Wird der Neue Markt zu eng?
Zunehmendes Desinteresse am Neuen Markt

vwd FRANKFURT. Mehr als 130 Unternehmen starteten 2000 in den Handel am Neuen Markt. Insgesamt sind 336 Unternehmen an dem noch jungen Börsensegment gelistet. In den vergangenen Wochen sagten viele Börsenkandidaten ihr IPO zum Teil sehr kurzfristig ab. Nicht nur das schwierige Marktumfeld ließ die Anleger zögern. "Keiner will die Aktien des 120. Internet-Anbieters haben, da ist keine Fantasie mehr drin", kommentiert ein Händler das zunehmende Desinteresse. Wird der neue Markt zu eng für die vielen IT- und Biotech-Unternehmen?

"Es gibt schon einige Unternehmen, die nicht mehr am Neuen Markt notiert sein wollen", erklärt Markus Straub, stellvertretender Vorsitzender der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK). Der Neue Markt sei eben kein Qualitätskriterium. Dennoch glaubt Straub nicht, dass der Neue Markt überfüllt ist. Ein Blick in die USA zeigt, dass die Grenze weit höher liegt. An der US-Technologiebörse Nasdaq sind mit über 4 000 Notierungen weit mehr Unternehmen gelistet. Generell sei die Aktienkultur in Deutschland ja erst noch am Anfang ihrer Entwicklung, betont Straub.

Der SdK-Vorstand räumt jedoch ein, dass der Neue Markt zunehmend unübersichtlicher wird und es immer schwieriger ist, dass Interesse der Anleger zu wecken. Mit Blick auf den jüngsten Skandal um EM.TV erklärt Straub, dass am Neuen Markt nicht alles "Lug und Betrug" ist. Es seien dort gute und solide Unternehmen notiert, die derzeit ganz klar unterbewertet seien. Der gut informierte Anleger habe also nach wie vor Chancen auf Kursgewinne.

Informierte Investoren bleiben

Dieser Meinung ist auch Chef-Analyst Heiko Bienek von Independent Research. "Die informierten Investoren werden dabei bleiben." Sich zu informieren, wird für Anleger jedoch immer schwieriger. Der Neue Markt sei zwar weiterhin aufnahmefähig, aber die Zahl der Analysten sei begrenzt, gibt Bienek zu bedenken. Für einen großen Teil der notierten Unternehmen gebe es nach dem IPO kein Folgeresearch mehr, da Banken und Researchhäuser am Rand ihrer Kapazitätsgrenzen arbeiteten. Diese fehlende Transparenz birgt Risiken. Es könne sein, das Werte nur noch - wenn überhaupt - von ihren Hausbanken analysiert werden und das Feld den Börsenbriefen und Chatrooms überlassen werden muss.

Eine Sättigung des Neuen Marktes kann auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) nicht entdecken. "Es wird vielleicht nicht mehr ganz so viele Neuemissionen geben, aber die Stimmung wird sich nach Durchschreiten der Talsohle wieder heben", ist sich Burkhard Pahnke vom DAI sicher. Die Aktienkultur und die Aktienakzeptanz habe in Deutschland auf keinen Fall nachgelassen. Dazu beigetragen habe nicht zuletzt der Börsengang der Deutschen Post. Immerhin 9,8 % der Bevölkerung seien Direktaktionäre, rechne man die Fondsanteile hinzu, seien 17,7 % der Deutschen im Besitz von Aktien. Diese Zahlen müssen auch nicht nach unten korrigiert werden, sondern eher nach oben, betont Pahnke.



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