"Wir wollen nach Hause": Flüchtlinge strömen trotz Warnung nach Goma

"Wir wollen nach Hause"
Flüchtlinge strömen trotz Warnung nach Goma

Auf ihren Rücken türmen sie so viel sie nur können: Babys, Hühner, Kisten, Matratzen und Plastiktonnen. Viele der bis zu 400 000 Kongolesen, die vor den Lavamassen des Nyiragongo geflohen sind, kehren trotz aller Warnungen ins verwüstete Goma zurück. Die einen kommen aus der ruandischen Grenzstadt Gisenyi zurück, um sich wieder in Goma einzurichten. Andere wollen nur nach ihren Häusern sehen und ihr Hab und Gut vor Plünderern in Sicherheit bringen.

dpa NAIROBI/GOMA. Voller Panik waren sie am Donnerstag aus Goma geflüchtet, bevor der Lavastrom des tobenden Nyiragongo die ostkongolesische Stadt in Schutt und Asche legte. In Gisenyi versuchen Helfer die ausgemergelten Menschen an den Straßenrändern nun händeringend davon zu überzeugen, in eines der Notlager auf der sicheren ruandischen Seite des Vulkans umzusiedeln. "Es ist viel leichter zu helfen, wenn die Leute nicht so verstreut sind", sagt eine Sprecherin des UN - Welternährungsprogramms (WFP), Laura Melo. "Doch die Menschen aus Goma haben nach dem Flüchtlingsstrom aus Ruanda von 1994 bis 1996 furchtbare Erinnerungen an Lager. Sie fürchten die Cholera und andere Übel."

"Wir wollen nach Hause", erklärt ein alter Mann Reportern, als er mit seinem Fahrrad an ihnen vorbeizieht. "Wir gehören nach Goma und nicht nach Ruanda. Hier können wir uns am besten helfen." Doch wenige Meter weiter gerät der Menschenstrom ins Stocken. Wo sich einst der Boulevard Mobutu als Hauptstraße mitten durch das Geschäftsviertel Gomas zog, legt sich ihnen ein drei Meter hoher und 300 Meter breiter Lavaarm in den Weg.

Die schwarze, heiße Masse, die die Stadt mit Schwefelgeruch überzieht, glüht nicht mehr. Darunter ist rund ein Drittel aller Gebäude der Stadt begraben. "Ich bin rübergelaufen. Es war heiß und dampfte aber ich hatte Schuhe. Meine Frau nicht", sagt Bertin Lukonge. Er hatte Glück, denn sein Haus war von dem speienden Vulkan verschont worden. Vollbepackt macht er sich zurück auf den Weg nach Gisenyi, wo der Rest auf der Familie schon wartet.

Vor einem Garagentor hockt ein Mann, der dort die dritte Nacht mit seinen acht Kindern verbracht hat. "Ich gehe nicht in diese Richtung", sagt Jaques Kaunga und deutet ins Landesinnere Ruandas. "Ich bin Kongolese und will nahe an Goma warten bis es vorbei ist." Wie er denken viele Kongolesen.

Sie misstrauen dem Nachbarland, das seit drei Jahren den Bürgerkrieg in ihrer Heimat nutzt, um sich daran zu bereichern. Ruanda gehört neben Uganda zu den Unterstützern der Kongo-Rebellen, die seit 1998 gegen die Regierung in Kinshasa kämpfen. Im Osten des Landes plündern die Ruandesen unter dem Schutz ihrer Soldaten Rohstoffe. Insbesondere mit dem Tantalum haltigen Erz Koltan verdienen sich die Nachbarn eine goldene Nase. "Für zahlreiche Kongolesen stellt die Inanspruchnahme von Hilfe auf ruandischem Boden ein echtes Problem dar", sagt ein UN-Sprecher.

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