Wirtschaft im Euroraum stagniert
EZB senkt Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte

Mit einer deutlichen Leitzinssenkung will die Europäische Zentralbank (EZB) der Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Am Donnerstag nahm die EZB den entscheidenden Leitzins für die Eurozone von 2,5 auf 2,0 Prozent zurück. Die EU- Kommission rechnet auch im zweiten und dritten Quartal des laufenden Jahres nur mit minimalen Wachstumsraten von höchstens 0,4 Prozent im Euroraum.

dpa FRANKFURT/LUXEMBURG. Am deutschen Arbeitsmarkt bleibt die Lage trotz einer unerwarteten Belebung im Mai dramatisch. In der größten Volkswirtschaft des Eurolandes stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 396 000 auf 4 342 400 und damit auf den höchsten Mai-Stand seit der Einheit.

Mit ihrer Entscheidung haben die europäischen Währungshüter die Erwartungen der internationalen Finanzwelt und der Politik erfüllt. Bundesregierung und Volkswirte lobten die Zinssenkung daher unmittelbar nach der Bekanntgabe. "Das ist eine Maßnahme, die dazu beitragen wird, die positiven Zeichen der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland zu fördern", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Die EZB sieht trotz der aktuell labilen Konjunktur keine Deflationsgefahr in Euroland. "Es gibt keine Prognose, die das Risiko einer Deflation im Euroraum sieht", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg in Frankfurt. Im gemeinsamen Währungsgebiet werde sich die Inflationsrate mittelfristig auf knapp unter 2 Prozent einpendeln. Insbesondere in der Bundesrepublik war in den vergangenen Wochen die Sorge aufgekommen, es könne zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen auf breiter Front und schrumpfender Nachfrage kommen, einer so genannten Deflation.

Im Euroraum wird die Wirtschaft nach Einschätzung der EU- Kommission im zweiten und dritten Quartal im schlechtesten Fall - wie schon zu Jahresbeginn - stagnieren. Mit 0,0 Prozent nach noch 0,1 Prozent in den drei Monaten zuvor gab es von Januar bis Ende März ein von Quartal zu Quartal "Nullwachstum", ergänzte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg. Sie bestätigte damit ihre erste Vorabschätzung für die Eurozone von Mitte Mai.

In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft im 1. Quartal um 0,2 Prozent. Deutschland steht damit am Rande einer Rezession. Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht wachsen. Die Kieler Forscher reduzierten ihre Vorhersage von 0,4 auf 0,0 Prozent und sehen Deutschland bereits in einer Rezession. "Die Erwartung, dass sich die Konjunktur nach dem Ende des Irak-Krieges rasch beleben würde, hat sich nicht erfüllt", heißt es in der Konjunkturprognose des Instituts. Die Kieler Prognose ist die bislang pessimistischste aller deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.

Die Arbeitslosenzahl sank im Vergleich zum April um 152 800 und damit deutlicher als von Experten erwartet. Die Arbeitslosenquote verringerte sich von 10,8 auf 10,4 Prozent. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl erstmals seit Anfang 2002 zurück. "Das ist noch nicht die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, in Nürnberg. Ähnlich äußerte sich Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD). Angesichts des Rückgangs

der Erwerbslosenzahl um 152 00 im Vergleich zum April sprach er aber von einem "Silberstreif am Horizont".

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