"Wir verdammen alle militärischen Aktivitäten gegen Zivilisten"
In Palästinensergebieten sollen Waffen ruhen

Die israelische Armee hat alle Militärangriffe gegen die Palästinenser eingestellt. Das teilte der Sprecher von Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser in Jerusalem mit. "Die "offensiven Operationen sind ausgesetzt, die Armee behält sich aber natürlich dass Recht vor, auf Angriffe zu reagieren", sagte Sprecher Jarden Vatikai.

afp/dpa JERUSALEM/GAZA. Dem israelischen Rundfunk zufolge ordnete Ministerpräsident Ariel Scharon die Einstellung der Angriffe als Reaktion auf den Aufruf von Palästinenserpräsident zur Waffenruhe an. Der israelische Außenminister Schimon Peres hatte zuvor den Aufruf begrüßt. "Wir hoffen, dass das so weitergeht", erklärte er in Jerusalem.

Zuvor hatte Palästinenserpräsident Jassir Arafat sein bisher deutlichstes Bekenntnis zur Durchsetzung einer Waffenruhe in den Palästinensergebieten abgelegt und den USA gleichzeitig Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus angeboten. Arafat sagte am Dienstag vor 35 ausländischen Diplomaten in Gaza, er habe allen Kommandeuren und Verantwortlichen der palästinensischen Sicherheitskräfte befohlen, die vor drei Monaten mit Israel vereinbarte Waffenruhe "an allen Grenzen, in jeder Stadt und in jedem Dorf" einzuhalten.

"Ich habe die Kommandeure sogar aufgefordert, auch dann nicht zu schießen, wenn sie von Israel angegriffen werden", erklärte der 72- Jährige später vor Journalisten. Eine entsprechende schriftliche Erklärung Arafats übermittelte die Autonomiebehörde den Staats- und Regierungschefs in aller Welt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer begrüßten die Erklärung Arafats als "ermutigenden Schritt" und "Botschaft des Friedens".

Arafat hatte bereits am Dienstag in einer Grußbotschaft an die Israelis die Durchsetzung der Waffenruhe angekündigt. Dennoch war es in der Nacht im Westjordanland und im Gazastreifen wieder zu mehreren bewaffneten Zwischenfällen gekommen, bei denen mindestens zwei Palästinenser von israelischen Soldaten getötet wurden. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat eine 48-stündige, vollständige Waffenruhe im Westjordanland und im Gazastreifen zur Vorbedingung für politische Gespräche mit Arafat gemacht.

"Palästinenser wollen Frieden mit den Israelis. Sie wollen keinen Krieg", erklärte Arafat unter anderem vor den Gesandten der EU und Russlands. Er habe die USA informiert, dass er sich am internationalen Kampf gegen den Terrorismus beteiligen und dafür "alle zur Verfügung stehenden Kapazitäten" bereitstellen wolle. Erneut bedauerte Arafat in der Erklärung die Terroranschläge in den USA. "Wir verdammen alle militärischen Aktivitäten gegen Zivilisten. Terroranschläge gegen Zivilisten behindern den Friedensprozess."

"Wir, Palästinenser und Israelis, müssen zusammenarbeiten, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen", heißt es in der Arafat- Erklärung, die offenbar mit Unterstützung von Bundesaußenminister Joschka Fischer zustande kam. "Lasst uns zusammenkommen, lasst uns hinsetzen und über den Frieden verhandeln. Lasst uns das Leben von Israelis und Palästinensern verbessern."

Trotz der eindeutigen Erklärungen Arafats wurden in der Nacht zum Dienstag bei neuen Zusammenstößen zwischen Israelis und Palästinensern im Westjordanland zwei Palästinenser getötet und mindestens fünf zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben des palästinensischen Rundfunks fanden Einwohner in der autonomen Stadt Hebron nach einer Schießerei zwischen beiden Seiten am Morgen in einem Auto die von Kugeln durchsiebte Leiche eines 30 Jahre alten Taxifahrers. In einem Dorf bei Nablus erschossen Soldaten einen 25-Jährigen und verletzten einen weiteren Mann schwer. Nach Armeeangaben wollten die Beiden eine Bombe legen.

Militante Palästinenser beschossen in der Nacht unter anderem die jüdische Siedlung Gedid und einen Posten der Armee bei Rafah im Süden des Gazastreifens. Die Armee zerstörte eine von der EU finanzierte Baustelle am neuen Hafen von Gaza. Die Israelis hätten das Gelände zunächst mit Raketen beschossen, die im vergangenen Jahr aufgestellten Container-Büros niedergerissen und die Flaggen der EU eingeholt, sagte Arafat in Gaza. Eine Armeesprecherin erwiderte, von den Gebäuden hätten Palästinenser in den vergangenen acht Monaten immer wieder auf eine jüdische Siedlung geschossen. In der Nacht zum Dienstag seien von dort Mörsergranaten abgefeuert worden. Arafat beschuldigte die Armee, am Montag das Auto des EU-Gesandten für Nahost, Miguel Moratinos, beschossen zu haben.

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