Wirbel um Kinderschänder-Urteil
Obama verteidigt die Todesstrafe

Wirbel um ein Gerichtsurteil in den USA: Die US-Präsidentschafts-Bewerber Barack Obama und John McCain haben eine Entscheidung des Obersten Gerichts scharf kritisiert, die die Todesstrafe für die Vergewaltigung von Kindern verbietet.

HB WASHINGTON. Es wäre eine Sache gewesen, den Bundesstaaten strenge Auflagen zu erteilen, sagte der Demokrat Obama. "Aber es handelt sich im Prinzip um ein flächendeckendes Verbot, und damit bin ich nicht einverstanden." Die Vergewaltigung eines sechs oder acht Jahre alten Kindes sei ein derart abscheuliches Verbrechen, dass die Anwendung der Todesstrafe unter strengen Auflagen zumindest möglich sein müsse, sagte Obama.

In den USA entscheiden die einzelnen Bundesstaaten, ob sie Todesstrafe anwenden. Das Oberste Gericht hatte jedoch entschieden, dass die Hinrichtung von Kindes-Vergewaltigern gegen die Bundesverfassung verstößt.

Obama ist - wie die allermeisten US-Politiker - ein Verfechter der Todesstrafe, er wirbt aber für deren umsichtigen Einsatz. Als Abgeordneter im US-Staat Illinois war Obama daran beteiligt, die Gesetze zur Anwendung der Todesstrafe zu überarbeiten, um eine Verurteilung Unschuldiger noch besser ausschließen zu können.

In seinem 2006 erschienen Buch "Audacity of Hope" (Hoffnung wagen) schrieb Obama: "Obwohl mir alle Belege zeigen, dass die Todesstrafe nur wenig tut, um Verbrechen zu verhindern, glaube ich, dass es einige Verbrechen gibt - mehrfachen Mord, die Vergewaltigung und Tötung von Kindern -, die so schändlich sind, so völlig inakzeptabel, dass die Gesellschaft das Recht hat, ihre Empörung mit der Todesstrafe voll zum Ausdruck zu bringen."

Auch Obamas republikanischer Rivale John McCain sprach von einem Angriff auf die Fähigkeit der Justiz "diese abscheulichen Schwerverbrecher für ihre verabscheuungswürdigen Taten zu bestrafen".

In den USA wurde seit 44 Jahren niemand mehr für ein Verbrechen hingerichtet, bei dem das Opfer nicht zu Tode kam. 1977 verbot das Oberste Gericht Hinrichtungen für Vergewaltigungen, bei denen das Opfer eine erwachsene Frau war. In 45 US-Staaten ist die Todesstrafe als Urteil für Vergewaltigungen jeglicher Art verboten. Fünf Staaten erlauben Hinrichtungen für verurteilte Vergewaltiger von Kindern. Das Urteil ging auf einen Fall in Louisiana zurück, dort sitzen zwei Vergewaltiger von Kindern in der Todeszelle.

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