Wirkstoff regt die Bildung von Antikörpern gegen Infektionen an
Impfstoff schützt im Krankenhaus vor Bakterien

Krankenhausinfektionen sind auch in deutschen Kliniken ein ernsthaftes Problem. Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind hier am stärksten gefährdet. Verursacht werden die Infektionen durch Bakterien, die resistent gegen verschiedene Antibiotika sind. Ein neuer Wirkstoff könnte vor einer Ansteckung schützen.

HB KÖLN. Eine Impfung soll künftig verhindern, dass Patienten in Krankenhäusern an lebensgefährlichen Infektionen erkranken, die durch Bakterien verursacht werden. Amerikanische Wissenschaftler haben einen Wirkstoff entwickelt, mit dessen Hilfe Menschen Antikörper gegen Staphylokokken bilden, die Wundinfektionen, Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen auslösen können.

Neben Instituten wie dem Kaiser Permanente Vaccine Study Center im kalifornischen Oakland hat sich die Biotech-Firma Nabi aus Boca Raton, Florida, an klinischen Studien mit Dialysepatienten beteiligt, bei denen sich die Impfung bewährt hat. Die Wissenschaftler erwarten, dass sie das Mittel in rund zwei Jahren auf den Markt bringen können. Bei den Tests in den USA wurden 892 Dialyse-Patienten gegen die Staphylokokken geimpft - elf von ihnen erkrankten trotzdem an einer Infektion. Bei der Kontrollgruppe waren es allerdings 26 von 906 Patienten, also mehr als doppelt so viele.

Antibiotika oft unwirksam

Staphylokokken sind Bakterien, die etwa jeder dritte Menschen am Körper trägt und die normalerweise nicht gefährlich sind. Sie finden sich vor allem im Nasenvorhof und Rachen, in den Achselhöhlen oder der Stirn-Haar-Grenze. Von einer Infektion bedroht sind Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Hautverletzungen. Derzeit werden Erkrankungen häufig mit Antibiotika behandelt - allerdings wächst die Zahl der resistenten Erreger. "Die Behandlungsmöglichkeiten sind deshalb eingeschränkt", sagt Wolfgang Witte, auf das Fachgebiet Krankenhausinfektionen spezialisierter Professor am Robert-Koch-Institut (RKI) in Wernigerode.

Der starke Einsatz von Antibiotika in den Krankenhäusern - beispielsweise vorbeugend vor Operationen - begünstigt natürlich die Entstehung resistenter Keime. Die Erreger werden in Kliniken am häufigsten auf Intensivstationen, in der Chirurgie und der Inneren Medizin gefunden. Die Bakterien seien außerdem recht unempfindlich gegen Desinfektionsmittel und Austrocknung, heißt es in einer Information des Robert-Koch-Instituts.

Die Forschungsergebnisse aus den USA beurteilt Witte mit "vorsichtigem Optimismus". Er warnt allerdings vor zu großen Erwartungen: "Es wird bereits seit über 50 Jahren versucht, einen solchen Impfstoff zu entwickeln", sagt Witte. Gelungen sei es bislang noch nie. Deshalb müsse man nun weitere klinische Studien abwarten.

Forscher wollen Methode weiter optimieren

Im Zeitraum von drei und 40 Wochen nach einer Impfung sinke die Häufigkeit einer Infektion mit Staphylokokken um knapp 60 %, schreiben die US-Forscher in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine". Dialyse-Patienten seien jedoch meist viel länger in Behandlung, sagt Witte. Deshalb sieht er eine Impfung zunächst vor allem bei Gelenk-, Brust- oder Herzoperationen als "Alternative zur Antibiotikaprophylaxe". Allerdings müsse sich erst noch in klinischen Studien zeigen, ob bei diesen Eingriffen eine Impfung überhaupt wirksam ist, so Witte.

Die Staphylokokken haben sich bei früheren Forschungsprojekten als tückisch erwiesen. "Sie können sich wie Chamäleons verändern", sagt Professor Gerd Döring, Chemiker am Hygiene-Institut der Universitätsklinik Tübingen, der vor drei Jahren gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität in Harvard die Bakterien bei Patienten mit der vererbbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose untersuchte. Sie leiden häufig an einer durch Staphylokokken verursachten Lungeninfektion. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Erreger ihre Hülle veränderten - und das erschwert es dem Immunsystem, sie zu bekämpfen. "Ein Impfstoff muss also so beschaffen sein, dass er die im Patienten gebildete Hülle enthält", sagt Döring. "Sonst werden Antikörper gebildet, die ins Leere laufen."

Die US-amerikanischen Forscher arbeiten derweil daran, den Impfschutz zu verbessern. Bisher wird ihr Mittel aus zwei Bestandteilen der Hülle des Bakteriums hergestellt. Nun wollen die Wissenschaftler eine dritte Komponente hinzufügen. Die Impfung soll damit gegen nahezu alle Varianten der Staphylokokkus-Bakterien wirken. Parallel arbeiten die Forscher laut John Robbins vom beteiligten National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) an einer Methode zur Auffrischung des Schutzes, mit dem etwa Dialyse-Patienten langfristig behandelt werden können.

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