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"Wir werden wie AOL in Amerika"

Die Zukunft im Internet heißt Breitband. Das Digitale Fernsehen, das per Verfügung bis 2010 in Deutschland eingeführt wird, gilt bereits jetzt schon mehr oder weniger als Vehikel für kommende Investitionen. Das Objekt der Begierde ist die Settop-Box, die das Digitale Fernsehen erst ermöglicht und in der auch andere Features wie Digitale Videorekorder, schnelle Kabelmodems und Telefonie eingebunden werden können.

DÜSSELDORF. Welche neuen Inhalte bringt der schnelle Internet-Zugang den potenziellen Kunden? Wie sind die Contentanbieter für die zukünftigen Medien positioniert?

Vorangebracht wird die Verbreitung von Breitband-Internet durch den Netzausbau der Kabelunternehmen wie Callahan-Group, NTL Inc. und der UPC. Die Kabelnetze der Telekom werden jetzt mit Milliardenaufwand rückkanalfähig gemacht und bieten ab kommenden Jahr, so die Ankündigungen, einen High-Speed-Internetzugang, der bis zu 150 Mal schneller als eine ISDN-Verbindung sein wird.

Werner Lauff, Chef der Bertelsmann Broadband Group (BBG) malt - wie schon seit Jahren - große Visionen für die Internet-Fernseh-Zukunft. "Wir werden wie AOL in Amerika", erklärt er im Gespräch mit Handelsblatt.com. Die BBG arbeite mit insgesamt 200 Inhalteanbietern zusammen und verhandele auch mit den Mayors in Hollywood über Lizenzen. Eine Redaktion von 100 Mitarbeitern mit Sitz in Köln werde die Inhalte aufarbeiten, so Lauff.

"In Europa sind wir am besten aufgestellt"

"In Europa sind wir am besten aufgestellt", weiß der BBG-Chef. Lauff will in Zusammenarbeit mit den Kabelunternehmen ein Programm-Bouquet schnüren, "in dem sich jeder wieder finden wird". Spartenprogramme, die beispielsweise die Themen Golf, Computer oder Gesundheitsberatung behandeln, werden vorbereitet. Instant Messenger oder Buddy-Listen verbinden die Kunden auch während des Filmgenusses mit dem World Wide Web. "So entstehen ganz neue Communities", erklärt Lauff. Ein ganz großer Bereich werde auch das Geschäft mit dem E-Commerce werden.

BBG's direkter Konkurrent, der elektronische Ableger der Kirch-Group, die Kirch-Newmedia, glaubt nicht an eine schnelle Marktdurchdringung von Breitband. "Wir starten in der ISDN-Welt", sagt Christian Valtin, Pressechef bei Kirch-Newmedia. Mit neuesten Streaming-Technologien will Kirch-Newmedia ab dem ersten Quartal 2001 auf ihrem Entertainment-Portal 'Maxdome' kurze Filme von zwei bis fünf Minuten anbieten.

Monopole sollen vermieden werden

Für die Regulierung richtungsweisend sei das Urteil der US-Wettbewerbsbehörde FTC zur Fusion von Time Warner und AOL , erklärt Dr. Hans Hege von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Der Fusion wurde nur unter der Auflage zugestimmt, dass Time Warner sein riesiges Kabelfernsehnetz, das den High-Speed-Zugang zum Internet ermöglicht, auch den AOL-Konkurrenten öffnet. Ein Monopol sollte also vermieden werden. Die deutsche Regulierung wird bei den Endgeräten ansetzen. "Es kann nicht sein, dass die Kabelunternehmen vorschreiben, welche Settop-Box verwendet wird", so Hege. "Dann haben wir wieder die gleiche Situation wie damals, als die Post nur zugelassene Telefone erlaubt hat." Der Kunde müsse die Wahl zwischen verschiedenen Kabelanbietern auszuwählen. Gleichwohl ist Hege klar, dass die Milliarden-Investitionen der Kabelbetreiber auch einen Anreiz zum Geldverdienen bieten müssen. Aber für ihn und seine Behörde stehe der Verbraucherschutz ganz oben, erklärt der Regulierer.

Breitband wird also kommen, die Frage ist nur wann? Die Studie von VNU Business Publications kommt zu dem Ergebnis, dass bereits heute schon bei Internetnutzern der Fernsehkonsum um bis 20 % abgenommen hat - Tendenz steigend. Die Fernsehsender werden sich also neue Konzepte überlegen müssen. RTL zeigt wohin die Reise geht. Durch eine Verknüpfung der Fernsehinhalte mit den interaktiven Elementen des Internets hat sich der Kölner Sender den ersten Platz bei den Internetangeboten von Fernsehsendern gesichert.



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