Wirtschaft besser als die Kursentwicklung
Friedman: „Wirtschaftslage besser als Aktienmärkte“

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman sieht Kursübertreibungen in der Unerfahrenheit neuer Anleger begründet, die die Börse für eine Einbahnstraße halten.

vwd FRANKFURT. Das derzeitige Kurstief an den Aktienmärkten wird keine tiefgreifenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben. Das sagt der Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman in einem Exklusivinterview mit dem Anlegermagazin "Die Telebörse" (Donnerstagsausgabe). Die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise wie nach dem Schwarzen Freitag 1929 sieht Friedman nicht. "Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Grund gibt, eine größere Wirtschaftskrise zu erwarten." Friedman zeigt sich in dem Interview trotz der seit einem Jahr fallenden Aktienmärkte gelassen. "Die Wirtschaftslage ist besser als der Aktienmarkt", lautet sein Urteil.

Zweifellos sei die Wirtschaft insgesamt nicht so schlecht dran, wie die Kursentwicklung zum Beisiel an der Nasdaq glauben mache. Friedman, der auch für seine fundierten Analysen der großen Weltwirtschaftskrise in den 20er-Jahren ausgezeichnet wurde, schließt für die derzeitige Lage eine mögliche parallele Entwicklung zu den Ereignissen im Jahr 1929 aus. Die US-Notenbank Fed garantiere derzeit, dass sich die geldpolitischen Fehler von damals heute nicht wiederholten: "Die Fed wird dafür sorgen, dass die Geldmenge vernünftig steigt".

"Aktien gehören in die Pensionsplanung"

Milton Friedman warnt allerdings vor einer allzu energischen Geldmengenpolitik im Stil der vergangenen zwei bis drei Monate: "Wenn diese Wachstumsrate anhält, bekommen wir eine höhere Inflationsrate - vier oder fünf Prozent." Die angekündigte Politik der Geldmengensteigerung in Japan hält der Nobelpreisträger für einen wichtigen Ansatz, das größte Problem der asiatischen Supermacht zu lösen: "Japan befindet sich in einer schleichenden Stag-Deflation, einer Wachstumspause mit sinkenden Inflationsraten." Wenn die Japanische Notenbank die neue Geldpolitik verfolge und wenn die politischen Probleme gelöst seien, könne es sein, dass Japan sich als Stimulus für den Rest der Welt entpuppe.

Trotz kurzfristiger Übertreibungen an den Kapitalmärkten kommt der Nobelpreisträger zu dem Schluss: "Aktien gehören in jede vernünftige Pensionsplanung." Die Kursübertreibungen sieht er auch in der Unerfahrenheit neuer Anleger begründet, die die Börse für eine Einbahnstraße halten. "Dieser Irrtum ist eine alte Sache, die immer und immer wieder passiert."

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