Wirtschaft sammelte erst 3,4 Mrd. DM von zugesagten 5 Mrd. DM
Zwangsarbeiter-Stiftung begrüßt Rau-Apell

dpa/ddp BERLIN. Die Zwangsarbeiter-Stiftung hat den eindringlichen Appell von Bundespräsident Johannes Rau an die mittelständische Wirtschaft begrüßt, sich an der Entschädigung zu beteiligen. "Ich glaube, dass diese gute Aktion des Bundespräsidenten nochmal eine Wirkung erzielen wird", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", Michael Jansen, am Freitag im Deutschland Radio Berlin.

Rau hatte persönliche Schreiben an 1 000 Unternehmen geschickt

Rau hatte am Mittwoch in einem persönlichen Schreiben etwa 1 000 mittelständische Unternehmen aufgefordert, sich der Stiftungsinitiative der Wirtschaft anzuschließen und an das Ansehen Deutschlands in der Welt erinnert. Die Wirtschaft hat nach eigenen Angaben bisher erst gut 3,4 Mrd. der zugesagten 5 Mrd. DM beisammen. Weitere f5 Mrd. DM für die Entschädigung bringt der Staat auf.

Jansen hält es für möglich, dass Mitte Februar mit den Entschädigungszahlungen begonnen werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass die in den USA noch anhängigen Sammelklagen der die deutschen Banken abgewiesen werden und der Bundestag die Rechtssicherheit festgestellt hat. Auch wenn noch nicht das gesamte Geld einbezahlt ist, könne mit der Auszahlung sofort begonnen werden, sagte Jansen.

Zahlungen haben mehr als symbolischen Charakter

Jansen betonte, dass die relativ geringen Entschädigungszahlungen zwischen 5 000 und 15 000 DM in Mittel- und Osteuropa wesentlich mehr als nur einen symbolischen Charakter haben: "Die Durchschnittsrenten in der Ukraine liegen zwischen 25 und 40 DM. Wenn da ein alter Mensch 5 000 oder 15 000 DM zusätzlich erhält, kann er damit was anfangen."

Nach Angaben des Stiftungsvorstands Hans-Otto Bräutigam sind die Verhandlungen mit den sieben Partnerorganisation noch nicht abgeschlossen. Man verhandle jedoch zügig und werde bis zum Auszahlungsbeginn damit fertig sein, sagte Bräutigam der dpa. Die Auszahlung der Entschädigung läuft über die Partnerorganisationen in den mittel- und osteuropäischen Staaten sowie über weitere Organisationen wie die Jewish Claims Conference. Laut Bräutigam gibt es derzeit noch keinen Überblick, wie viel Anträge auf Entschädigungen bei den unterschiedlichen Organisationen eingegangen sind.

Wirtschaft will Fehlbetrag ohne Kredit aufbringen

Die deutsche Wirtschaft will die noch fehlenden Gelder im Entschädigungsfonds für ehemalige NS-Zwangsarbeiter auch ohne Kredite aufbringen. Anders lautende Medienberichte seien falsch, sagte der Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Gibowski, am Freitag. Er reagierte damit auf einen Bericht der "Berliner Zeitung", wonach die Wirtschaft kurzfristig Kredite aufnehmen wolle, um den Entschädigungsfonds auf die zugesagten fünf Milliarden Mark aufzustocken. Die Zeitung hatte sich auf "hochrangige Industriekreise" berufen.

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