Wirksame Therapie steht noch aus
Autos und der Verkehrsinfarkt

Einst als Vehikel der Individualität gepriesen, dann zur Notwendigkeit geworden, steht es mittlerweile oft am Pranger von Umweltschützern und Lärmgeplagten: Der private Pkw hat so manchen Verkehrsinfarkt ausgelöst.

dc DÜSSELDORF. Autos sind seit 1960 ohne Frage komfortabler, sparsamer und sauberer geworden. Leider wurden es auch drastisch mehr. Die Zahl wuchs weit schneller als der Verkehrsraum, sei es in Form von Autobahnen oder von Parkmöglichkeiten in der Stadt. Vor 40 Jahren hatte ein Zehntel der Bundesbürger ein Auto, heute über die Hälfte. Die Motorisierung führte in einen verkehrsplanerischen Teufelskreis: Siedlungsflächen konnten sich über die Stadtränder hinaus ausdehen, ohne dass ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nötig war.

Doch wurde das Auto für umso mehr Menschen zur puren Notwendigkeit, je weiter Arbeits- und Wohnort auseinanderrückten. Ob aus Mangel an Arbeitsplätzen, was die Lage in Ostdeutschland prägt, oder aus Mangel an Wohnraum, wie etwa in München: Die Pendlerströme schwellen an. Eine auf Masse ausgerichtete Wohnungspolitik hat das Entstehen uniformer Wohngebiete mit wenig Freizeitwert begünstigt - und auch damit den Drang nach individueller Mobilität.

Das Leitbild der autogerechten Stadt mag mittlerweile Vergangenheit sein, eine wirksame Therapie gegen den Verkehrsinfarkt steht aber noch aus. Auf bundesweit 230 000 Kilometern Straßen hat sich die Fahrleistung seit 1990 um zehn Prozent auf 640 Mrd. Kilometer pro Jahr erhöht. Im Fernverkehr hält die Bahn mit prestigeträchtigen ICE-Angeboten dagegen. In München und im Ruhrgebiet soll dereinst der umstrittene, kostspielige Transrapid als Vorortzug Abhilfe schaffen. Im täglichen Nahverkehr steht aber kommunale Finanznot dem Ausbau der Angebote im Weg.

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