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Wir sind schizophren

Früher wählten wir und es gab eine Regierung. Die war entweder Rot, Rot-Gelb (später Rot-Grün) oder Schwarz bis Schwarz-Gelb. Heute entsteht ein Wahlergebnis, das alles möglich macht. Warum? Weil wir zerrissen sind. Und wer ist schuld?

Früher wählten wir und es gab eine Regierung. Die war entweder Rot, Rot-Gelb (später Rot-Grün) oder Schwarz bis Schwarz-Gelb. Heute entsteht ein Wahlergebnis, das alles möglich macht. Warum? Weil wir zerrissen sind. Und wer ist schuld? Die Medien, die Politik, die Werbung - denn alle reden uns ein, was wir sein sollen.



Ja, denn wir sind alles. Irgendwie. Das Unglück begann damit, dass wir Papst wurden, wir alle. Das ist schon mal nicht so gut am Anfang, weil die katholische Kirche doch eine Menge Regeln auferlegt. Also so nen ziemlicher Hammer gleich zu Beginn der neuen Selbstorientierung. Trotzdem stürzten sich eine Menge Menschen auf die Hoffnung, künftig gemeinsam Urlaub in Castell Gandolfo zu machen und nicht mehr auf Mallorca.

Danach waren wir Kanzler, wir alle. Weil ja irgendwie jeder der gewäh lt hat, einen Gewinner gewählt hat, weil ja alle Gewählten sich als Gewinner fühlten. Das macht erstmal hochmütig.

Wenn wir aber alle gleichzeitig Papst und Kanzler sind deutet das schon sehr auf eine CDU-Alleinregierung (wegen des C) hin, was aber nicht der Fall ist. Folge: schwerste Schizophrenie.

Nun aber sind wir alle Deutschland. Das ist einfacher. Denn Deutschland ist ja irgendwie alles. Und nichts. Obwohl so mancher Süddeutsche ja nicht so gerne mit den Ostdeutschen zu tun hat. Und Kölner mögen keine Düsseldorfer und umgekehrt. Als Münsterländer bin ich persönlich auch Anhänger der Bielefeld-Verschwörungstheorie.

Wir alle sind also geteilt, irgendwie. Da hilft es auch nicht, dass wir alle nicht nur Deutschland, sondern laut der Kampagne auch Goethe, Schmeling oder Schumacher sind. Schm eling? Da bekommt der Sponti-Spruch vom boxenden Papst ja echten Wahrheitsbezug. Und dann, um uns endgültig in den Wahn zu treiben, sollen "Wir" auch noch "Wir" sein. Behauptet ein neues "Deutschland-Lied". Wenn wir aber gar nicht wissen, wer wir sind, können wir auch nicht wissen, wer wir sein sollen.

Doch der Verwirrung ist genug, jetzt kommt Klarheit, wie ich bei  Kress online (nur für Abonnenten) lese. Und wieder einmal bringt sie uns die "Bild":

Nach "Wir sind Papst" kommt
"Wir sind Fußball". Mit der neuen Initiative von Bild.T-Online können sich Werbekunden im WM-Jahr 2006 gemeinsam mit dem Online-Portal des Springer-Blattes ins rechte Licht rücken. Vorgestellt wird die Aktion im Rahmen der OMD am 28. und 29. September. Insgesamt wird Bild.T- Online sechs Kooperationspakete in den nächsten Wochen für mögliche Kunden bereitstellen.

Puh, wir sind gerettet. Denn wenn wir Fußball sind, wird die Sache ganz einfach. Der regiert sowieso die Welt.

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