Wirtschaft beurteilt Leistung des Kanzlerkandidaten etwas kritischer
Stoiber bleibt für Top-Manager erste Wahl

Die Kommunalwahl im eigenen Land hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber nicht gerade einen glänzenden Erfolg beschert. Doch die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft stehen hinter dem CSU-Vorsitzenden. Ihnen wäre er als Kanzler lieber als Gerhard Schröder.

DÜSSELDORF. Die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft würden nach der Bundestagswahl im September eindeutig lieber den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als nächsten Bundeskanzler sehen. Fast drei Viertel der Top-Manager (73 %) wünschen sich Stoiber als künftigen Regierungschef, 15 Prozent bevorzugen den amtierenden Kanzler Gerhard Schröder. Dies ergab der Handelsblatt Business-Monitor im März. Ein Zehntel der Befragten empfindet für keinen der beiden Kandidaten Sympathie.

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Besonders stark fallen bei dem Für und Wider für den nächsten Bundeskanzler regionale Unterschiede und das Alter der Top-Manager ins Gewicht: Je älter die Führungskräfte, um so größer ist der Vorsprung von Stoiber (von 47 Punkten bei den unter 40-Jährigen bis zu 64 Punkten bei den Befragten ab 60 Jahren). Im Norden und Osten der Republik kommt Stoiber nicht ganz so gut an (66 %) wie in der Mitte und im Süden (75 % bzw. 76 %). Am deutlichsten liegt der CSU-Vorsitzende bei der Wirtschaftselite aus Großunternehmen vorne (81 % zu 7 %).

Aktuell muss Bundeskanzler Schröder derzeit bei den Chefetagen weitere Image-Einbußen hinnehmen. Eine so ungünstige Bewertung wie derzeit (Durchschnittsnote 3,6 auf einer Skala von 1=sehr gut bis 5=sehr schlecht nach 3,5 im Vormonat) verzeichnete der Regierungschef im Rahmen des Business-Monitors zuletzt im Herbst 1999, also zu einer Zeit, als die Wirtschaft noch die großen Anfangsschwierigkeiten der rot-grünen Koalition zu beurteilen hatte. Der nun seit Oktober 2001 kontinuierliche Imageverlust (Note damals: 2,6) ist gravierend: Der Anteil der Top-Manager, die Schröders Wirken (sehr) kritisch beurteilen, ist in diesem Zeitraum von 12 auf 57 Prozent angestiegen.

Auch das Ansehen der Bundesregierung insgesamt befindet sich bei den Entscheidern der Wirtschaft weiter auf Talfahrt. Inzwischen beurteilen gut zwei Drittel (69 %; +6 gegenüber dem Vormonat) die Arbeit des rot-grünen Kabinetts als schlecht bzw. sehr schlecht. Die Unzufriedenheit der Top-Manager ist seit Oktober/November bzw. März 1999 nicht mehr so groß gewesen. Erklärungen könnten die negative Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland sein, ebenso aber auch die Bemühungen Berlins, den drohenden "Blauen Brief" aus Brüssel wegen des zu hohen Haushaltdefizits zu verhindern.

Gegenüber Stoiber hat Schröder in der Leistungsbewertung allerdings nicht weiter an Boden verloren. Denn der CSU-Vorsitzende hat seine gute Note (2,4), die er kurz nach seiner Nominierung von den Top-Managern erhielt, Anfang März nicht stabilisieren können (jetzt: 2,7). Hatten einen Monat zuvor ihm noch 57 Prozent eine (sehr) gute Arbeit bescheinigt, so sind es derzeit nur mehr 42 Prozent; mit (sehr) schlecht urteilen andererseits lediglich 11 Prozent (+6 Punkte); insgesamt also weiter ein sehr großer Vorsprung vor dem amtierenden Kanzler. Doch die kritischen Stimmen nehmen ganz offenbar schon jetzt - also zu einem relativ frühen Stadium der Kanzlerkandidatur - zu.

Auch die CDU/CSU-Opposition insgesamt hat ihren Image-Aufwärtstrend Anfang März nicht fortsetzen können. Marginale Verschiebungen bei den Einzelbewertungen lassen die Durchschnittsnote leicht von 3,2 im Vormonat auf nun 3,3 absinken. Gleiches gilt für die CDU-Vorsitzende Angela Merkel (von 3,0 auf 3,1), während sich der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Friedrich Merz, der zuletzt klarere Linien in der Politik der Opposition vorgab, ein weiteres Mal leicht verbessern konnte (von 3,4 auf 3,3). Dass die CDU/CSU nicht noch besser beurteilt wurde, kann an ihrem Widerstand gegen das Zuwanderungsgesetz der rot-grünen Bundesregierung liegen. Bekanntlich plädiert eine große Mehrheit der Wirtschaftsführer für die Verabschiedung einer Zuwanderungsregelung für Deutschland und für das Heraushalten aus dem Bundestagswahlkampf.

Dies bestätigt sich auch bei der direkten Frage danach, welche Themen von den Parteien bevorzugt in den Mittelpunkt der Wahlkampagnen gestellt werden sollten. Hier setzen die Top-Manager klare Prioritäten: Nach ihrer Ansicht sollte das Hauptgewicht im Wahlkampf auf den Themen Wirtschaftswachstum (87 %), Arbeitsmarkt (85 %) und Steuerpolitik (80 %) liegen. Mit Abstand folgen dann das Thema Bildung (61 %) und Haushaltspolitik (57 %). Fragen der inneren Sicherheit werden nur von 35 Prozent als vordringlich erachtet, und nach Meinung von lediglich 28 Prozent sollte der Problemkreis der Zuwanderungsregelung eine wichtige Rolle in den Wahlkampfauseinandersetzungen der Parteien spielen.

Weiter günstig entwickelt hat sich das Image der FDP-Opposition. Erstmals seit Beginn der Befragungen zum Business-Monitor erhalten die Liberalen für ihre Arbeit von den Führungskräften eine Note über dem Skalendurchschnitt. Seit März 2001 (3,3) hat die FDP in kleinen Schritten ihre Bewertungen bis auf den aktuellen Wert von 2,9 verbessert.

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