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Wirbel um langbeinige Models beim Tennis

Sie sind hübsch anzusehen, aber dies ist auch der Grund für die Aufregung. Beim Madrider Masters-Turnier sorgen die Ballmädchen mit ihren langen Beinen für mehr Wirbel als die Tenniscracks um Andre Agassi mit ihren Lobs und Volleys.

dpa MADRID. Sie sind hübsch anzusehen, aber dies ist auch der Grund für die Aufregung. Beim Madrider Masters-Turnier sorgen die Ballmädchen mit ihren langen Beinen für mehr Wirbel als die Tenniscracks um Andre Agassi mit ihren Lobs und Volleys.

Als besonderen Werbegag haben die Veranstalter Models engagiert, die einmal am Tag beim "Topspiel des Tages" die Bälle aufsammeln. Der Einsatz der Laufstegschönheiten auf dem Tenniscourt löste jedoch eine stürmische Debatte aus.

Das spanische Arbeitsministerium sah darin eine Form des Sexismus und forderte den sofortigen Abzug der Models. "Die Frauen werden als bloße Objekte der Dekoration missbraucht", beschwerte sich die Beauftragte für Gleichberechtigung, Soledad Murillo. Die Sozialisten (Psoe) unterstützten den Vorstoß; die Vereinte Linke (IU) befürchtet Schaden für Madrids Olympia-Kandidatur für 2012. Die Verbraucherorganisation Facua kündigte eine Klage gegen die Modefirma Hugo Boss an, die die Models verpflichtet hatte.

Die Veranstalter verstehen die Aufregung nicht. "Dann müsste man auch die Cheerleader beim Basketball abschaffen und bei der Formel 1 die Mädchen abziehen, die an den Boxen posieren", meint Turnier- Direktor Manolo Santana - ein Ex-Profi, der seine Tenniskarriere als Balljunge begonnen hatte.

Die Models wirken beim Laufen ein wenig stelzig. Man merkt ihnen an, dass ihnen im Umgang mit den Tennisbällen die Übung fehlt. Sie hatten vorher in einem Kursus die Grundregeln des Tennis erlernen müssen, damit sie nicht im falschen Moment auf das Spielfeld laufen.

"Wer achtet bei den Models überhaupt noch auf das Tennis?" fragt die britische Zeitung "Daily Mail". Dabei sind die Ballmädchen mit ihren ärmellosen schwarzen Hemden und den weißen, knielangen Röcken dezenter gekleidet als so manche Profi-Spielerin. Die Tenniscracks selbst haben keine Einwände gegen die Schönheiten am Spielfeldrand. "Die Mädels sehen doch hübsch aus", befand der Brite Tim Henman. Thomas Haas ergänzte: "Sport ist Entertainment. Tennis braucht so etwas."

Nur Andre Agassi ist etwas skeptisch. "Ich weiß nicht, ob so etwas zu unserem Produkt gehört", meinte der Amerikaner. "Es ist schwer, sich auf den Ball zu konzentrieren. Aber ich denke, dass ich da einen Vorteil habe, denn ich bin es gewohnt, mit meiner Frau zu spielen." Dem Ehemann von Steffi Graf fällt auch ein Verbesserungsvorschlag ein: "Die Röcke der Models sollten etwas kürzer sein. So kann man schlecht damit laufen."

Die Models selbst können die Kritik an ihrem Tennis-Einsatz nicht nachvollziehen. "Wer von Sexismus spricht, sollte mal zu einer Modenschau gehen", sagt die 23-jährige Marta Romero. "Wir tun hier unsere Arbeit, und es macht uns obendrein Spaß." Nur die Schüler und Schülerinnen einer Tennisschule, die sonst für die Stars die Bälle holen, sind sauer: "Die Models nehmen uns die besten Spiele weg", beschwert sich der 16-jährige Ivan. "Obendrein bekommen sie Geld für etwas, was wir gratis tun."

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