"Wir trainieren viel, das ist alles, was wir tun können"
Soldaten-Alltag in der Wüste: Schlange stehen und warten

Während das politische Tauziehen in der Irak-Frage weitergeht, bereiten sich die US-Soldaten in Kuwait auf ihren Einsatz vor.

dpa KUWAIT/WASHINGTON. Schwimmbrillen, die sich festsaugen und wenigstens die Augen vor dem erbarmungslosen Wüstensand schützen, sind bei den US-Soldaten in Kuwait heiß begehrt. Feuchttücher stehen wegen knapper Wasserrationen hoch im Kurs und werden gern gegen Zigaretten und Schokolade getauscht. Ansonsten bedeutet Alltag für die mehr als 220 000 US-Soldaten an den Grenzen zum Irak vor allem auch Schlange stehen und militärische Übungen.

Im Camp New Jersey im Norden Kuwaits kann es schon mal zwei Stunden dauern, bis Platz am Frühstückstisch ist. Schlangen bilden sich auch vor mobilen Toiletten und Duschkabinen. Eine Flasche kaltes Wasser gibt es zur Körperreinigung.

Das diplomatische Tauziehen um baldigen Krieg oder friedliche Konfliktlösung in New York ist weit weg. "Die Diskussion um mehr Zeit betrifft uns nicht wirklich. Wir sind hier, um unseren Job zu erledigen", sagt Hauptmann Gordon Miller. Seit drei Wochen trainiert er mit 100 Marineinfanteristen etwa 50 Kilometer vor der irakischen Grenze für einen Einsatz gegen Saddam Hussein. "Wir halten uns mit Militärübungen in Form. Warten ist nichts wirklich Neues für uns."

Auch mehr als 600 Reporter sind inzwischen in den Lagern und berichten derweil über den soldatischen Zeitvertreib. Im Camp New Jersey hat jemand eine Holzplatte zum Tischtennistisch umfunktioniert. Auf dem Flugzeugträger "Kitty Hawk" im Persischen Golf sausen Golfbälle zu Dutzenden ins Meer. Backgammon und andere Brettspiele stehen hoch im Kurs. Telefone und Computer mit Internetanschluss sind immer umlagert.

Im Camp Virginia, rund 60 Kilometer vor der irakischen Grenze wird besonders intensiv mit Kaiserslautern telefoniert. Die meisten der 8000 Soldaten sind aus Deutschland hierher verlegt worden. Die Soldaten seien nachdenklicher als in ihrer Heimatbasis, berichtet Militärpfarrer Doug Carver. "Für die Kaplane läuft das Geschäft gut." Im Camp Doha sind bei der katholischen Messe meist nur noch Stehplätze zu haben. Jacques Dolbec predigt von Geduld und Mut.

"Wir trainieren viel, das ist alles, was wir hier tun können", berichtet Soldat John Key aus dem Camp New Jersey im US-Fernsehen. Schießübungen gehörten dazu und Gefangene machen. Die Hälfte der Einheit mime dabei widerspenstige irakische Soldaten. Der Camp- Kommandant habe angeordnet, dass alle auf dem Gelände volle Kampfmontur tragen müssen - "damit sie gedanklich immer voll bei der Sache sind".

Auf dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" gibt es zur Abwechslung schon mal ein Grillfest auf dem Landedeck. Das Schiff mit mehr als 5 000 Soldaten war nach einem sechsmonatigen Einsatz kurz nach Weihnachten schon auf dem Rückweg in die Heimat, als die Umkehr angeordnet wurde. "Die Anspannung steigt und ebbt ab, da ist es schwer für die Crew, ständig in Kampfbereitschaft zu bleiben", räumt Kapitänleutnant Kendall Card ein.

Hauptmann Miller sagt, die Stationierung fernab von Gatten und Kindern sei für die Soldaten keine besondere Belastung. "Von den Familien getrennt zu sein ist immer schwierig für die Soldaten. Aber der Präsident braucht uns mehr.2

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%