"Wir waren zu risikofreudig"
Gontard-Vorstand räumt Managementfehler ein

Der Vorstand der im Geschäftsjahr 2000/2001 tief in die Verlustzone gerutschten Gontard&Metallbank hat am Montag Fehler eingestanden und ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Umstrukturierung der Bank angekündigt.

Reuters FRANKFURT/M. Im Geschäftsjahr 2001/2002 solle wieder die Gewinnzone erreicht werden, sagte Vorstandschef Lothar Mark am Montag bei der Präsentation der Bilanz. Bereits am Freitagabend hatte die Bank einen Verlust nach Steuern von 50,3 Millionen Euro nach einem Überschuss von 26,7 Millionen Euro im Vorjahr bekannt gegeben. Grund seien hohe Verluste im Kreditgeschäft und beim Beteiligungsportfolio. Für Teile des Geschäftes gebe es Auflagen des Bundesamtes für das Kreditwesen (BaKred). Die Aktie der Bank markierte am Montag ein Allzeittief bei 1,50 Euro.

"Wir waren im Verhältnis zu unserer Größe zu risikofreudig", sagte Mark. Angesichts rapide fallender Märkte sei die Bank nicht mehr in der Lage gewesen, bereits erkannte Strukturdefizite rechtzeitig zu beseitigen. Mark schloss aber personelle Konsequenzen im Vorstand der Bank aus. "Eine Personaldikussion wäre jetzt unangemessen", sagte der Vorstandschef.

Vor Steuern lag der Verlust der Gontard&Metallbank im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 70 Millionen Euro. Die nach internationalem Bilanzierungsstandard IAS anzusetzenden aktiven latenten Steuern hätten den Verlust nach Steuern verringert, hieß es. Das Handelsergebnis brach auf minus 25,3 Millionen Euro von plus 44,5 Millionen Euro ein. Der Provisionsüberschuss verringerte sich um 46 Prozent auf 23,4 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss ging um zwölf Prozent auf 18,5 Millionen Euro zurück. Durch hohe Einzelwertberichtigungen in der Vermögensverwaltung seien der Bank zudem hohe Risikokosten entstanden.

Im Bereich Investmentbanking wird das Institut nach Aussagen Marks in nächster Zeit keine neuen Kreditengagements in nennenswertem Umfang eingehen. Das BAKred habe die Kreditvergabe der Bank eingeschränkt. Außerdem werde das Haus keine neuen vorbörslichen Beteiligungen übernehmen. Im Bereich Handel sollen ebenfalls Risiken reduziert werden. Der Handel werde auf das risikolose Kommissionsgeschäft konzentriert sowie auf Umplatzierungen von größeren Aktienpaketen und die Platzierung von Kapitalerhöhungen, hieß es.

Zudem will die Bank ihre Personalkosten um zehn Prozent senken. Dieses Ziel solle durch Fluktuation, Vorruhestand, Altersteilzeit oder das Auslaufen befristeter Verträge erreicht werden. Der Plan, eine Online-Investmentbanking-Plattform aufzubauen, sei verworfen worden.

Für das Geschäftsjahr 2001/2002 prognostiziert Mark ein operatives Ergebnis von 9,2 Millionen Euro. Nach Abzug von Zinsen in Höhe von 8,4 Millionen Euro, die die Bank für ihre Genuss-Scheine nachzahlen müsse, werde ein Gewinn vor Steuern von 0,8 Millionen Euro erwartet, sagte Mark weiter. Die ersten beiden Monate des neuen Geschäftsjahres seien "sehr positiv" verlaufen.

Zur Verbesserung der Eigenkapitaldecke will die Bank, wie bereits am Freitag angekündigt, eine Kapitalerhöhung um mindestens 15 Millionen Euro vornehmen. Diese solle bis zur Hauptversammlung der Bank Mitte Februar abgeschlossen sein. Es gebe positive Signale, dass der bisherige Großaktionär, die Gold AG-Zack die Kapitalerhöhung im Rahmen der Beteiligung mittragen werde.

Die Aktie der Gontard&Metallbank gab am Montag im Verlauf um 14,29 Prozent auf ein Allzeittief bei 1,50 Euro ab.

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