Wirbel um Veron
Argentinien unter Schock

Das Fußball-Volk geschockt, der Trainer sprachlos, die Kultfigur als Glücksbringer auf dem Weg nach Japan: Beim selbst ernannten Top-Favoriten Argentinien ist nach der Pleite gegen den Erzrivalen England die heile Welt aus den Fugen geraten.

dpa NARAHA/JAPAN. "Kein Argentinier kann sich zur Zeit wohlfühlen. Mit diesem Ergebnis sind große Erwartungen zusammengebrochen", gab Verbandschef und Fifa-Vizepräsident Julio Grondona zwei Tage nach der 0:1-Schmach im Sapporo Dome die unverändert depressive Stimmung bei den "Gauchos" wieder. Und auch der in die Jahre gekommene Stürmerstar Gabriel Batistuta (33) machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Der Schmerz ist noch immer da."

Selbst Staatspräsident Eduardo Duhalde sprach in Buenos Aires nach der ersten Niederlage Argentiniens seit knapp zwei Jahren von einem bestürzenden Resultat. Zugleich forderte er die verärgerte Bevölkerung aber auf, sich mit Kritik an der Mannschaft zurückzuhalten und stattdessen kollektiv die Daumen für das entscheidende Gruppenspiel am Mittwoch gegen Schweden zu drücken. Dann wird wohl auch Diego Maradona (41) als Edel-Fan und Maskottchen auf der Tribüne des Sendai Stadiums sitzen und auf den nötigen Sieg hoffen. Nachdem er trotz seiner Drogenvergangenheit per Sondergenehmigung ein Einreisevisum erhalten hat, will der übergewichtige frühere Weltstar am Montag nach Japan kommen.

"Leider kann er nicht mitspielen, aber er wird uns moralisch unterstützen", sagte Batistuta im abgelegenen Trainingscamp "J-Village" unweit der Pazifikküste. "Es ist ungemein wichtig, dass er zu unserer Gruppe stößt", ergänzte am Sonntag Ariel Ortega, der die legendäre Nummer zehn von Maradona erbte.

Derweil verpasste sich Coach Marcelo Bielsa einen Maulkorb und ließ stattdessen Taten sprechen. Mittelfeld-Ass Juan Sebastian Veron, der nach der strapaziösen Saison mit Manchester United ausgelaugt und überspielt wirkte, musste am Sonntagabend mit den Reservisten trainieren und wird sich wohl auch gegen Schweden auf der Bank wiederfinden. Denn mit seinen öffentlich geäußerten Wechselabsichten nach Italien oder Spanien sorgte der formschwache Glatzkopf für Wirbel im Team, den Bielsa absolut nicht gebrauchen kann.

Der 46 Jahre alte Coach blickt in Ernst-Happel-Manier noch mürrischer denn je drein. Kein Wunder, denn das in 19 Spielen ohne Niederlage aufgebaute Selbstvertrauen der Südamerikaner ist wie ein Kartenhäuschen zusammengebrochen. Stattdessen ist bei Mannschaft und Kritikern die Diskussion um die Fitness der Leistungsträger und um das richtige Spielsystem voll entbrannt.

Immerhin meldeten sich am Sonntag erstmals der komplette Kader fit. Abwehrchef Roberto Ayala wird wohl den Leverkusener Diego Placente verdrängen. Auch Altstar Claudio Caniggia (35) brennt nach auskurierter Knieverletzung auf einen Einsatz. Bei dem einstigen Kokain-Sünder grassiert ebenso wie bei einigen Mitspielern im Herbst der Fußball-Karriere die Angst vor einem jähen Ende der internationalen Laufbahn. "Meine Karriere darf nicht so traurig enden. Ich träume von einem triumphalen Abschied", gestand Batistuta.

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