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Wirrwarr um Bundeswehr-Kritik in Afghanistan

Zu angeblichen Versäumnissen der Bundeswehr bei den jüngsten Unruhen im afghanischen Feisabad gab es am Montag unterschiedliche Darstellungen.

dpa BERLIN. Zu angeblichen Versäumnissen der Bundeswehr bei den jüngsten Unruhen im afghanischen Feisabad gab es am Montag unterschiedliche Darstellungen.

Der Vertreter der Schweizer Hilfsorganisation Medair, Mark Campbell, sagte der "Berliner Zeitung" in Kabul, die Soldaten des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) hätten Mitarbeiter seiner Gruppe "nicht aus dem Mob herausgeholt". In einer am Abend ausgestrahlten "Heute"-Sendung, sagte der gleiche Campbell, die Bundeswehr habe zu keinem Zeitpunkt Hilfe verweigert.

Auch das Verteidigungsministerium hatte die erste Darstellung zurückgewiesen. Ein unmittelbar nach Bekanntwerden der Unruhen in Marsch gesetzter Erkundungstrupp habe vor Ort ein Eingreifen nicht für erforderlich gehalten, da die Ausschreitungen bereits am Abklingen gewesen seien.

Zudem seien afghanische Sicherheitskräfte im Einsatz gewesen, die die Situation geregelt hätten. Die deutschen Soldaten kamen den Angaben zufolge nicht unmittelbar mit den Demonstranten in Kontakt. Weder die Hilfsorganisationen noch die afghanische Polizei habe ein Hilfsersuchen an die deutschen Soldaten gerichtet, sagte der Sprecher, der aber auch betonte, dass sich die deutschen Truppen grundsätzlich aus solchen Situationen heraushielten.

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" zog sich die deutsche Patrouille auf den Stützpunkt zurück, statt einzugreifen. 25 afghanische Polizisten seien mit dem Mob zurückgeblieben. Die Soldaten hätten ihren eigenen Krankenwagen mitgenommen, berichtet das Blatt, ohne Quellen zu nennen. Campbell sagte dem Blatt, die deutschen Soldaten hätten aber "exzellente medizinische Behandlung" geleistet, als die Verletzten zum PRT-Stützpunkt gebracht worden seien.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Christian Schmidt, kritisierte die Haltung der Bundeswehr. "Wenn der Schutz von Hilfsorganisation nicht Aufgabe der Prts ist, was ist dann ihre Aufgabe? Im übrigen stelle man sich mal vor, das wäre deutschen Hilfsorganisationen passiert. Das PRT-Konzept hängt in der Luft. Ich erwarte da mehr Realismus", sagte Schmidt dem "Kölner Stadt- Anzeiger".

Das deutsche PRT in Kundus hatte nach den Unruhen mitgeteilt, Verletzte würden von der Bundeswehr in Feisabad medizinisch versorgt, deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden. Der Bundeswehr-Einsatz in Feisabad hat am 1. September begonnen. Derzeit sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums rund 90 Soldaten vor Ort. Eine der Aufgaben der PRT ist der Schutz ziviler Helfer. In Feisabad steht nach Angaben des Ministeriums "in einem ersten Schritt" die Absicherung der ersten freien Präsidentenwahl am 9. Oktober im Vordergrund.

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