fondsmanager startet mit einem Münchener Vermögensverwalter.

FRANKFURT/M. "Wir sind jetzt voll reingegangen", erklärt Jens Ehrhardt. Der Vermögensverwalter und Fondsmanager kaufte während der letzten Wochen vor allem Dax-, aber auch Neue-Markt-Werte. "Diese Zwischenrally könnte bis Januar laufen", glaubt er. Als Vorsitzender des Vorstandes der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG, München, betreut er Kundengelder von rund 700 Mill. , davon das meiste in Publikumsfonds.

Ehrhardt gehört zu jenen Anlagestrategen, die sich in der Baisse seit eineinhalb Jahren gut aus der Affäre ziehen. In den Aktienfonds schraubte der 59jährige die Cash- und Anleihequote zeitweise bis auf 40 %. Schon das federte Risiken ab. Darüber hinaus ist er eher dem Value-Gedanken verhaftet, bevorzugt daher günstig bewertete Aktien - und genau diese Werte feiern seit eineinhalb Jahren ein Comeback. Der studierte Betriebswirt räumt zwar ein: "In der Hausse für die typischen Wachstumswerte bis Frühjahr 2000 sahen wir schlecht aus, weil wir von diesen viel zu teuren Werten die Finger gelassen haben." Durch die anschließende Börsenwende fühlt er sich aber bestätigt.

Konzentration auf deutsche und schweizerische Werte

Mit seinen Flaggschiffen FMM-Fonds und Astra-Fonds ist Ehrhardt jetzt wieder zu 90 % bzw. fast 100 % in Aktien investiert. "Wir konzentrieren uns auf deutsche und schweizerische Werte, denn da haben wir Expertise", erklärt Ehrhardt. In den letzten Wochen kaufte er BMW, "wegen der guten Gewinnentwicklung und möglicherweise Aufkaufphantasie". Auf der Kaufliste war auch Degussa, "weil die Aktie relativ preiswert ist". An Lufthansa reizt ihn die "hohe Substanz, allein die Flugzeuge sind das Doppelte vom heutigen Kurs wert". Zugegriffen hat er auch bei UBS, Credit Suisse und Axa.

Generell sieht er in der prognostizierten Zwischenrally "Dax und Nemax besser laufen als den MDax". Das ist ein interessantes Statement für jemanden, der seine Value-Favoriten in der jüngeren Vergangenheit eher im MDax-Segment für mittelgroße Werte fand. Aber: "In der Zwischenerholung haben Standardwerte aus dem Dax und die Neue-Markt-Aktien einfach das größere Erholungspotenzial, denn die sind vorher auch stärker gefallen."

Von seinen alten Lieblingen will er dennoch nicht lassen. Auf längere Sicht bleibt der Stratege guter Dinge für Aktien wie Koenig & Bauer, Dyckerhoff, Buderus, Bilfinger & Berger oder FAG Kugelfischer. Ehrhardt hat jetzt im Schnitt ein Drittel der Kundengelder im MDax-Sektor investiert.

Spätestens im Januar will er die generelle Börseneinschätzung überdenken. "Wenn die Ankurbelung der Wirtschaft durch die Notenbanken nicht klappt, könnte sich herausstellen, dass die Kurse viel zu hoch sind - und Aktien sind schon jetzt nicht billig", begründet Ehrhardt seine langfristige Skepsis. Er registriert eine Reihe von Belastungen, die sich irgendwann bemerkbar machen dürften: "Dazu gehört beispielsweise die hohe Verschuldung der amerikanischen Verbraucher und Firmen."

Ein vorsichtiger Stratege

Ehrhardt ist als generell vorsichtiger Stratege bekannt. Deshalb schneiden seine Portfolios im Konkurrenzvergleich gerade bei eingetrübter Börsenstimmung gut ab, während er in ausgeprägten Haussephasen gegenüber aggressiver anlegenden Fondsmanagern eher an Boden verliert. Die Vorsicht scheint sich auszuzahlen. Zumindest honorieren die Kunden die per saldo recht stabilen Wertentwicklungen: "Im Moment haben wir viel Anfragen von Anlegern." Ehrhardt hat viel zu tun, mit seinen 25 Mitarbeitern der steigenden Nachfrage nach seinen Dienstleistungen Herr zu werden, wie er sagt. Die Firma lebt nicht nur vom Fondsgeschäft, sondern auch von der Vermögensverwaltung und der Publikation von Börsenbriefen. Als nächstes plant Ehrhardt neue Dachfonds.

Zum Börsengeschäft kam er eher durch Zufall: "Mein Vater hielt mich kurz, da habe ich während des Studiums mit Aktiengeschäften etwas dazu verdient." Er erinnert sich an Käufe von Girmes und Berthold Messing, später IOS: "Da bin ich short gegangen und habe mein erstes großes Geld verdient." Schon 1974 machte er sich als Vermögensverwalter selbstständig, schrieb dann auch seine Doktorarbeit, natürlich zu einem Börsenthema: Kursbestimmmungsfaktoren am Aktienmarkt.

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