„Wir sind selbstbewusst“
Das neue deutsche Cannes-Gefühl

Ist das Jammern vorbei? Viele Vertreter der deutschen Filmbranche treten bei den Filmfestspielen in Cannes deutlich zufriedener auf als in den Jahren zuvor. Es gibt zwar viel Kritik am jahrelangen Ausschluss deutscher Filme vom Wettbewerb, aber kein Wehklagen mehr. "Wir sind selbstbewusst", rief die Staatsministerin für Kultur, Christina Weiss (parteilos), fast beschwörend beim offiziellen Deutschen Empfang am Montag. Auch die Schwächen des an diesem Sonntag endenden Festivals an der Côte dAzur scheinen das neue deutsche Cannes-Gefühl zu beflügeln.

HB/dpa DÜSSELDORF/CANNES. Der Stimmungswandel hat mehrere Gründe: Der Oscar für Caroline Link hat dem deutschen Film weltweit zu mehr Aufmerksamkeit verholfen. Der Kassenerfolg "Good Bye, Lenin!" poliert die nationale Statistik über die Besucherzahlen deutscher Produktionen auf. Und die Berlinale hat sich unter der Leitung von Dieter Kosslick rasch zu einem anerkannten internationalen Podium für deutsche Produktionen entwickelt. Verglichen mit Cannes in diesem Jahr war Berlin auch das Festival der Superstars. "Unsere Position in Cannes ist gut, weil die Berlinale so stark war", sagte Christina Weiss im Pressegespräch. "Berlin wird als echte Konkurrenz wahrgenommen."

Das kann Dieter Kosslick, seit zwei Jahren Chef der Berlinale, nur freuen. "Die Deutschen waren hier noch nie so entspannt wie heute", sagte er der dpa in Cannes. Das Berliner Festival habe gezeigt, dass deutsche Filme durchaus mit der Konkurrenz standhalten könnten.

Außerdem gebe es eine "gute Kooperation" mit unabhängigen amerikanischen Firmen und den Major-Studios. "Weil wir intelligente US-Filme zeigen, gibt es auch gar keine Auseinandersetzungen über die Auswahl", betonte Kosslick.

In Berlin gibt es nicht die Scheinheiligkeit von Cannes

Rückendeckung erhielt er in Cannes von Harvey Weinstein, dem mächtigen Boss des amerikanischen Miramax-Studios. "Venedig und Berlin haben jede Menge Donnerhall von Cannes genommen", bemerkte Weinstein, der mit "The Hours" in diesem Jahr den Goldenen Bären von Berlin gewonnen hat. Im Fachblatt "Variety" machte er seinem Ärger über Cannes Luft, obwohl er hier in den vergangenen Jahren mit Palmen-Gewinnern wie "Das Piano" oder "Pulp Fiction" herrliche Zeiten erlebte. Dass die neuen Werke von früheren Siegern wie den Coen- Brüdern, Quentin Tarantino oder Jane Campion jetzt nicht im Wettbewerb laufen, liege weniger daran, dass sie noch nicht fertig seien, sondern "dass niemand fertig sein will", teilte Weinstein aus. In Venedig und Berlin gebe es "nicht diesen überwältigenden Druck und die Scheinheiligkeit von Cannes".

Nach der peinlichen Eröffnungspanne mit dem nahezu flächendeckend von der Kritik verrissenen Film "Fanfan, la tulipe" sind das starke Worte von einem der wichtigsten Entscheider im Bereich Qualitätskino. Festivalchef Gilles Jacob und sein Programmmacher Thierry Frémaux stehen aber auch unter ungewohnt heftigem nationalen Beschuss.

Französische Medien stellen zum Beispiel offen den Einfluss des wichtigen Festivalsponsors Canal + auf die Filmauswahl in Frage. Der Fernsehsender hat etliche Beiträge der "Selection Officielle" koproduziert.

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