"Wir sollten nie zehn Jahre werden"
Jenoptik AG feiert Jubiläum

Das "Zehnjährige" wird in diesen Wochen zwischen Rostock und Suhl oft gefeiert. Sich zehn Jahre am Markt behauptet zu haben, ist für ostdeutsche Unternehmen, die kurz nach der Wende gestartet sind, ein guter Grund für Sekt und jede Menge Festreden.

ddp/vwd JENA. Das alles ist auch in Jena so. Die Jenoptik AG wird ihr Firmenjubiläum auf besondere Weise feiern. Am 26. Juni gibt es einen offiziellen Festakt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Festredner, dann bittet Firmenchef Lothar Späth rund 600 Gäste an eine festliche Tafel, und am Nachmittag startet mitten in der Stadt ein Fest für alle Jenenser mit bekannten Künstlern.

Eine bombastische Geburtstagsfeier, die in Jena steigt. "Das stimmt, aber unser zehnjähriges Jubiläum ist auch etwas ganz besonderes", sagt Betriebsratsvorsitzender Günther Reißmann. "Denn eigentlich sollte die Jenoptik überhaupt nie zehn Jahre werden". Der Vertrag, den der aus Baden-Württemberg gekommene Lothar Späth 1991 mit Treuhandchefin Birgit Breuel unterzeichnete, habe lediglich vorgesehen, das alte Zeiss-Kombinat zu liquidieren "und spätestens 1995 die Bücher zu schließen", erklärt Reißmann.

In Ostdeutschland ist Jenoptik ohne Vergleich

Es ist jedoch ganz anders gekommen. Heute ist die Jenoptik ein weltweit agierender Konzern, der rund 9 000 Menschen beschäftigt, im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von über drei Milliarden Mark realisierte und einen Gewinn von mehr als 100 Millionen Mark verbuchen konnte. Die Jenoptik baut auf der ganzen Welt Chipfabriken, stellt Sensoren und Laser, Messgeräte und Systeme für High-Tech-Anwendungen her. "Das Besondere daran ist, dass alle Aktivitäten von Jena aus gesteuert werden, denn hier sitzt die Konzernzentrale", sagt Reißmann. Es gebe kein anderes Unternehmen dieser Größe, das seinen Sitz in Ostdeutschland hat.

"Wir sind übrigens auch das erste ostdeutsche Unternehmen gewesen, dass Firmen in den alten Bundesländern gekauft hat". Mit Meissner + Wurst in Stuttgart, Zander in Nürnberg oder die Hommelwerke im Stuttgarter Raum nennt Reißmann Beispiele. Auch beim Gang zur Börse 1998 seien sie das erste Technologieunternehmen des Ostens gewesen. Dass damals rund 1 400 Jenoptik-Mitarbeiter zum Vorzugspreis Aktionäre wurden, "hätten wir uns in den ersten Jahren kaum träumen lassen", gesteht Reißmann. Und auch, dass das Land Thüringen dafür einen Teil seines Gesellschaftereigentums abgegeben habe, sei eine Besonderheit. Offenbar finden die Jenoptik-Mitarbeiter Gefallen an der Rolle des Aktionärs, denn ein im vergangenen Jahr aufgelegtes Aktien-Optionsprogramm sei zu 99 Prozent ausgeschöpft worden, die diesjährige Auflage zu 85 Prozent, erklärt Reißmann. Für ihn ist das ein Zeichen dafür, dass die Belegschaft der Zukunft ihrer Firma vertraut.

Sieben Jahre lang war die Durststrecke

"Das war nicht immer so, vor allem für die Töchter am Standort Jena gab es auch schwierige Zeiten", räumt Reißmann ein. Mindestens sieben Jahre lang haben diese in den roten Zahlen gesteckt. "In dieser Zeit haben die anderen Tochterfirmen für uns mitverdient.", sagt Reißmann. Seit zwei Jahren werden auch in Jena Gewinne erwirtschaftet, und wie bei den Umsätzen überdurchschnittliche Zuwächse erreicht. "Die hohen Investitionen in Forschung und neue Produktentwicklungen zahlen sich jetzt aus", sagt Reißmann. Volle Auftragsbücher stellten die Jenaer heute vor ganz neue Probleme - sowohl die Jenoptik-Unternehmen als auch ihre Zulieferer. Bei diesen handelt es sich oft um ehemalige Ausgründungen oder Zeissianer, die sich selbstständig gemacht haben. Sie finden in der Stadt kaum noch freie Gewerbeflächen für Erweiterungen oder Neuansiedlung. "Dass wir einmal Schwierigkeiten haben werden, geeignete Facharbeiter und Ingenieure zu finden, das hätte uns Anfang der 90er Jahre, als 160 000 ehemalige Zeissianer ihren Job verloren, mal einer erzählen sollen", ergänzt er.

Manche der damals Entlassenen hatten eine Beschäftigung auf Jenaer Baustellen gefunden, denn 1992 startete Späth ein 500-Millionen-Mark Investitionsprogramm auf Ostdeutschlands größter innerstädtischer Industriebrache, dem alten Zeiss-Hauptwerk in Jena. Das Wort vom Baulöwen Späth machte die Runde, der das "Brautgeld" der Treuhandanstalt von rund 3,5 Milliarden Mark durch Immobilienverkäufe vergrößerte. Das sei die einzig richtige Lösung gewesen, sagt Späth heute noch. Einerseits habe mit den Immobilienerlösen die Jenoptik-Forschung bezahlt werden können, andererseits habe dadurch die Stadt Jena ein ganz anderes Gesicht bekommen. Das alte Zeisswerk ist heute neuer Uni-Campus, Einkaufszentrum, Sitz von Instituten, des Patentamtes und junger, innovativer Firmen. Drei andere Zeiss-Standorte in der Stadt sind heute voll belegte Industrie- und Gewerbeparks. Der gute Ausgang der "Jenoptik-Story" ist Anlass für noch ein besonderes Geburtstagsgeschenk - die Jenoptik spendete eine Million Mark für Jenaer Vereine, Kultureinrichtungen und Institutionen. "Jena soll ein Stück weit an unserem Erfolg teil haben", sagen Späth und Reißmann übereinstimmend.

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